Fahrtauglichkeits-Check bei Senioren

Fahrtauglichkeits-Check für Senioren

Ein Fahrtauglichkeits-Check für ältere Menschen ist ein Muss. Denn Statistiken belegen ganz eindeutig, dass Unfälle im Auto zunehmen. Ist doch so, oder? Wir finden das nicht. Fahrtauglichkeits-Checks im Alter sind ein heiß diskutiertes Thema und es gibt gute Argumente – und zwar für beiden Seiten.

Pro Fahrtauglichkeits-Check: Unfälle vermeiden

Vor kurzem beim Verkehrsgerichtstag in Goslar: Viele Experten plädierten für verbindliche Fahrtauglichkeits-Checks im Alter. Dennoch ändert sich hier wie bei einigen anderen Auto-Themen im Auto-Land Deutschland (Stichwort: Tempolimit!) einfach nichts. Und das, obwohl Statistiken eindeutig belegen: Wenn ein Fahrer über 75 Jahren in einen Unfall verwickelt ist, dann hat er diesen in drei Viertel der Fälle auch selbst verursacht. Wie sieht es dagegen in der Hochrisikogruppe aus, den Fahranfänger von 18-24 Jahren? Die Zahl ist wesentlich geringer.

Auch Einzelbeispiele sprechen für sich: In München ist letztes Jahr ein Rentner in mehrere, vor einer Ampel wartende Autos gefahren. Ein Todesopfer. Ein 88-Jähriger verwechselte in Braunschweig Vorwärts- und Rückwärtsgang und verursachte einen Sachschaden von 12.000 Euro. Der Senior blieb zwar unverletzt, drückte aber der Polizei noch am Unfallort seinen Führerschein in die Hand. Soviel Einsicht ist leider selten.

Körperliche Fähigkeiten lassen im Alter nach

Kognitive und körperliche Fähigkeiten im Alter lassen immer mehr nach. Dabei sind es nicht zwangsläufig immer ganz schwerwiegende Probleme wie beginnende Demenz. Oft ist es „nur“ ein steifer Hals, der einen Schulterblick erschwert, schlechtes See- und Hörvermögen und generell langsamere Reaktionen – und schon kann es an der Kreuzung krachen.

In anderen Ländern ist ein Fahrtauglichkeits-Check schon längst der Fall: In den Niederlanden, in Norwegen und in Schweden ist die Untersuchung ab 70 Jahren Pflicht, in Italien gibt es bereits ab 50 bei einer Führerscheinverlängerung Untersuchungen. Warum dann nicht in Deutschland? Verpflichtende Tests widersprechen der Selbstbestimmung von Senioren, sagen manche. Gegenfrage: Was ist denn bitteschön mit dem Selbstbestimmungsrecht der Unfallopfer?

Ältere Frau am Steuer

Contra Fahrtauglichkeits-Check: Auf Freiwilligkeit setzen

Jede Statisik lässt sich mit einer Gegenstatistik beweisen. Gerade beim kontroversen Thema „Fahrtauglichkeit im Alter“ trifft das zu. Es gibt nämlich Zahlen, die ganz und gar nicht für eine erhöhte Unfallgefahr von Senioren sprechen: Das Statistische Bundesamt  belegte 2014, dass Menschen über 65 Jahren zwar 20,8 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, sie aber nur an 12,6 Prozent der Unfälle mit Personenschaden beteiligt sind. Ein Grund dafür könnte natürlich auch sein, dass ältere Menschen weniger Autofahren. Und dennoch. Kein Grund davon auszugehen, dass jeder ältere Autofahrer per se eine Gefahr darstellt.

Klar, ältere Menschen haben manchmal langsamere Reaktionen als 20-Jährige. 20-Jährige rasen dafür, tippen während des Fahrens in ihr Handy oder fahren betrunken aus der Disco nach Hause. Mancher 20-jährige würde jetzt beleidigt reagieren, weil er nicht diesem negativen Klischee entspricht. Und genauso ist es auch bei Senioren. Diese sind heute mit 80 oft noch so leistungsfähig wie früher 60-jährige. Und sie haben gegenüber Fahranfängern einen entscheidenden Vorteil. Sie besitzen Erfahrung. Und ist nicht genau das der entscheidende Punkt?

Stellen wir uns nur einmal die folgende Situation auf der Autobahn vor: Ein Autofahrer überholt mit erhöhter Geschwindigkeit von rechts und zieht sofort zurück auf die Überholspur. Unser Autofahrer muss nun schnell reagieren. Bremsen, beschleunigen, auf die dritte Spur wechseln? Wer hier Erfahrung hat und vielleicht sogar schon einmal Ähnliches erlebt hat, behält vermutlich einen kühleren Kopf, als jemand, der solche Situation nur aus der Theorie in der Fahrschule kennt. Daher, nur des Alters wegen ganz auf das Auto verzichten? So einfach ist es nicht.

Freiwilliger Fahrtauglichkeits-Check: Aufklärung und Unterstützung

Freiwilligkeit und Aufklärung – ich denke das ist beim Fahrtauglichkeits-Check der bessere Weg. Angebote für freiwillige Checks gibt es heute schon genug: von Hausärzten, über Fahrschulen, TÜV oder Dekra gibt es viele Möglichkeiten. Würden diese Fahrtauglichkeits-Checks dagegen für alle eingeführt – auch für die Mehrzahl, die noch fahrtauglich ist –  würde das eine große Kostenbelastung für die Krankenkassen oder andere Stellen bedeuten. Manche Tests kosten mehrere hundert Euro. Hinzu kommt, dass eine Untersuchung ein großer Eingriff in die Privatsphäre von Senioren ist.

Ein Fazit

Gibt es sie also, die perfekte Lösung? Wir verstehen die Sorge der Mutter, die sich bei dem Gedanken unsicher fühlt, dass unkonzentrierte ältere Menschen das Leben ihrer Kinder gefährden können. Genauso gut verstehen wir aber auch Senioren, die über sich und ihre Gewohnheiten selbst bestimmen möchten. Was denken Sie? Wir sind gespannt auf Erfahrungen und weitere Meinungen zu diesem Thema!

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