Der 2017 Skoda Octavia präsentiert sich.

2017 Skoda Octavia Facelift: Fahrbericht

Man kann das Rad nicht neu erfinden. Die Räder sind in der Regel rund. Der 2017 Skoda Octavia präsentiert sich mit einem Facelift, welches allerdings – glaubt man einschlägigen Facebook Gruppen – nicht ganz so gut ankommt. Ob deswegen die Verkäufe einbrechen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Sehen wir mal von der zweifelhaften optischen Veränderung ab, ist der Octavia auch weiterhin eine absolute Kaufempfehlung wert.

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2017 Skoda Octavia Design Check

Schaut man sich Modell-Updates anderer Fahrzeuge an, muss man teilweise schon sehr genau hinsehen, um sie zu erkennen. Das ist beim neuen Skoda Octavia nicht der Fall: Das Facelift sticht sofort ins Auge. Oder besser gesagt in alle vier Augen, denn die befinden sich nun an der Front des Tschechen und erinnern gewissermaßen an ein Stuttgarter Erfolgsmodell. Man mag vom Facelift halten, was man will, eines ist klar: Es fällt auf.

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Und die anfänglichen Bedenken, die auch ich hatte, als ich die ersten Fotos sah, können etwas abgeschwächt werden. In Natura wirkt das Facelift nicht mehr so fremd, wie auf dem Bildschirm. Zudem ist die Wahl der Lackierung entscheidend, wie stark die neue Front heraussticht. Ob und in wie weit ein Vier-Augen-Gesicht bei den Tschechen nun Bestand haben wird, ist darüber hinaus als großes Fragezeichen zu sehen. Immerhin hat Jozef Kaban – ehemaliger Design-Verantwortlicher – Skoda unlängst verlassen und ist nach München gegangen. Dementsprechend ist auch die Frage offen, ob es in Zukunft beim Vier-Augen-Gesicht bleiben wird. Aktuell reiht sich das Octavia Facelift damit aber gut in die Skoda Familie ein: Einst mit dem Skoda Yeti begonnen, kam unlängst der Skoda Kodiaq mit vier Front-Scheinwerfern auf den Markt.

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Neben der Front, die zusätzliche Sicken und einen stärker konturierten Grill trägt, blieb der Rest der Optik zurückhaltend und schnörkellos. Die Seitenansicht gibt sich weiterhin gestreckt und das Heck bekannt. Hier kommt zwar eine neue Heckschürze zum Einsatz, doch die fällt kaum auf. Eher schon die neuen Rückleuchten, die nun dunkler und mit einem neu gestalteten Innenleben ausgestattet sind.

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2017 Skoda Octavia Motoren Check

Große Neuigkeiten erwarten einen beim Blick unter die Haube nicht beim Facelift des Skoda Octavia. So stehen wieder Benziner und Diesel mit Aufladung parat, deren goldene Mitte als Empfehlung verstanden werden darf. Den Einstieg macht man mit einem 1.2 Liter TFSI Benziner mit 86 PS. Darüber rangieren die hubraumschwächeren 1.0 TSI, die aber mehr leisten: Ihre Ausbeute liegt bei 115 PS. Darüber hinaus lassen sie sich mit einem Doppelkupplungsgetriebe ausstatten. Die empfehlenswerte Mitte bildet der 1.4 TSI mit 150 PS, während es mit dem 1.8 TSI mit 180 PS schon dynamisch wird.

Die Diesel starten mit 1.6 Litern Hubraum und 90 PS. Etwas mehr sollte es schon sein, da der Octavia viel Laderaum bietet. Nutzt man diesen aus, dürften selbst die 115 PS des nächststärkeren 1.6 TDI etwas knapp bemessen sein. Der Fahrspaß beginnt mit 2.0 Litern Hubraum und mindestens 150 PS. Hier hat man zusätzlich die Wahl, optional einen Allradantrieb oder ein DSG hinzu zu bestellen. Der Top-Diesel mit 184 PS hat diesen serienmäßig.

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Zum Test stand der 2.0 TDI mit 150 PS und Allradantrieb zur Verfügung. Gekoppelt mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gestaltet sich das Fahren sehr komfortabel. Einzig das Einkuppeln gerät dann und wann etwas harsch, sodass man ein gewisses Rucken spürt. Ansonsten sortiert das DSG die Gänge schnell und unmerklich und stellt bei prompter Geschwindigkeitsabfrage den passenden Gang bereit oder hält das Diesel-Aggregat im optimalen Drehzahlbereich. Der liegt zwischen 1.700 und 3.000 Touren, da hier das maximale Drehmoment von 340 Nm anliegt. So braucht das DSG kaum zurückschalten, sondern kann die Drehmomentwelle einfach absurfen.

Legt man es darauf an – auch unterstützt durch den Allradantrieb – spurtet der tschechische Kompakt-Kombi damit in 8,4 Sekunden auf 100 km/h und schafft mit etwas Anlauf 210 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ich habe es allerdings gemütlich angehen lassen – wie man es eben im Ausland macht – und bin so auf einen guten Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern laut Bordcomputer gekommen. Bei zügiger Fahrt standen 6,5 Liter auf der Anzeige, während im deutschen Alltag wohl mit runden sechs Litern gerechnet werden kann.

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2017 Skoda Octavia Innenraum & Kofferraum Check

Wer den Skoda Octavia bislang schon kannte, der wird auch beim Facelift, sprich dem 2017 Skoda Octavia,  wenig Neues vorfinden, was die Platzverhältnisse anbelangt. Vorn wie hinten finden sich Erwachsene wohl, ohne dass es irgendwo knapp wird. Stellt man die Vordersitze auf meine Körpergröße von 1,75 m ein, offenbart sich im Fond ein wahrer Tanzsaal. Das Beine-Übereinanderschlagen wird zur leichtesten Übung. Und auch hinter meinem Kollegen, der etwas mehr als 1,90 Körpergröße mitbringt, hat man noch genügend Platz für Langstrecken. Kinder werden ohnehin keine Probleme haben.

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Probleme wird man gleichfalls nicht mit dem Kofferraum bekommen. Mit voller Bestuhlung stehen 610 Liter Ladevolumen bereit, die durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf über 1.700 Liter erweitert werden können. Dafür genügen ein Hebelzug links und einer rechts, schon entsteht eine nahezu ebene Ladefläche.

Wirklich neu ist im Innenraum aber das Infotainment, das man in nahezu gleicher Form bereits im VW Golf 7 Update zu sehen bekam. Im Skoda Octavia hört es allerdings auf den Namen „Columbus“, bietet aber genauso beeindruckende 9,2 Zoll Bildschirmdiagonale. Jener Bildschirm löst schön hoch auf, spiegelt aber dann und wann. Dennoch: Durch die hohe Helligkeit des Displays lassen sich alle Einblendungen gut ablesen. Bedient wird das Infotainment im Übrigen recht klassisch über Touch. Gesten sucht man vergebens. Das schadet aber überhaupt nicht, da die Gestensteuerung noch in den Kinderschuhen steckt und die Touch-Bedienung bestens funktioniert.

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So stehen am linken Rand digitale Stationstasten bereit, über die man jederzeit ins Menü zurückkommt oder den Bildschirm wechseln kann. Leider verzichtet Skoda – genauso wie VW beim Golf – auf Drehräder. Die Lautstärke muss also über eine Plus- oder Minus-Taste verstellt werden, was jeglichem Alltagsnutzen entbehrt. Gleiches gilt für den Verzicht auf ein Rädchen zum Zoom in die gestochen-scharfe Navi-Karte. Hier kann man zwar mit zwei Fingern, wie man es vom Smartphone kann, zoomen, aber das lenkt stark vom Geschehen ab. Zumindest bei der Lautstärke kann man hier entgegenwirken, indem der Fahrer einfach die Walzen am Lenkrad zur Verstellung nimmt. Das geht schnell und logisch – na also!

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Neben den üblichen Funktionen wie der Telefonie über Bluetooth, dem digitalen Radioempfang oder der Navigation, bietet das System die Koppelung von Smartphones via Apple CarPlay oder Android Auto. Das funktioniert bestens – mit beiden Systemen – und ermöglicht die Einbindung des Smartphones in den automobilen Alltag. So kann man über das Smartphone-Navi navigieren und auf bisher eingegebene Routen zurückgreifen und seine Musik-Bibliothek auf gewohnte Weise abspielen oder auf zugelassene Apps zugreifen. Die Auswahl ist allerdings auf die Apps beschränkt, die beim Fahren wirklich Sinn machen.

2017 Skoda Octavia Fahreindruck Check

War der Skoda Octavia bislang ein eher straffer Geselle, hat das Facelift diesen Habitus gänzlich abgelegt. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung gelang komfortabel und geschmeidig – teilweise sogar eine Spur zu soft. Das Testfahrzeug war mit dem DCC-Fahrwerk ausgerüstet. Ganz gleich, welchen Modus man gewählt hat – zur Wahl stehen „Comfort“, „Normal“ und „Sport“ – der Octavia federt immer angenehm. Zuweilen angenehmer, als das Vor-Facelift-Modell.

Drehregler für Lauter & Leiser!

elektrische Fensterheber vorne und hinten, Funktion für hinten sperrbar

7-Gang DSG derzeitig nur mit dem 150 PS Diesel und Allradantrieb zu bestellen.

12 Volt Steckdose, aber nur ein USB Anschluss vorne, dafür zwei im Fond

Sitz - und Lenkradheizung, Bedienung über den Touchscreen

Das neue Columbus Infotainment-System. 9,2" groß wie im VW Golf Update, aber ohne Gestensteuerung. Ich hab die nicht vermisst.

Klassische Anzeigen, ein digitales Cockpit gibt es im Skoda (noch) nicht!

Tempomat-Regelung, in Verbindung mit dem aktiven Spurhalte-Assistenten ein Genuss!

 

Sogar in Sport wirkte die Abstimmung harmonisch und federte fiese Verwerfungen weg. Beeinflusst werden zudem die Abstimmung der Lenkkraftunterstützung sowie die Gasannahme. In Sport muss man etwas Nachdrücklicher nach dem Volant greifen, ohne jedoch mit übermäßigen Rückstellkräften rechnen zu müssen. Wer es softer mag, der wird den „Comfort“-Modus lieben. Ansonsten gibt sich der Octavia unauffällig und tut, was man von ihm erwartet.

2017 Skoda Octavia Preis Check

Nun, ein Sonderangebot ist der tschechische Kombi nicht mehr. Eigentlich liegt er sogar auf demselben Niveau, wie sein Wolfsburger Konzern-Bruder, mit dem er sich viele Komponenten teilt. Angenehmerweise ist der Skoda Octavia aber insgesamt zehn Zentimeter länger und bietet sieben Zentimeter mehr Radstand, was ihn vom Golf entfernt und fast schon aus der Kompakt-Klasse hebt. So bekommt man nicht nur sehr viel Auto für sein Geld geboten, sondern auch ausgereifte Konzernqualität. Preislich startet das Facelift bei 18.150 Euro. Unser Testwagen kam auf mindestens 32.750 Euro.

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2017 Skoda Octavia Zielgruppen Check

Für wen eignet sich der geliftete Octavia also? Der Vertreter, der bislang aufgrund des etwas unkomfortablen Fahrwerks zurückschreckte, darf nun bedenkenlos beim Tschechen zugreifen. Zudem werden sich Familien bestens mit dem Kombi zurechtfinden, da der Kofferraum großes Gepäck wegsteckt und für alle Insassen viel Raum bietet. Ihr Budget sollte aber damit rechnen, dass Skoda nicht zu den Billigheimern zählt. Und wie sieht es mit den Best Agern aus? Auch sie werden sich hier gut zurechtfinden. Die Materialauswahl ist größtenteils angenehm und der Komfort stimmt durchweg. Zudem steht die bei ihnen beliebte Limousine weiterhin in der Preisliste und bietet kaum weniger Basis-Kofferraum. Eine schlechte Wahl trifft man also nie mit dem Octavia.

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