Fluchen am Steuer

Mit 120 auf der Autobahn, das Fahrzeug vor Ihnen schert aus und wechselt ohne zu blinken auf Ihre Fahrbahn. Sie bremsen, schlagen mit der flachen Hand auf die Hupe und haben noch Glück, dass die Autos hinter Ihnen Abstand gehalten haben.

Eine Situation, die wir alle kennen und die uns je nach Gemütszustand unterschiedlich aufwühlt. Den meisten wird hier auch noch der ein oder andere Fluch entwischt sein, im geschlossenen Raum kann man schließlich sagen was man möchte, richtig? Alleine sind wir damit zumindest nicht.

Denn eine Forsa-Studie hatte Anfang des Jahres ergeben, dass immerhin 96 Prozent der Deutschen am Steuer hin und wieder fluchen. Ähnlich beliebt sind Hupen oder Aufblenden, um andere Verkehrsteilnehmer auf ihr vermeintliches Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

 Hohe Strafen für den Mittelfinger

Anders sieht es aus, wenn schwerwiegendere Beleidigungen wie das Zeigen des Mittelfingers oder eines „Vogels“ zum Einsatz kommen. Hier sind die Strafen in den letzten Jahren empfindlich gestiegen. Strafzahlungen bewegen sich je nach Ermessen des Gerichts zwischen 600 und 4000 Euro. Die Bild hatte dazu vor kurzem angemerkt, dass man bei „Dumme Kuh“ mit rund 300 Euro noch etwas günstiger wegkommt als bei der Beleidigung eines anderen mit „Blödes Schwein“, wo man für 500 Euro Strafe noch einmal tiefer in die Taschen greifen muss.

Zumindest solange der andere Verkehrsteilnehmer kein Polizist ist, denn dann steigen die Strafen noch einmal deutlich – je nach Schwere der Beleidigung und Rang des Beleidigten. Selbst vermeintlich milde Formulierungen wie „Kasperleverein“ können hier bereits zu vierstelligen Summen führen.

 Schimpfen in den eigenen vier (Auto-)Wänden

Schimpfen Sie also nur hinter geschlossenen Autotüren vor sich hin, sind Strafen allein mangels Beweisen mehr als unwahrscheinlich. Kurbeln Sie dabei allerdings die Fenster runter, um Ihrem Ärger lautstark Ausdruck zu verleihen, sieht es schon anders aus. Denn Beleidigungen sind ein Straftatbestand und Sie können in diesem Fall auch mit Zeugen rechnen in den Autos um Sie herum oder Mitfahrer.

Fluchen als Stressfaktor

Und auch wenn man sich in dem Moment natürlich stets im Recht fühlt, dürfte es auch für die besten Fahrer unter uns ab und an Situationen geben, in denen Fehler passieren. In denen man zu spät auf die Abbiegespur wechselt und den nachfolgenden Verkehr blockiert, in denen man andere Verkehrsteilnehmer schlicht übersieht oder nach einem stressigen Tag mit den Gedanken wo anders ist. Und vor allem: Was wenn Ihre Kinder das  hören? Diesen Fluch dürften Sie wohl noch einige Wochen danach bereuen.

Zudem fand der Psychologe Richard Stephens heraus, dass wir durch Fluchen nicht im mindestens inneren Druck abbauen und dadurch entspannter werden. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Adrenalin, Cortisol und Endorphine sorgen dafür, dass wir wie auf einer Flucht ausdauernder und schmerzresistenter werden, aber sicherlich nicht gelassener.

Geht man also davon aus, dass nicht alle Fehler im Straßenverkehr böse Absicht sind, schont das Nerven und Geldbeutel.

Mehr zu Bußgeldern, die Sie auf deutschen Straßen erwarten können finden Sie im R+V24 Ratgeber: https://www.rv24.de/online/ratgeber/bussgeld/index.xhtml

 

Bildquelle: istock

 

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