Elektroauto: Innovation oder Kostenfalle?

Elektroauto: Für wen lohnt es sich wirklich?

Für manche wird das Autofahren durch das Elektroauto wieder zum echten Abenteuer. Innovative Technik, anderes Fahrgefühl – aber besonders auch die bange Frage: Reicht der Saft noch? Wer sich für ein Elektroauto entscheiden möchte, sollte deshalb genau überlegen, ob diese Lösung auch sinnvoll für das eigene Fahrverhalten ist.

Jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit pendeln. Am Nachmittag müssen die Kinder zum Musikunterricht, abends werden noch schnell die Einkäufe erledigt. Und auch abseits des Alltags ist das Auto wichtig, für die schönen Dinge im Leben: 2017 ist schließlich ein Kurztrip an den Gardasee und eine längere Reise nach Spanien geplant. Kurz gesagt: Ein Familien- und Arbeitsauto muss einiges leisten. Ob das ein Elektroauto auch wirklich schafft? Davon sind die Deutschen noch nicht so recht überzeugt.  Anfang des Jahres waren nur knapp 30.000 der E-Mobile auf den Straßen unterwegs – bei insgesamt  45 Millionen Pkws. Das ist ein Anteil von 0,06 Prozent und zeigt, dass Elektroauto noch weit davon entfernt sind, sich flächendeckend durchzusetzen.

Die Herausforderung: Reichweite

Inzwischen gibt es E-Autos mit 300 Kilometern Reichweite, beispielsweise den VW E-Golf und der BMW i3. Damit würde man zumindest rechnerisch fast von München bis zum Gardasee gelangen. Ohne Ladesäule auf dem Weg bliebe es allerdings ein Abenteuer mit Nervenkitzel. Deshalb ist die Frage nach der Reichweite und der Verfügbarkeit der Ladestellen für viele Fahrer weiterhin das entscheidende Kriterium, neben den Kosten in Anschaffung und Unterhalt. Was manchmal jedoch nicht genug bedacht wird, dass das eigene Fahrverhalten für die Reichweite entscheidend ist.

Lohnt sich ein Elektroauto für Sparfüchse?

Betrachten wir jedoch zuerst die Kosten für ein Elektroauto: Zunächst denken viele, dass ein solches günstiger als ein herkömmliches Auto ist, da man sich das Tanken spart. Dies erscheint umso einsichtiger, als die Bundesregierung eine Förderprämie von 4.000 Euro für den Kauf von Elektroautos beschlossen hat. Gefördert werden allerdings wirklich nur reine Elektroautos und – mit einer etwas geringeren Prämie – auch Plug-in-Hybridmodelle. Klassische Hybridmodelle, die ihren Strom während der Fahrt beim Bremsvorgang produzieren, fallen dagegen aus der Förderung raus.

Allerdings sind Elektoautos wesentlich teurer in der Anschaffung als vergleichbare Benziner- und Dieselmodelle, mit ca. 10.000 Euro und mehr Preisdifferenz muss man rechnen. Zwar sind Wartung, Inspektion, Steuer und der Strom wiederum günstiger als bei „normalen“ Autos – dennoch: Auch bei längeren Laufzeiten rechnet sich das Elektroauto nicht. Der ADAC hat dazu einen umfangreichen Test durchgeführt: „Selbst die günstigsten E-Modelle, der Citroen C-Zero Tendance (Grundpreis 19.390 Euro) und der Peugeot iOn Active (19.390 Euro), kosten den Verbraucher 4,3 Cent bzw. 6,2 Cent mehr pro Kilometer als ein konventioneller Antrieb.“ (Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie in dieser Tabelle.)

Wenn also die Kostenersparnis der wichtigste Faktor für einen selbst ist, sollte man sich eher für ein herkömmliches Auto entscheiden. Wer mit einem Elektroauto liebäugelt, hat oft jedoch sowieso andere Beweggründe. Man möchte seinen ganz persönlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten und trotzdem gut durch den Alltag kommen. Und nicht nur man selbst, auch die Familie soll natürlich die Möglichkeit zu einem mobilen Alltag haben. Daher unterteilen wir in verschiedene Fahrertypen.

R+V24: Elektroauto an Ladesäule

Elektroauto: Welcher Fahrertyp sind Sie?

Sie fahren lange Strecken, geschäftlich oder in den Urlaub?

Kurz gesagt: Für Sie ist ein Elektroauto nicht wirklich geeignet. Auch wenn es in Deutschland ca. 9.000 Ladestationen gibt, reicht das für ihre Zwecke wahrscheinlich derzeit nicht aus. Abgesehen vom Schnellladen, sind für Ihre Zwecke die Ladezeiten mit im ungünstigsten Fall bis zu 30 Stunden zu lang und unpraktisch. Sonst gerät man schnell in einige Situationen, in denen der Geschäftspartner ungeduldig beim Termin wartet, während man noch sein Auto lädt.

Plug-In-Hybride wären für Sie besser geeignet. Diese sind allerdings gerade auf langen Fahrten ohne Strombetrieb unwirtschaftlicher als Benziner und Diesel.

Sie wohnen in einer Stadt und fahren meist nur kürzere Strecken?

Für Sie könnte die Anschaffung eines Elektroautos durchaus sinnvoll sein. Größter Vorteil: In der Stadt haben Sie ausreichend Zugriff auf Ladesäulen. Allerdings sollten Sie einige Fragen vorab klären. Bietet das Auto ausreichend Reichweite für den Hin- und Rückweg zum Büro? Am Arbeitsort aufladen zu müssen, könnte eher unpraktisch sein. Habe ich einen hügeligen Fahrweg oder fahre besonders viel im kalten Winter? Vorsicht – dann ist der Stromverbrauch deutlich höher! Generell gilt eine Pendelstrecke zwischen 30- 50 km als geeignet. Ideal wäre es, wenn man auch die einheimische Garage „e-tauglich“ machen kann. Lassen Sie einen Fachmann prüfen, ob eine abgesicherte Ladeeinheit, die mit Starkstrom schnell lädt, installieren werden kann.

Unser Fazit: Elektromobilität scheitert noch immer am Kostenfaktor

Aus Kostengründen ist die Anschaffung eines Elektroautos nicht interessant. Wer jedoch eine innovative, umweltfreundliche Technik ausprobieren möchte, der sollte sich ans Elektroauto rantrauen. Vielleicht nicht gleich für die geplante Gardasee-Reise, aber für die täglichen Fahrten. Und wenn Sie einige Tipps zum möglichst schonenden Stromverbrauch berücksichtigen, rollen Sie entspannt ihrem Ziel entgegen.  Und Sie werden nicht das Abenteuer erleben, dass der Saft alle ist.

Förderprämie

Mehr Infos zur Förderprämie in Höhe von 4.000 Euro erhalten Sie hier.

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