Gebrauchtwagenkauf: Auf was muss man achten?

Allgemeine Tipps und Tricks für den Gebrauchtwagenkauf: Mit dem Frühling startet auch die Gebrauchtwagen-Saison. Verbraucher können echte Schnäppchen machen.  Jedoch auch viele Fehler begehen. Damit der Gebrauchtwagen aber keine bösen Überraschungen mit sich bringt, sollten ein paar Tipps und Tricks berücksichtigt werden. Verschwiegene Unfallschäden, zurückgedrehte Kilometerstände und abgefahrene Reifen – immer wieder werden Fahrzeuge zum Verkauf angeboten, die in Wahrheit gar nicht mehr für den Straßenverkehr zugelassen werden sollten. Derartige Fahrzeuge erkennt man jedoch recht schnell, wenn man ein paar Tipps und Tricks berücksichtigt.

Grundsätzlich kann man mit drei goldenen Regeln gut klar kommen beim Gebrauchtwagen-Kauf. Nicht die Augen verlieren, sich nicht unter Druck setzen lassen und vor allem sich nicht blenden lassen. Einige Verkäufer erwähnen bereits vor dem Termin, dass anschließend noch weitere Interessenten kommen. Das machen die vor allem um Interesse zu wecken, aber auch um die Verhandlungsversuche abzublocken. Davon sollte man sich wie gesagt auf keinen Fall beeindrucken lassen. Klappern gehört beim Automobil-Verkauf zum Handwerk, blenden teilweise leider auch. Also Augen auf beim Gebrauchtwagen-Kauf!

Diese allgemeinen Ratschläge ergänzen wir ab sofort bei unseren Gebrauchtwagenkaufberatungen. Wir verlinken also immer wieder auf die allgemeinen Hinweise, die man bei jedem Gebrauchtwagenkauf beherzigen sollte und konzentrieren uns in den fahrzeugspezifischen Beiträgen auf die jeweiligen bekannten Mängel und Schwachstellen. Zur Visualisierung dient unser insg. fast 6 Jahre alter VW Caddy. 80.000 km hat er runter, dementsprechend sind auch die Abnutzungserscheinungen.

Gebrauchtwagenkauf: Darauf sollte man achten!

R+V24: Tipps zum Gebrauchtwagenkauf

Auf der Suche nach dem richtigen Fahrzeug

In der Regel gibt der deutsche Verbraucher 8.500 Euro für ein Auto mit einem Vorbesitzer aus. Das ist eine durchaus stattliche Summe. Doch nur die wenigsten Interessenten bereiten sich auch tatsächlich auf den Gebrauchtwagen-Kauf vor. In der Regel agieren die Verbraucher zu hastig: Einerseits werden nicht die Preise überprüft, andererseits verzichtet der Interessent auch auf die genaue Überprüfung des Fahrzeugs. In vielen Fällen wird eine kurze Probefahrt vereinbart, die den Interessenten überzeugen soll. Zu Beginn sollte sich der Verbraucher für maximal drei Fahrzeuge entscheiden, die er in die engere Wahl nimmt.

Gebrauchtwagenkauf: Wo liegen die Gefahren?

R+V24: Gebrauchtwagenkauf

Danach kommt es zur Kontaktaufnahme mit den Verkäufern. In welchem Zustand befindet sich das Auto? Wie viele Kilometer wurden gefahren? Wie viele Vorbesitzer gab es? Stimmen die restlichen Daten mit den Angaben im Inserat überein? Dabei ist natürlich die Frage zu klären, ob es sich bei dem Verkäufer um einen Händler oder um den Eigentümer des Fahrzeugs handelt. Handelt es sich um einen „Verkauf für den Kumpel“, kann man davon ausgehen, dass ein Händler hinter der Sache steckt. Mit derartigen Maschen, versuchen die Händler nämlich die Gewährleistungspflicht zu umgehen. Eine wichtige Regel beim Gebrauchtwagenkauf ist: Vor dem Kauf darf man sich nicht in das neue Objekt der Begierde verlieben, denn Liebe macht bekanntlich blind.

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R+V24: Gebrauchtwagenkauf – Gut vorbereitet sein

Die Überprüfung vor Ort

Ist der Verbraucher überzeugt, dass es sich um einen seriösen Verkäufer handelt, sollte er einen Termin für die Besichtigung ausmachen. Hier sollte der Verbraucher vor Ort einen Vergleich durchführen. Stimmen die Daten, die im Inserat zu finden sind, auch mit den tatsächlichen Angaben überein? Gibt es wirklich keine Dellen und nur einen Vorbesitzer? Passt die Farbe überall?

Wie sieht es mit Unfallschäden aus? Passt der Kilometerstand zur Abnutzung des Fahrzeuges? Schaltknauf, Gaspedal und Sitze können hier erste Indize geben.

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R+V24: Gebrauchtwagenkauf – Schaltknauf, Gaspedale können Hinweise geben

In den Zeiten in denen man über ein eventuelles Fahrverbot für Fahrzeuge spricht, die nicht die EU6-Norm erfüllen, muss man sich natürlich auch die Abgaseinstufung ansehen. Diese findet man im Fahrzeugschein / Brief – bzw. in der Zulassungsbestätigung Teil 1 und 2. EU5 und EU6 Fahrzeuge kann man – vermutlich – in der Zukunft auch noch umrüsten. EU4 Fahrzeuge, vor allem als Diesel, sollten Großstadtbewohner eher meiden.

Des Weiteren sollten Fahrgestellnummer und Wartungsnachweise überprüft und kontrolliert werden. Wichtig ist, dass sich der Verbraucher Zeit nimmt. Drängt der Verkäufer, und wird er schnell unruhig, nimmt er sich nicht die notwendige Zeit oder kann auf Detailfragen nicht antworten, dann sollte man misstrauisch werden.

Zeit nehmen bei der Besichtigung

In der Regel dauern derartige Besichtigungen – inklusive Probefahrt – zwei Stunden. Hat man so gar keine Ahnung von Autos, ist es immer nützlich einen Bekannten oder einen Experten mitzunehmen, denn schließlich handelt es sich hier um eine kostenintensive Anschaffung bei der man keine Fehler machen sollte.

Gutes Wetter ist ebenfalls ratsam. Regen nervt bei der Begutachtung des Fahrzeugs und künstliches Licht führt dazu, dass etwaige Lackfehler oder Dellen übersehen werden. Erscheint das Auto in einem guten Zustand, sollte der potenzielle Käufer eine Probefahrt durchführen. Dabei kann er sich auch vom „Fahrgefühl“ überzeugen. Er kann die Bremsen ausprobieren oder mitunter sich seine Vermutungen bestätigen lassen, wenn er der Meinung ist, im Motorraum sei alles einwandfrei. Natürlich können dem Verbraucher auch Fehler und Mängel auffallen, wenn er den Motorraum des Fahrzeugs überprüft, die er sich – im Zuge der Probefahrt – bestätigen lassen möchte.

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Vor der Probefahrt sollte man einmal alle elektrischen Features ausprobieren. Funktionieren alle Fensterheber, wie sieht es mit dem Licht aus, funktionieren auch alle Anzeigen im Fahrzeug? Bei einem Cabrio muss man das Verdeck immer zwei mal komplett öffnen und schließen, hakt nichts und schließt das Verdeck butterweich, dann geht es an die Sichtkontrolle.

Macken, Kratzer, Dellen, Beulen – das wird den Preis mindern. Auch das Fahrzeug auf Kratzer in der Scheibe kontrollieren. Selbst die Scheinwerfer darf man im Blick haben, sind diese ausgeblichen, müssen die vermutlich zum nächsten TÜV-Termin ersetzt werden. Hat die Windschutzscheibe Steinschläge? Wie ist das Profil der Reifen?

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R+V24: Gebrauchtwagenkauf – Blick unter die Motorhaube

Beim Blick unter die Motorhaube schaut man zunächst auf die Wartungshinweise und dann auf die Flüssigkeitsstände.

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R+V24: Gebrauchtwagenkauf – Ölstand überprüfen

Gebrauchtwagenkauf: Die Probefahrt ist wichtig!

Der Interessent muss das Auto immer selbst fahren. Als Beifahrer kann man nicht alle Mängel feststellen! Auch wenn eine tolle Anlage verbaut ist, Radio bei der Probefahrt einmal kurz ausprobieren und anschließend ausschalten. Man muss schließlich auf etwaige Fahrgeräusche bei der Probefahrt achten. Alle Gänge durchschalten, auch den Rückwärtsgang. Zu Beginn der Probefahrt empfielt es sich verkehrsarme Strecken fahren, damit rasche und langsame Geschwindigkeiten möglich sind. Um die Stoßdämpfer und die Federn zu testen empfielt es sich darüber hinaus noch schlechte Straßen zu wählen. Keine Angst, davon gibt es in jeder Stadt ausreichend. Bei der Fahrt kann man auch ruhig, kontrolliert, einmal kurz das Lenkrad los lassen. Zieht das Fahrzeug in eine Richtung, dann ist die Spureinstellung verstellt. Bei einer Bremsung sollte das Fahrzeug ebenfalls nicht in eine bestimmte Richtung ziehen, sondern die Spur halten.

Während der Fahrt kann man dann auch die Sitzheizung, den Tempomat, die Hupe und weitere Ausstattungs-Features ausprobieren! Funktioniert die Heizung? Funktioniert die Klimaanlage? Stinkt diese eventuell? Funktioniert das Navi?

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R+V24: Gebrauchtwagen-Check: Blick unter das Auto

Nach der Fahrt einen Blick unter das Auto werfen. Wie sieht die Ölwanne aus? Wie sieht das Getriebe aus? Droht hier Ölverlust? Wer keine Bühne hat, kann mit zwei Rädern auf den Gehweg fahren und somit einen Blick unter das Auto werfen. Eine gute Taschenlampe sollte man beim Autokauf immer dabei haben. Moderne Autos erschweren den Blick, da Abdeckungen im Weg sind. Hier empfiehlt sich dann doch der Weg zu einer Werkstatt.

Wichtige Formalitäten beim Gebrauchtwagenkauf

Verlief die Probefahrt ohne Probleme und ist der Interessent überzeugt, dass es sich um ein Schnäppchenfahrzeug handelt oder zumindest ein fairer Preis verlangt wird, kann er mit dem Verkäufer über den Preis verhandeln. Haben sich beide Seiten geeinigt, erhält der Verbraucher den Fahrzeugbrief, nachdem er den vereinbarten Preis bezahlt hat. Wichtig ist, dass der Zeitpunkt der Übergabe im Kaufvertrag vermerkt wird. Ist das Auto noch zugelassen, kann der neue Besitzer mit dem Auto heimfahren. Derartige Fahrten sind aber riskant: Hat der neue Besitzer nämlich einen Unfall, gefährdet er den SF-Rabatt des Verkäufers, da das Fahrzeug ja noch nicht umgemeldet wurde.

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Aus diesem Grund sollte das Auto nur abgemeldet verkauft werden. Abgemeldete Fahrzeuge stellen natürlich dann ein Problem dar, wenn es kein Kurzzeit- oder rotes Kennzeichen gibt. Kann nämlich keine Probefahrt durchgeführt werden, müssen sich die beiden Parteien auf einen neuen Termin einigen, damit es dann zu einer Probefahrt kommen kann. Schlussendlich ist es nicht ratsam, dass die Probefahrt nur das Anfahren und das Zurückschieben in die Garage beinhaltet. Viele Defekte treten erst bei Geschwindigkeiten ab 110 km/h auf – so etwa Probleme mit den Rädern, den Stoßdämpfern oder auch mit den Reifen.

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Der Kaufabschluss – die Krönung beim Gebrauchtwagen-Kauf

Haben sich beide Seiten geeinigt, kann der Kaufvertrag unterschrieben werden. Wichtig ist, dass der Kaufvertrag von beiden Seiten – also von Käufer und Verkäufer – unterschrieben werden. Beide Seiten erhalten zudem eine Ausfertigung. Der Kaufvertrag muss auch beim An- bzw. Ab- oder Ummelden des Fahrzeugs vorgelegt werden. Sind alle Unterlagen komplett? Sind eventuelle Fahrzeugveränderungen in die Papiere eingetragen bzw. liegt ein Gutachten / eine ABE vor? Ist der Verkäufer auch der Inhaber des Fahrzeuges oder hat eine entsprechende Vollmacht?

Wichtig ist, dass der Kaufvertrag alle wesentlichen Informationen enthält: Wer hat wann das Auto gekauft bzw. verkauft? Welches Auto wurde verkauft bzw. gekauft? Wie ist der Kilometerstand bei der Übergabe? Gibt es irgendwelche Garantien, Gewährleistungen oder diverse Zusatzprodukte (Navigationssystem, Winter- oder Sommerreifen oder dergleichen), die ebenfalls verkauft wurden? Einen vorgefertigten Kaufvertrag für den Gebrauchtwagen-Kauf, der ausgedruckt und verwendet werden kann, finden Sie hier.

 

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