R+V24: VW e-Golf

VW e-Golf oder VW Golf 7 GTE?

10 Fakten zum VW e-Golf und GTE.

Ein Auto, das die Massen mobilisiert. Längst sind die Tage aber gezählt, in denen man auf einen Verbrenner setzen muss. Klar, es stehen genügend Benziner und Diesel parat, um es jedem recht zu machen. Dennoch hat Volkswagen noch weitere Antriebe in petto, die entweder Gas verbrennen, oder elektrisch betrieben werden. Solche Vertreter sind der VW e-Golf, ein reiner Stromer, und der Golf GTE, der als Plug-In Hybrid vorfährt. Beide Brüder treten nun im 10-Punkte Vergleich gegeneinander an.

Antriebe – Was steckt unter dem Blech?

Bei den Antrieben vereint beide Wolfsburger, dass sie auf Strom setzten. Der VW e-Golf in Gänze und der VW GTE hingegen in Kombination mit einem Turbo-Direkteinspritzer. Das erhöht die Gesamtreichweite, schlägt aber auf das Konto der elektrischen Reichweite. Der VW e-Golf, wie es der Name schon sagt, vertraut einzig auf einen Elektromotor und nimmt sanft säuselnd, also nahezu geräuschlos, Fahrt auf.

Wie weit kommen die Brüder?

Frag sich nur, welche Strecken man mit den Gebrüdern hinter sich bringen kann? Beim VW e-Golf ist die Reichweite im Vergleich zu seinem Vorgänger signifikant gestiegen und liegt nun bei 300 km. Bislang waren es noch deren 190. Im kundenrelevanten Jahresmittel will Volkswagen 200 km errechnet haben, was je nach Fahrweise, Wetter und Klimatisierung variieren kann. Möchte man eine lange Reise antreten, ist dieser Golf aber nicht geeignet. Oder doch? Nun, der VW e-Golf selbst nicht, dafür erhält man in den ersten zwei Jahren einen Mietwagen aus dem aktuellen VW PKW-Programm für maximal 30 Tage im Jahr und kann so seine langen Urlaubsfahrten antreten.

Und der VW Golf GTE? Rein elektrisch kann er bis zu 50 km weit fahren und das bei voll geladener Batterie. Ist diese Reichweite erschöpft, springt der Verbrenner an und ermöglicht das Weiterfahren. Zudem kann man, bei entsprechender Fahrweise, die Batterie wieder beim Fahren laden. Zum Perpetuum-Mobile wird der VW Golf GTE dadurch aber nicht.

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R+V24: VW e-Golf

Für wen eignen sich die Fahrzeuge?

Grundsätzlich für jeden, schließlich ist man durch das „VW-Reiseabkommen“ auf für lange Urlaubsfahrten gerüstet. Dennoch empfiehlt sich der VW e-Golf besonders für Berufspendler. So wollen die Wolfsburger wissen, dass 80 % der Autofahrer täglich weniger als 50 km zurück legen. Da eignet sich aber auch der VW Golf GTE. Und wenn man es auf dem Heimweg besonders eilig hat, bietet diese Variante sogar mehr Power, als sein rein stromernder Bruder.

Leistung – Nur einer hat die Kraft der zwei Herzen

Die E-Mobilität nimmt einem den Fahrspaß und lässt Dynamik im Keim ersticken. Lieber Bild-Leser, das ist grober Tobak! Zum einen bietet der VW e-Golf mehr Power als je zuvor und zum anderen steht er sofort bereit. Kein Ausdrehen des Motors, kein Warten auf den optimalen Ladedruck des Turboladers. Einfach nur Druck „von unten raus“. So bietet der VW e-Golf nun 100 kW (136 PS) anstatt 85 kW (115 PS) und 290 statt vorheriger 270 Nm. Das ist genug für eine Beschleunigung von null auf 100 in gar nicht mal langsamen 9,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km/h.

Und der VW Golf GTE? Der bietet eine Systemleistung von 204 PS und schielt damit schon in Richtung Golf GTI. Der Sprint auf 100 km/h vergeht in zügigen 7,6 Sekunden. Und schnell ist er auch: Mit 222 km/h gehört man zu den zügigeren Vertretern auf der Autobahn. Von wegen lahme E-Zukunft, wobei hier der Verbrenner natürlich der Hauptakteur ist.

VW e-Golf Fotos:

Die Durchschnittsverbräuche

Klar: Gibt man dem Golf GTE die Sporen, gönnt sich der Turbo-Benziner natürlich einen guten Schluck. Im NEFZ-Mittel sollen es aber sehr zurückhaltende 1,6 Liter sein, was einem CO2-Ausstoß von 36 g/km entspricht. Der Stromverbrauch soll bei 11,4 kWh pro 100 km liegen. In Natura wird der kompakte Hybrid natürlich verbrauchen, aber immer noch in einem umweltschonenden Bereich liegen.

Und der Stromer? Hier fließt zumindest kein Benzin, soviel steht fest. Dafür leitet er im Durchschnitt 12,7 kWh/ 100 km durch seine Leitungen in Richtung Antriebsachse. Bei unserer Probefahrt über die Sonneninsel Mallorca haben wir 13,8 kWh / 100 km verbraucht. Das ist ein guter Wert dank Rekuperation und einer angepassten Fahrweise!

Welche besonderen Funktionen bieten die Brüder?

Eines ist beim neuen VW e-Golf immer mit dabei: Das 9,2 Zoll große Navigationssystem Discover Pro. Es wertet prädikativ Streckendaten und jene des Motorsteuergeräts aus und gibt über die Multifunktionsanzeige Auskunft. Etwa darüber, wann man vom „Gas“ gehen sollte, um Strom zu sparen und seine Reichweite zu steigern. Beim VW Golf GTE erhält man dieselbe Funktion, allerdings nur, wenn man ein Navi ordert. Beiden gemein ist zudem das lautlose Fahren. Beim VW Golf GTE natürlich nur im E-Modus. Dafür bietet er einen optionalen Stauassistenten, was zusätzlich die Nerven schont.

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R+V24: VW e-Golf

Was macht man im kalten Winter?

Eine Widrigkeit, der sich Stromer ausgesetzt sehen, sind kalte Temperaturen, die dem Akku zusetzen. Man kennt es vom Smartphone, das im Winter gerne mal in die Knie geht. Dagegen kann man mit einer optionalen Wärmepumpe angehen. Sie nutzt die Umgebungsluft und Abwärme der Aggregate und erhöhte die Reichweite bei winterlichen Bedingungen. Der VW Golf GTE bietet dieses Feature nicht, hat aber auch einen Verbrenner, der mit kalten Temperaturen zurechtkommt.

Das Laden – wie lange dauert es denn noch?

Ein großer Vorteil des VW Golf GTE ist der Zeitgewinn. Tanken dauert fünf Minuten und der Akku lädt im Zweifel während der Fahrt. Hängt man ihn an eine gewöhnliche Haushaltssteckdose, lädt der Akku in 3:45 Stunden voll. An einer 3,6 kW Ladestation sind es 1,5 Stunden weniger.

Beim VW e-Golf variieren die Ladezeiten ebenfalls je nach Stromquelle. An einer Haushaltssteckdose mit 230 Volt sind es lange 13,25 Stunden bis der Akku 80% erreicht hat. An einer 7,2 kW Ladestation hingegen nur 4,25 Stunden. Steht ein CCS – also ein Combined Charging System – bereit, das mit 40 kW lädt, dauert der Vorgang nur 45 min. Da will die Wahl wohl überlegt sein.

VW Golf 7 GTE Facelift Fotos:

Design-Details: Zweieiige Zwillinge

Man muss als Laie schon genauer hinsehen, um Unterschiede auszumachen. Auf den ersten Blick sind beide Fahrzeuge typische Golf. Beide bieten die typische, breite C-Säule, stimmige, dynamische Proportionen und serienmäßig 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Der GTE fällt aber mit seinem geschärften Design auf, das fast schon ein wenig GTI-like wirkt. Beiden gemein ist hingegen die blaue Zierleiste im Kühlergrill, die die elektrifizierten Fahrzeuge im Konzern kennzeichnet. Das gilt auch für das typische, c-förmig in die Frontschürze integrierte Tagfahrlicht, das sich hier, wie dort wiederfindet.

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R+V24: VW e-Golf

Und unter dem Strich?

Unter dem Strich stehen die Preise! Für einen VW e-Golf muss man mindestens 35.900 Euro anlegen. Viel Geld für einen Golf, ein angemessener Preis indes für einen reinen Stromer, in dem viel Technik steckt. Sogar das neue, große Infotainment-System bekommt man für den Basis-Preis.

Für einen Volkswagen Golf GTE muss man exakt 1.000 Euro mehr ausgeben. Dafür bekommt man ein Fahrzeug, das zwei Welten miteinander vereint. Zum einen kann man mit ihm sportlich unterwegs sein und schließt so zu den Dynamikern Golf GTI und Golf R auf. Zum anderen kann man aber wirklich nachhaltig und sparsam unterwegs sein und den Weg zur Arbeit – im Bundesdurchschnitt – rein elektrisch hinter sich bringen. Kein günstiger Golf, aber ein attraktiver Allrounder.

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R+V24: VW Golf 7 GTE

Aber für welchen sollte man sich nun entscheiden? Ich kann da leider gar keinen Gewinner küren. Den VW e-Golf würde ich derzeitig an alle empfehlen, die über ein Eigenheim mit PV-Anlage verfügen, das Fahrzeug einfach laden können und nicht mehr als 200 km täglich pendeln. Der GTE wäre eher für diejenigen geeignet, die täglich weniger als 30 km pendeln, z.B. kurze tägliche Fahrwege haben, aber z.B. am Wochenende weitere Strecken fahren müssen und sich nicht einschränken wollen. Für alle anderen bleibt der normale Golf, der vermutlich auch unterm Strich noch die günstigere Alternative sein dürfte.

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