VW Arteon Fahrbericht

Der VW Passat CC ist tot. Lang lebe der VW Arteon. Ganz stimmt diese Schlussfolgerung nicht. Zwar könnte man den Arteon als direkten Nachfolger des CC sehen, wie das viertürige Passat Coupé nach dem Facelift hieß, doch kommt dem Neuling eine größere Aufgabe zu. Der Was kann das viertürige Coupé von VW? Er soll die Lücke schließen, die der glücklose Volkswagen Phaeton hinterlassen hat. Ob dem viertrürigen Coupé diese Herausforderung gelingen kann?

VW Arteon Design Check

Ein VW ist langweilig. Das steht fest. Einfach einfallslos. Manch einer mag an dieser Attitüde festhalten, wie ein alter Kaugummi an der Schuhsohle. Aber wer den Volkswagen Arteon langweilig findet, der hat wohl nicht richtig hingesehen. Das viertürige Coupé gefällt mit akkurat gesetzten Linien, stimmigen Proportionen und einer stattlichen Erscheinung. Jene lässt keinen Zweifel daran, dass der Arteon gegenüber dem CC die Klasse gewechselt hat. Mit einer Außenlänge von gut 4,86 m ist der Wolfsburger fast schon in der gehobenen Mitteklasse einzusortieren. Damit zeigt sich auch klar der Flaggschiff-Gedanke, der hinter dem Konzept des viertürigen Coupés steckt. Der Passat deckt die Mittelklasse ab, der Arteon schließt die Lücke ins gehobene Segment und will den Phaeton ein wenig ersetzen.

Exterior Fotos VW Arteon:

Zwar reichen seine Abmessungen nicht, um es mit dem Oberklasse-Modell aufzunehmen, doch klein ist der Arteon nun wirklich nicht. Ohne Außenspiegel streckt er sich auf eine Breite von 1,87 m und wuchert mit einem Radstand von 2,83 m – eindrucksvoll. Es ist kein Zufall, dass sich Passanten und andere Verkehrsteilnehmer nach dem niedersächsischen Beau umdrehen. Ungesehen bleibt man mit dem neue Arteon nicht.

Auffällig zeigt sich darüber hinaus die Front. Die Scheinwerfer münden in den imposanten Kühlergrill und verfließen mit ihm – ein echtes Aushängeschild. Je nachdem, für welche Version man sich entscheidet, ob nun VW Arteon, R-Line oder Elegance, wartet die Frontschürze mit ausladenden oder kleineren Lufteinlässen auf. Seitlich fällt die Unterbrechung der gestreckten Tornadolinie am vorderen Kotflügel auf. Hier trennt das Radhaus die langgezogene Schulterlinie ähnlich, wie es beim Audi TT der Fall ist. Spannend auch, dass die optionalen 20 Zoll-Räder (je nach Ausstattung sind 17- oder 18-Zoll-Leichtmetallräder Serie), eine dynamische Turbinen-Form haben, die auf der Fahrerseite attraktiv gen Heck zeigt. Auf der Beifahrerseite sind die Turbinen hingegen Richtung Front eingedreht. Ein kleines, aber augenscheinliches Detail, das ein wenig störend wirkt. Das Heck zeigt sich hingegen ruhig und ohne große Überraschungen. Eine kleine Abrisskante, in die Heckschürze integrierte Auspuffblenden und LED-Rückleuchten, die stark an die Passat Limousine erinnern.

VW Arteon R+V24 Drive Check

VW Arteon Motoren Check

Beim Blick unter die Haube werden aufmerksame Naturen die Verwandtschaft zum Passat erkennen. Verbaut werden ausschließlich Turbo-aufgeladene Benziner und Diesel. Bei den Ottomotoren geht es mit dem 1.5 Liter Turbo mit 150 PS und Zylinderabschaltung los, der zum Marktstart allerdings noch nicht verfügbar ist. Entsprechend ist der aktuell einzig verfügbare Benziner direkt der Top-Motor der Baureihe: Der 2.0 TSI mit 280 PS und dem per Haldex-Kupplung agierenden Allradantrieb 4Motion. Sein Verbrauch soll bei 7,3 Litern im Durchschnitt liegen. Wer das sportliche Potential mitsamt der maximalen Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 5,6 Sekunden, sowie der Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h häufig auslotet, wird diesen Verbrauch aber kaum schaffen.

VW Arteon Motoren

R+V24: VW Arteon unter der Motorhaube

Bei den Dieseln stehen je zwei Aggregate mit 2.0 Liter Hubraum bereit. Los geht es bei 150 PS. Der Stärkere der beiden Selbstzünder leistet 240 BiTurbo-PS und ist ebenfalls mit 4Motion ausgerüstet, was angesichts der 500 Nm, die maximal zur Verfügung stehen, eine gute Sache ist. Mit 5,9 Liter im Mix ist diese Variante ungleich genügsamer, allerdings kaum langsamer. 6,5 Sekunden vergehen auf 100 km/h, bei 245 km/h Topspeed ist Schluss. Das ist mehr als genug für die linke Spur der Autobahn.

VW Arteon Fahrbericht

R+V24: R+V24: VW Arteon – Power für die linke Spur

Volkswagen Arteon Innenraum & Kofferraum Check

Wer keine Lust auf einen Kombi oder SUV hat, aber trotzdem Platz braucht und Wert auf eine adrette Optik legt, ist beim Volkswagen Arteon genau richtig. Die gestreckten Proportionen und Abmessungen lassen im Innenraum Platz in Hülle und Fülle entstehen. Vorne wie hinten reisen vier ausgewachsene Passagiere sehr komfortabel und müssen sich im Fond noch nicht einmal über eine geringe Kopffreiheit beklagen.

VW Arteon Innenraum Fotos:

Dem Premium-Anspruch entsprechend zeigt sich auch die hohe Materialgüte. Schade nur, dass das Cockpit aus dem Passat stammt und keine eigenständige Linie mitbringt. Doch Bedienung und Finish sind dadurch über jeden Zweifel erhaben. Gleiches lässt sich über das Infotainment sagen: Das 9,2 Zoll Topgerät mit Annäherungssensor lässt sich kinderleicht bedienen und gefällt mit seinem noblen Look. Zudem bietet es Apple CarPlay und Android Auto und ist optional mit einem herausragenden Dynaudio-Soundsystem kombinierbar. Einziger Wehrmutstropfen ist und bleibt das Fehlen eines Drehreglers für die Lautstärke – bitte nachbessern! Schließlich geht es hierbei auch um die Verkehrssicherheit, da man einen Drehregler auch mal blind bedienen kann – bei Tasten wird das schwierig.

Active Info Display

Adaptives Fahrwerk, frei einstellbar!

Beim "größten" Infotainment-System muss man auf einen Drehregler verzichten!

7-Gang Doppelkupplungsgetriebe!

Adaptiver Tempomat!

Infotainmentsystem - Bedienung!

Hupe!

Dynaudio Soundsystem!

Unten abgeflachtes R-Line Lenkrad!

Wie es gerade Trend ist, werden die Instrumente digital angezeigt und hören auf den Namen „Active Info Display“. Eine gute Ablesbarkeit ist jederzeit gewährleistet und wird durch einen hohen Nutzen weiter gesteigert. So kann man das Display fast frei konfigurieren und sich beispielsweise seine Navigationskarte direkt vor den Augen anzeigen lassen, während das Head Up-Display alle anderen Informationen im Sichtbereich darstellt. Schade nur, dass es einer separaten Scheibe bedarf, die aus dem oberen Armaturenbrett fährt. Keine Abstriche gibt es hingegen beim Kofferraum: Dieser ist mit 563 bis 1.557 Litern für alle Eventualitäten gerüstet.

Volkswagen Arteon Fahreindruck Check

Für alle Eventualitäten ist auch der VW Arteon gerüstet, wenn es um das Wichtigste geht: Das Fahren. So kann man etwa das Fahrwerk stufenlos regulieren und eine spürbar straffe oder eine sehr komfortable Abstimmung wählen. Die Unterschiede sind tatsächlich stark zu spüren. Wie man es von einem VW erwartet, fährt der Volkswagen Arteon natürlich sehr ordentlich und leicht. Während die Lenkung etwas mehr Rückstellkräfte vertragen könnte, sich aber zielgenau und angenehm direkt gibt, kann man am 2.0 TDI mit 240 PS nichts aussetzen. Die 500 Nm schieben kräftig, das Siebengang-DSG schaltet unmerklich und hält immer den richtigen Gang parat und der Verbrauch passt einfach. Bei ruhiger Fahrweise standen 5,2 bis 5,3 Liter auf dem Display des Bordcomputers, bei zügiger Fahrweise rund 6,5 Liter – respektabel.

VW Arteon Fahreindruck

R+V24: R+V24: VW Arteon Seitenansicht

Respekt haben die Entwickler auch für das LED-Licht verdient, das mit dem Navigationssystem verbunden ist. Der Volkswagen Arteon leuchten die Kurve bereits aus, bevor man das Lenkrad bedient. Das ist ein echter Sicherheitsgewinn, wenn man häufig nachts unterwegs ist. Gerade auf langen Strecken wird man darüber hinaus den Komfort genießen, den der adaptive Tempomat mitbringt, der ebenfalls ist mit dem Navi verbunden ist. Er regelt an Ortseinfahrten das Tempo automatisch auf die vorgeschriebene Geschwindigkeit und bremst vor Kurven oder Kreisverkehren selbstständig ab. Anschließend wird wieder auf das vorgegebene Tempo beschleunigt. Zudem regelt das System abhängig vom Fahrmodus: Sport, Comfort oder Normal beeinflussen die Kurvengeschwindigkeiten, sodass der Fahrer nur noch lenken muss.

VW Arteon Fahrbericht

R+V24: VW Arteon – Man muss nur noch lenken!

Volkswagen Arteon Preischeck

Der VW Arteon will mehr sein, also ein hübsches Mittelklasse-Coupé, das mit vier Türen ausgerüstet ist. Er strebt nach oben und rüttelt an der Tür zur oberen Mittelklasse. Entsprechend ist er kein Schnäppchen. Ein Volkswagen im wahrsten Wortsinn also erst recht nicht. Preislich rangiert er auf Augenhöhe mit dem Audi A5 Sportback und BMW 4er, was angesichts seiner Talente und seines sehr hochwertigen Qualitätseindrucks aber nicht weiter verwerflich ist. Zumal er als Flaggschiff der Niedersachsen vorfährt. Mit dem neuen Namen wird darüber hinaus eine gewisse Distanz zum VW Passat erreicht, um den Einstiegspreis von mindestens 39.675 Euro zu rechtfertigen. Inbegriffen sind hier angenehmerweise der erste Service, der erst nach drei Jahren oder 60.000 km anliegt, sowie der erste Ölwechsel, der erst nach zwei Jahren oder 30.000 Km anvisiert wird.

VW Arteon Fahrbericht

R+V24: VW Arteon – Seitenansicht und Heck

Volkswagen Arteon Fazit und Zielgruppen Check

Für wen ist der VW Arteon letztendlich gedacht? Zum einen nehmen die Wolfsburger Firmenkunden ins Visier, die einen adretten Alltagsbegleiter ohne Allüren benötigen, aber nicht mit einem Stern auf der Haube oder den vier Ringen im Kühlergrill auffällt. Ein VW gibt sich da einfach „volksnäher“. Zum anderen werden aber auch Familien angesprochen, die sich partout keinen Kombi zulegen möchten. Allerdings sollten sie entsprechend solvent sein, da der rundum gelungen Volkswagen Arteon nicht billig ist. Ansonsten kann man hier bedenkenlos zugreifen.

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