2017 Ford Fiesta Fahrbericht

Man erkennt es nicht auf den ersten Blick – und man muss es schon wissen – aber es gibt ein neues Modell vom Ford Fiesta. Die achte Generation ähnelt ihrem Vorgänger stark, wirkt aber erwachsener und einfach gestrafft. Hier passt der Begriff Facelift also bestens. Wir checken den neuen Kölner ab, der bereits im November vergangenen Jahres offiziell vorgestellt wurde und nun seinen Weg in die Verkaufsräume gefunden hat.

2017 Ford Fiesta Fahrbericht - Test - R+V24

Leichtes Facelift, die Front vom neuen Ford Fiesta!

Ford Fiesta Design Check

Es bleibt dabei: Der Fiesta trägt auch in der achten Generation das Gesicht, das man bereits von seinem Vorgänger kennt. Und das ist keine Schande, sieht der Ford Fiesta noch immer chic und adrett aus. Seine mandelförmigen Scheinwerfer sind nun etwas weniger scharf gezeichnet und münden in einer gestreckteren Nase. Hier fällt auch der typische Ford-Kühlergrill auf, der ein wenig an eine britische Nobelmarke erinnert. Die Tage, in denen Aston Martin zum Ford-Konzern gehörte sind allerdings vorbei. Schade eigentlich.

Seitlich betrachtet erwarten den Interessenten fließende Linien, die von modellierenden Sicken unterbrochen werden. Und auch hier ergibt sich ein ruhigeres Bild als beim Vorgänger, was den Ford Fiesta der achten Generation erwachsener wirken lässt. Zusammen mit den aufpreispflichtigen 17-Zoll-Leichtmetallrädern im 8-Speichen-Design, ergibt sich insgesamt ein dynamisches Bild – in diesem Punkt bleibt sich der Kölner also treu. Und das ist auch gut so, schließlich gelten die europäischen Ford-Modelle als besonders fahraktiv.

Exterieur-Fotos neuer Fiesta

Richtig neu wirkt der Ford Fiesta indes am Heck. Zwar erwartet einen auch hier eine recht kleine Heckscheibe, doch ist sie nicht so stark geneigt wie bei der siebten Generation. Die nutzbare Sicht nach hinten gewinnt dadurch deutlich. Ansonsten findet man einen kecken Dachspoiler vor, der sich harmonisch ins Gesamtbild einfügt. Anders als beim Vorgänger sind die Rückleuchten nun nicht mehr vertikal angeordnet, sondern wanderten in den horizontalen Bereich unter die Heckscheibe. Damit gewinnt der Ford Fiesta zwar nicht unbedingt an Charakter, bleibt aber dennoch ein hübsch anzusehender Kleinwagen.

Ford Fiesta Motoren Check

Richtig hübsch wird es mit dem Ford Fiesta mit den neuen EcoBoost-Motoren, die dank Turbo-Aufladung für Fahrspaß sorgen. Die Einstiegsaggregate sind von den Fahrleistungen eher zurückhaltend. So geht es beim Fiesta mit einem 1.1 Liter Motor mit 70 PS los, der knapp 15 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h benötigt. Wie lange es dauert, bis die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreicht ist, bleibt offen. Dieses Aggregat wird wohl zumeist von mobilen Pflegediensten geordert. Nur unwesentlich zügiger geht es mit dem ebenfalls 1.1 Liter Hubraum fassenden 85-PS-Aggregat zu. 14 Sekunden für den Standard-Sprint und 170 km/h reichen wohl gerade so aus. Mit 4,4 bis 4,7 Litern sind diese Aggregate im Mix allerdings sparsam.

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Welcher Antrieb darf es denn sein?

Ford Fiesta Fahrspaß

Fahrspaß beginnt beim Ford Fiesta mit 100 PS. Der Turbo-Dreizylinder ist an ein 6-Gang-Getriebe geknüpft und mit 10,5 Sekunden bereits gut motorisiert. Sein Verbrauch von 4,3 Litern im Durchschnitt ist sogar noch eine Idee genügsamer. Vermeiden sollte man die Wahl der Automatik, die nur mit dem 100 PS EcoBoost-Motor verfügbar ist. Sie raubt dem kleinen Aggregat viel Dynamik. Jene bekommt man beim 1.0 EcoBoost mit 125 hingegen zur Genüge geboten. Mit 195 km/h Topspeed kratzt der Ford Fiesta mit diesem Aggregat schon deutlich an der magischen 200er-Marke. Mit 9,9 Sekunden unterbietet er zudem die 10-Sekunden-Hürde. Seine ebenfalls 4,3 Liter im Schnitt sind aller Ehren wert. Einen kleinen Schluck mehr – 0,2 Liter – benötigt das vorläufige Top-Aggregat. Der ebenfalls auf drei Zylinder und 1.0 Liter Hubraum zurückgreifende Motor liefert 140 PS, beschleunigt in exakt neun Sekunden auf 100 km/h und ist maximal 202 km/h schnell. Da kann man das Erscheinen des besonders sportlichen Ford Fiesta ST kaum erwarten!

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Gut abzulesen, alle wichtigen Informationen im Blick!

Neben den Benzinern hat Ford noch zwei Selbstzünder im Programm. Beide Diesel verfügen über 1.5 Liter Hubraum und sind mit 215 bzw. 270 Nm angenehm kräftig. Beide verfügen über 6-Gang-Handschaltgetriebe und erfüllen – selbstredend – die Euro 6-Abgasnorm. Das schwächere Aggregat leistet hierbei 85 PS und ist gut für eine Spurt-Zeit von 12,5 Sekunden auf 100 km/h. Schluss mit dem Vortrieb ist bei 175 km/h. Der stärkere der beiden Selbstzünder aktiviert 120 PS und ermöglicht den Spurt in glatten neun Sekunden. Er verfehlt die 200 km/h-Marke um fünf Stundenkilometer. Beiden Dieseln gemein ist der günstige Verbrauch, der im Bereich zwischen 3,4 und 3,5 Litern im Durschnitt liegen soll.

Ford Fiesta Innenraum und Kofferraum Check

Muss man beim Exterieur etwas genauer hinsehen, um den neun Ford Fiesta zu erkennen, gibt sich der Innenraum der achten Generation hier eindeutiger. Vorbei die Zeiten des fummelig zu bedienenden Infotainments, das mit kleinen Tasten überfrachtet war. Der neue Fiesta fährt mit dem neuen Ford Sync 3 (optional) vor, das über einen 8-Zoll-Touchscreen verfügt. Ab „Cool & Sound“ – einer der mittleren Ausstattungen – ist bereits ein 6,5 Zoll-Infotainment serienmäßig. Das große System ist auf dem Stand der aktuellen Technik, lässt sich leicht bedienen und erlaubt die nahtlose Integration des Smartphones über AppLink, Apple CarPlay oder Android Auto – geht doch!

Großes Touch-Display - SYNC 3 Infotainmentsystem

Steuerung vom Tempomaten und Infotainmentsystem

Freisprecheinrichtungs-Bedienung

Spurhalteassistent wird über den Blinkerhebel aktiviert

Klimasteuerung getrennt vom Infotainmentsystem - inkl. Sitzheizung, Lenkradheizung und Frontscheibenheizung

Manuelles 6-Gang Getriebe - Der Rückwärtsgang liegt unten rechts!

Premium-Soundsystem!

Start/Stop Knopf

Gut ablesbares Display!

Das System erlaubt es, das Telefon, die Musik, Apps oder das Navigationssystem mit einfachen Sprachbefehlen zu steuern. Darüber hinaus kann es sogar Sprachnachrichten vorlesen, aber das kennt man ja aus der Ford-TV-Werbung. Man erinnere sich an den „kleinen Schmollbraten“.

Innenraum-Fotos neuer Ford Fiesta

Ansonsten erwartet die Passagiere ein schön aufgeräumtes Cockpit, das in seiner Gestaltung mit dem aufgesetzten Bildschirm etwas an Kia erinnert. Die Trennung der Klimasteuerung vom Infotainment, die klare Inszenierung der Instrumente und die gute und sinnvolle Erreichbarkeit der Bedienelemente sind also zurück im Fiesta Interieur. Hier kann man sich wohlfühlen. Zumal die Platzverhältnisse für vier Erwachsene konzipiert sind. Durchschnittlicher Größe versteht sich. Aber zu viert – gerade mit dem Fünftürer – reist es sich kommod. Mit 292 Litern steht überdies ein gut nutzbares Kofferraumvolumen bereit, das allerdings nicht zum Maß der Klasse gehört.

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Der Kofferraum vom neuen Ford Fiesta, optional mit doppeltem Boden!

Ford Fiesta Fahreindruck Check

Ist der Fiesta wirklich noch ein Kleinwagen? Er fährt sich richtig erwachsen. Der 1.0 EcoBoost reicht vollkommen aus, um in der Stadt und auf dem Land von A nach B zu kommen – und auch auf der Autobahn kann man sich blicken lassen. Die Lenkung ist direkt, die Bremsleistung vollkommen ausreichend und fein zu dosieren.

Ford Fiesta Preis Check

Beim Preis öffnet Ford seinen Interessenten etwas die Augen. Wer ganz unverblümt von Kleinwagenpreisen ausgeht, der sollte sich im Klaren darüber sein, dass es diese Fahrzeuggattung – so wie man sie im Kopf hat – nicht mehr gibt. Laute Motoren, veraltete Technik und rudimentäre Sicherheitsausstattung? Das war mal. Wer heute einen neuen Kleinwagen kauft, bekommt in der Regel ein vollwertiges Auto. So geht es beim Fiesta mit vernünftigen 12.950 Euro los. Für den empfehlenswerten, getesteten 1.0 EcoBoost mit fünf Türen sowie der Titanium-Ausstattung werden aber mindestens 17.900 Euro fällig. Mit Zusatzausstattung, wie dem hervorragenden B&O-Soundsystem, der Rückfahrkamera und einer umfassenden Armada an Assistenten kam der Testwagen sogar auf 26.410 Euro. Nicht gerade wenig für einen Kleinwagen, aber für ein nahezu vollausgestattetes Vollwert-Fahrzeug passend.

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Ford Fiesta Fazit und Zielgruppen Check

Zu wem passt dieses Vollwert-Fahrzeug, das auf den traditionellen Namen Ford Fiesta hört? Die Zielgruppe dürften, wie es auch beim Mazda 2 der Fall ist, vorwiegend Menschen sein, die mit dem coolen Fiesta viel in der Stadt – also in urbanen Gebieten, wie man heute so schön sagt – unterwegs sind. Pflegedienste werden ebenfalls zugreifen, aber die günstigsten Versionen bekommen. Doch auch als Überland-Flitzer taugt die achte Generation des Kleinwagens und bereitet beim Sonntagsausflug viel Fahrspaß. Und wenn Ford so weitermacht, dann wird diese nicht die letzten Ford Fiesta Generation gewesen sein.

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