Der Mitsubishi L200 Pickup im Fahrbericht

Wenn es mal so richtig schmutzig wird, man einen ganzen Berg an Ladegut hat und Allradantrieb Pflicht ist, dann kann es für diese Herausforderung nur einen Partner geben: Einen zünftigen Pickup! Genau so ein Kamerad ist der Mitsubishi L200. Der Japaner verkraftet die beschriebenen Aufgaben problemlos, gibt sich im Alltag handzahm und ist zu jeder Schandtat bereit. Und im schicken, angetretenen Grau-Ton gibt sich der L200 sogar richtig elegant.

Mitsubishi L200 Design Check

Auf dem Weg zur Essen Motor Show: Es stürmt, es ist nass, kalt und einfach nur ungemütlich. Das stört den rustikalen Mitsubishi L200 aber keineswegs. Witterungsbedingungen meistert der Japaner, als gäbe es sie gar nicht. Aber wie sieht es beim Parken aus? Vor dem Parkhaus macht der Park-Einweiser dicke Backen und winkt ab: Standard-Parkplätze sind nicht das richtige Terrain für das 5,28 m-Schiff. Also räumt der nette Herr schnell zwei Pylonen der Absperrung beiseite sodass zwischen ausgewachsenen Reisebussen geparkt wird. Es gibt also immer eine Lösung. Ansonsten passt der Pickup natürlich auch in normale Parklücken, sticht aber etwas „hervor“.

Mitsubishi L200 Fahrbericht

Mitsubishi L200 Fahrbericht

Man sieht entsprechend auf den ersten Blick, dass der Mitsubishi L200 für den groben Einsatz gedacht ist. Obwohl sein Granitbrauner Metalliclack recht elegant wirkt. Um an der Oper vorzufahren gibt es zwar bessere Fahrzeuge, aber verstecken muss man sich mit dem asiatischen Pickup nun wirklich nicht. Gerade sein Chrom-Grill, der in die Bi-Xenon-Scheinwerfer übergeht, macht eine stattliche Figur. Überhaupt: Die hohe Frontpartie erzeugt Überhol-Prestige und schindet Eindruck.

Mitsubishi L200 Foto Galerie

Das schaffen auch die seitlichen Trittbretter, die den Einstieg in die hohe Kabine wesentlich erleichtern. Entsprechend darf gesagt sein, dass der hochbeinige Eindruck nicht trügt. Hervorgehoben wird jener durch die beachtlich großen Radhäuser und die Doppelkabine. Ein Anstieg der Fensterlinie nach hinten verleiht ihr dabei einen Hauch Dynamik, während die große Ladefläche im Heckbereich klar zeigt, zu welcher Fahrzeuggattung der Mitsubishi L200 gehört. Der offene Laderaum ist mit einer pflegeleichten Beschichtung versehen, sodass es hier auch mal rau zugehen darf. Schade nur, dass die Heckklappe nicht abschließbar ist. Angenehm sind hingegen die in den Stoßfänger integrierten Trittstufen, die für ein einfaches Be- und Entladen sorgen.

Mitsubishi L200 Motoren Check

Ausgerüstet ist der japanische Allradler grundsätzlich mit einem 2,4-Liter-Vierzylinder Diesel. Dieser kommt in zwei Leistungsstufen – 154 oder die getesteten 181 PS – und nagelt vernehmlich vor sich hin. Ausgerüstet mit einem Automatikgetriebe mit fünf Stufen wirken die 181 PS und 430 Nm nicht vollzählig, obwohl die Leistungsdaten per se eigentlich kräftig klingen.

Mitsubishi L200 Motor

Mitsubishi L200 Motor

Und so wird auch klar, dass ein Pickup eben klein Sportwagen ist und die entsprechenden Fahrleistungen nicht bieten kann. Das liegt vorwiegend an der leistungfressenden Automatik, die allerdings sehr komfortabel-verwaschene Schaltvorgänge ermöglicht. Ein Start-Stopp-System sucht man vergebens, dafür stehen allerdings verschiedene Allrad-Stufen bereit. Der 2,4-Liter kann seine Kraft entweder im Modus „2H“ ausschließlich an die Hinterräder schicken. Schaltet man auf „4H“, aktiviert man den permanenten Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. In „4HLC“ wird die Kraftverteilung starr zu 50:50 zwischen den Achsen aufgeteilt, während „4LLC“ ein Mittendifferenzial für Geländefahrten zugeschaltet. Die Wahl zwischen Hinterachse und allen Vieren ist bis 100 km/h wählbar.

Apropos: In der angetretenen Variante vergehen 11,8 lange Sekunden bis der Mitsubishi L200 bei 100 km/h angelangt ist. Schluss ist bei passablen 177 km/h, die der Pickup auch zügig erreicht. Ein Kostverächter ist der L200 hingegen nicht, wobei die Verbräuche in Relation zur Fahrzeuggattung vollkommen in Ordnung gehen. 8,8 Liter fließen bei ruhiger Fahrweise durch die vier Brennräume, 10,5 sind es bei normaler Gangart. Angegeben ist der Japaner hingegen mit optimistischen 6,9 Litern im Drittelmix.

Mitsubishi L200 Innenraum Check

Ein Pickup ist ein rauer Geselle und bietet keinen Komfort. Aus, Ende! Die Mär mag sich halten, doch trifft sie kaum auf den Mitsubishi L200 zu, da man in ihm keinen Verzicht auf Komfort hinnehmen muss. Gerade die höchste Ausstattung „Top“ bietet eigentlich alles, was das Autofahrerleben schöner macht. Demzufolge ist der Pickup nicht nur pragmatisch, sondern bietet eine ordentliche Portion Luxus, wie etwa mit seinen dicken, strapazierfähige Ledersesseln. Diese sind in der ersten Reihe zwar etwas konturarm, bieten aber eine gemütliche Polsterung und eine zweistufige Sitzheizung, die ihren Job zügig verrichtet.

Mitsubishi L200 Innenraum

Mitsubishi L200 Innenraum

Ansonsten zeichnet sich der Mitsubishi L200 mit seinem PKW-ähnlichen Armaturenbrett aus, das zwar etwas einfach wirkt, aber sich routiniert verarbeitet zeigt. Mittig ist das 6,1-Zoll-Infotainment untergebracht, dessen Bildschirm angenehm hoch installiert wurde. Störend ist hier aber nicht nur der Zubehör-Look, sondern das System selbst.

Mitsubishi L200 Infotainmentsystem

Mitsubishi L200 Infotainmentsystem

Android-Smartphones lassen sich weder über Android-Auto noch über Bluetooth koppeln (obwohl so vorgesehen), die Bedienung ist fummelig und die Navigationsausgaben teilweise recht humoristisch. Wer das Infotainment nicht serienmäßig in der „Top“-Ausstattung ordert, wird mit Nachrüst-Geräten glücklicher, die sind dann auch in Sachen Konnektivität vermutlich besser aufgestellt.

Mitsubishi L200 Platzangebot

Mitsubishi L200 Platzangebot

Wirklich zufrieden kann man mit dem Platzangebot in der Doppelkabine sein. Die Verhältnisse in Reihe eins dürfen allgemein als großzügig beschrieben werden und lassen auf den bequemen Sitzen einen großer Verstellbereich zu. Zumal man durch den hohen Einstieg das Gefühl erhält, der „King of the Road“ zu sein – sehr erhaben. Auch hinten sitzen Erwachsene gut, sodass man dem Mitsubishi L200 volle Langstreckentauglichkeit attestieren kann. Das gilt auch für das Gepäckabteil, das für allerlei Sperriges bereitsteht. Leider ist die Ladefläche grundsätzlich offen, lässt sich aber über das Zubehörprogramm mit verschiedenen Abdeckungen und Aufbauten schließen.

Mitsubishi L200 Ladefläche

Mitsubishi L200 Ladefläche

Kleiner Kritikpunkt: Die Rückfahrkamera ist ungeschützt Wind und Wetter ausgesetzt, das kann das Bild der Kamera natürlich beeinflussen. Ansonsten hilft das System das Fahrzeug einzuparken, wenn man denn einen Parkplatz findet.

Mitsubishi L200 Rückfahrkamera

Mitsubishi L200 Rückfahrkamera

Mitsubishi L200 Fahreindruck Check

Und wie fährt sich der Pickup nun? Erstaunlich handlich! Die leichtgängige, aber etwas gefühllos Lenkung macht den Mitsubishi L200 angenehm wendig und erlaubt es dem 5-Meter-Plus-Fahrzeug problemlos durch Städte zu düsen. Bei höheren Tempi zeigt sich natürlich eine leichte Wankneigung, die allerdings vollkommen ungefährlich ist und bauartbedingt auftritt.

Bei groben Bodenwellen spürt man, dass die Hinterachse für´s Grobe gemacht ist: Durch den Einsatz von Blattfedern kann sie hier und da schon mal einen Schlag austeilen. Allerdings ist der Federungskomfort für ein Fahrzeug dieser Gattung insgesamt überraschend gut, gerade, was die sensible Vorderachse anbelangt. Und zusammen mit dem kleinesten Wendekreis seiner Klasse (11,9 m), wie Mitsubishi sagt, stellt sich ein angenehmes Fahren ein, dass gar nicht erst Ambitionen zum Hetzen aktiviert.

Mitsubishi L200 Heck

Mitsubishi L200 Heck

Dabei ist der Mitsubishi L200 sogar für die ein oder andere dynamische Partie zu haben, solange sie längsdynamischer Art ausfällt. Zwar dauert seine Beschleunigung auf 100 km/h recht lang und fühlt sich träge an. Doch der Durchzug von 120 bis 180 km/h (laut Tacho) geht nachdrücklich vonstatten. Das unterstreicht den Charakter als Nutztier und Zugmaschine: Bis zu 3,1-3,5 Tonnen dürfen an die Haken des Pickups.

Und damit man stets sicher unterwegs ist, bietet der L200 nicht nur sieben Airbags serienmäßig, sondern auch ein paar Assistenzsysteme. So etwa den Spurverlassenswarner, der mit Baustellenmarkierungen zwar den Überblick verliert und in ein hektisches Dauerpiepen verfällt, aber bei einem Fahrzeug dieses Ausmaßes durchaus sinnvoll erscheint. Und auch eine Gespannstabilisierung ist serienmäßig an Bord, was das Haupteinsatzgebiet des Japaners klärt.

Mitsubishi L200 - Schnee? Kein Problem!

Mitsubishi L200 – Schnee? Kein Problem!

Egal ob Schönwetter, Matsch, Regen oder Schnee – der Vortrieb war jederzeit sichergestellt.

Mitsubishi L200 Preis Check

Den Mitsubishi L200 gibt es grundsätzlich in zwei Ausführungen: Als Club Cab – rein zweitürig mit zwei Notsitzen im Fond – für 26.290 Euro. Dafür bekommt man den Einstiegsdiesel mit 154 PS und Sechsgang-Handschaltung. Oder man wählt die Doppelkabine, die ab 28.490 Euro in der Preisliste steht. Man darf also von einer fairen Preisgestaltung sprechen. Die getestete „Top“-Ausstattung kommt mit reichlich Luxus, dem großen Diesel und Automatik und kostet 40.390 Euro.

Mitsubishi L200 - Mischung aus SUV und LKW!

Mitsubishi L200 – Mischung aus SUV und LKW!

Mitsubishi L200 Zielgruppencheck und Fazit

Man muss nicht zwingend in der Forstwirtschaft tätig sein oder auf einer Baustelle arbeiten, um sich einen Mitsubishi L200 vor die Haustür stellen zu können. Natürlich bietet sich ein Fahrzeug dieser Klasse, mit seinem zugkräftigen Allradantrieb und dem rustikalen Charme dafür an – aber man muss es eben nicht. Der Pickup bietet einen erstaunlichen Langstreckenkomfort, lässt sich leicht entern, verfügt über eine riesige Ladefläche und weiß in der höchsten Ausstattungslinie sogar mit Luxus zu gefallen. So bietet sich der Japaner auch für diejenigen an, die beispielsweise ein Hobby haben, dass den Transport sperriger Gegenstände mit sich bringt. Oder man steht einfach auf den Look dieses Fahrzeugs. Auch dann ist der Mitsubishi L200 eine echte Empfehlung.

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