Nissan IMx

Elektromobilität: Autobauer üben sich in Zurückhaltung

Das neue Jahr begann für die Automobilbranche mit gleich zwei wichtigen Messen: Anfang Januar fand in Las Vegas die Consumer Electronics Show (CES) statt, kurze Zeit später folgte die North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit. Während auf der zukunftsorientierten CES Themen wie das autonome Fahren, Sprachassistenten fürs Auto und alternative Antriebe im Mittelpunkt standen, wirkte die Detroit Motor Show wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Statt um intelligente Sensoren und leistungsstarke Prozessoren für die Autos der Zukunft, ging es auf der NAIAS in erster Linie um Hubraum und PS.

In einem Punkt waren sich die Automobilhersteller allerdings auf beiden Messen einig: Wenn die Elektromobilität thematisiert wird, dann bitte nur mit Prototypen und Studien. Wer knapp zweieinhalb Jahre nach dem Bekanntwerden des Abgasskandals alltagstaugliche Elektroautos erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Futuristische Prototypen statt serienreife Elektroautos

Hört man sich die Reden von Politikern, Umweltschützern und Analysten aus den vergangenen Jahren an, besteht kein Zweifel daran, dass der Verbrennungsmotor ausgedient hat – und auch die Manager der großen Autokonzerne scheinen davon überzeugt zu sein. Wirkliche Alternativen zu Benzin- und Dieselmotoren bieten sie ihren Kunden bislang allerdings nicht an.

Das Highlight der CES war sicherlich die neue chinesische Elektroauto-Marke Byton, die mit einem Elektro-SUV zum Kampfpreis den Markt aufrütteln möchte. Bislang ist der Byton allerdings nicht mehr als ein Prototyp auf. Der Marktstart in China wurde für 2019 angekündigt, allerdings steht bislang nicht einmal die Fabrik, in der das Fahrzeug produziert werden soll. Von KIA gab es mit dem Niro EV Concept eine Studie mit 383 Kilometern Reichweite, Toyotas e-Palette Concept ist gar nur eine Plattform, mit der sich zukünftig elektrische Busse und Lieferwagen realisieren lassen sollen. Tesla-Konkurrent Fisker zeigte die Luxuslimousine EMotion (Marktstart Ende 2019, ab 129.000 US-Dollar).

Nicht anders sah es auf der NAIAS aus: Ford kündigte an, den Invest in Elektromobilität zu erhöhen, Lexus präsentierte die Studie LF-1 und Infinity den Q Inspiration Concept. Die Liste der Prototypen lässt sich beliebig fortsetzen, bei den Modellen in Serienproduktion muss man schon wesentlich genauer hinschauen. Wirklich nennenswert ist in diesem Kontext eigentlich nur der neue Leaf, den Nissan zur CES im Gepäck hatte.

NIssan - E-Mobility

Das Problem mit der Alltagstauglichkeit

Woher kommt diese Zurückhaltung? Das Hauptproblem bleibt nach wie vor der Trade-off zwischen Preis und Alltagstauglichkeit: Ein Tesla S mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und einem ordentlichen Raumangebot wird vom Otto Normalverbraucher gemeinhin als „alltagstauglich“ eingestuft. Dessen Preis – von zum Teil weit über 100.000 Euro – jedoch nicht. Sinkt der Preis – wie beispielsweise beim Nissan Leaf oder Renault Zoe – nimmt gleichzeitig die Reichweite ab. Studien belegen zwar, dass die meisten Deutschen täglich nicht mehr als 30 bis 60 Kilometer fahren, aber dennoch setzt bei Elektroautos, mit denen man nur 200 bis 300 Kilometer zurücklegen kann, die „Reichweitenangst“ ein.

Da Batterien noch immer vergleichsweise teuer sind, haben die Autohersteller aktuell also nur die Wahl zwischen teuren Luxus-Stromern (Tesla, Audi E-Tron Quattro) und günstigeren Kleinwagen (Renault Zoe, Nissan Leaf, Smart Electric Drive). Wobei „günstig“ immer relativ ist: Die Deutschen legen im Schnitt für einen Neuwagen rund 30.000 Euro (Listenpreis) auf den Tisch. Der neue Nissan Leaf fängt erst bei 32.950 Euro an. Wirklich massentauglich sind beide Varianten nicht.

Smart Electric Drive

Und genau deshalb konzentriert sich die Autoindustrie auch 2018 primär auf klassische Verbrenner. Die futuristische Studien, die auf den Messen dieser Welt vorgestellt werden, dienen in erster Linie dazu, dem Kunden zu zeigen, wie die Autos der Zukunft aussehen könnten. Zugleich setzt man aber auch ein Zeichen: „Wir beschäftigen uns mit dem Thema Future Mobility!“.

Letzteres ist insbesondere für die deutschen Autohersteller wichtig, die sich in der Vergangenheit regelmäßig vorwerfen lassen mussten, den Anschluss verpasst zu haben.

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: