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UP-Gecheckt: Der Volkswagen UP! GTI Fahrbericht

Oh je: Ein UP! lädt immer dazu ein, „wahnsinnig witzige Wortspiele“ zu kreieren. Nun, in der Überschrift ist dies bereits geschehen, deshalb wollen wir versuchen es im weiteren Verlauf nicht wieder dazu kommen zu lassen. Kommen wir auf den Punkt: Es geht um den brandneuen Volkswagen UP! GTI, das Top-Modell der Baureihe. 85 kW/115 PS stark, möchte der potente Kleinstwagen mit den Tugenden des Golf I GTI kokettieren. Klein, leicht, stark – reicht das, um eine Fanbase aufzubauen? Und wie viel Gran Turismo steckt tatsächlich im neuen Volkswagen UP! GTI?

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Volkswagen UP! GTI Design Check

Man bezeichnete Volkswagen seinerzeit als tollkühn und wahnwitzig, als man mit dem Golf I GTI um die Ecke kam. 110 PS trafen 1976 auf etwas mehr als 800 kg Leergewicht – eine echte Ansage. Und auch das Design sprach eine eindeutig sportliche Sprache: Die Spoilerlippe an der Front drückte den Golf optisch in Bodennähe, die schwarzen Zierstreifen an den Flanken brachten gefühlt fünf Stundenkilometer mehr Höchstgeschwindigkeit und die schwarz umrandete Heckscheibe zeigte dem Hintermann die kalte Schulter.

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Und der Volkswagen UP! GTI? Er schafft es auf den ersten Blick klar zu machen, dass er ab sofort der König der Baureihe ist. Am Bug findet sich ein großer Stoßfänger, der allerdings ein wenig zerklüftet wirkt. Andererseits zeigt der niedersächsische Kleinstwagen damit auch endlich etwas mehr an Profil. Außerdem kommen typische GTI-Insignien zum Einsatz – von den zahlreichen Badges einmal ganz zu schweigen. Dazu zählen die Wabenstruktur im Kühlergrill ebenso, wie die rote Zierleiste, die an die Grill-Umrandung des Golf I GTI erinnern soll. Gleiches gilt für die Zierstreifen an der Seite, die eine direkte Reminiszenz an den Urahn darstellen. Wer es optisch noch etwas weiter auf die Spitze treiben möchte, der kann für 170 Euro ein schwarzes Dach und gleichfarbige Spiegelkappen ordern. Ansonsten fallen besonders die 17-Zoll großen Leichtmetallräder auf, die ein wenig wie Kutschenräder wirken und den Blick auf die hinteren Trommelbremsen freigeben.

Am Heck haben die Wolfsburger ebenfalls nicht mit Sportlichkeit gegeizt: Hier sticht besonders der ausladende Dachspoiler heraus, der bei Regen sogar als kleiner Unterstand dienen könnte. Spaß beiseite, da jener einen aerodynamischen Zweck hat. Und sonst? Klar, der rote Zierstreifen darf auch hier nicht fehlen. Außerdem gehört ein sichtbares Endrohr bei einem sportlichen Fahrzeug ebenfalls zum guten Ton. Hier hätte es sogar eine Spur größer ausfallen können. Vor allem aber dürfte es mehr vom Dreizylinder-Rock preisgeben.

Volkswagen UP! GTI Motoren Check

Damit wären wir schon beim Antrieb. Ja, es ist ein Dreizylinder mit gerade einmal 999 cm³ Hubraum. Das Aggregat verrichtet auch im Golf oder T-Roc seinen Dienst und ist dort bereits weit entfernt vom negativ belegten Begriff „Einstiegsmotorisierung“. Beim Volkswagen Up! GTI wird der Dreiender sogar richtig sportlich, schließlich haben die 85 kW/115 PS mit den etwas über 1.000 kg leichtes Spiel. Wenngleich der Golf I GTI ein ordentliches Stück leichter war. Das ist aber ein anderes Thema, schließlich gefällt der UP! GTI mit durchaus dynamischen Fahrleistungen. Binnen 8,8 Sekunden geht es auf 100 km/h und wer das Gaspedal stehen lässt, ist maximal 197 km/h schnell.

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Interessant ist, dass der Volkswagen UP! GTI der erste VW ist, der nach dem neuen Verbrauchs-Zyklus „WLTP“ gemessen wird. Nachdem der NEFZ als wenig praxisgerecht in Rente geschickt wurde, zeigt der WLTP einen näher an der Realität ausgerichteten Verbrauch. Angegeben ist der kombinierte Verbrauch nach neuem Messverfahren mit 5,6 bis 5,7 Litern/100km, während nach NEFZ 4,8 Liter im Drittelmix verbraucht werden sollen. Lässt man den GTI im UP! erwachen, hat man keine Mühen eine Sieben vor das Komma zu bekommen. Fährt man gesittet, kommt man aber tatsächlich an den WLTP heran.

Volkswagen UP! GTI Innenraum Check 

Es ist nicht alles Golf, was glänzt. So ging die Weisheit doch, oder? Nun, beim Volkswagen UP! GTI passt sie recht gut, da gerade jener ein Paradebeispiel an GTI-Gimmicks ist. Das gilt vor allem für das Gestühl, das im großen Bruder ordentlich sportlich ausgeformt ist. Beim Volkswagen UP! GTI verzichtete man darauf und installierte lediglich die Standard-UP!-Sitze, denen es an Seitenhalt mangelt.

 

Und sonst? Da gefällt der Volkswagen UP! GTI mit ordentlichen Platzverhältnissen in der ersten Reihe – selbst für Sitzriesen. Hier erfreut man sich auch am unten abgeflachten Lenkrad, das jedoch nur in der Höhe verstellt werden kann, sowie an den neuen Zierleisten in „red dot“-Optik. Ein Umstand, der schon beim zahmen UP! unverständlich erscheint, ist die Abwesenheit von mittigen Luftausströmern.

Dafür hat man dem Infotainment mehr Spielraum gegeben, wobei es in letzter Konsequenz nicht optimal durchdacht scheint. Über eine optimal angebrachte Smartphone-Halterung integriert man das jeweilige Endgerät in das Fahrzeug-Infotainment – das ist soweit clever. Doch leider geht Volkswagen den Weg einer eigenen UP!-App, die nicht immer optimal funktioniert. Das Navi ist teilweise überfordert, rät einem den Kreisverkehr links zu verlassen, anstatt die „dritte Ausfahrt“ zu benennen. Hier wäre das Nutzen von Android Auto oder Apple CarPlay deutlich sinnvoller gewesen, sobald man das jeweilige Mobiltelefon per USB mit dem Infotainment koppelt.

Volkswagen UP! GTI Fahreindruck Check

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Es steckt ein gutes Stück „Gran Turismo“ im Volkswagen UP! GTI. Der Motor hat mit dem geringen Gewicht wenig Probleme, schafft es sogar recht leicht, die Vorderräder in engen Kurven zum Durchdrehen zu überreden. Und so erwischt man sich dabei, dass man dem kleinen Flitzer gerne mal die Sporen gibt – dafür ist er ja auch da. Aber typisch GTI nervt er nicht mit seiner Sportlichkeit. Wobei gerade das Räderwerk eine Nummer kleiner ausfallen dürfte, da die 17-Zoll-Räder mit ihrem geringen Querschnitt zu viele Details vom Straßenbelag preisgeben. Dennoch operiert die Federung angenehm und zeigt einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Schade ist wiederum, dass die Schaltwege der manuellen Sechsgangschaltung etwas lang ausfielen. Aber dennoch: Allein, dass man das sportliche Topmodell ausschließlich als Handschalter bekommt, ist einen kleinen Applaus wert, oder?

Volkswagen UP! GTI Preis Check

Ok, bleiben wir fair und vernünftig. 16.975 Euro sind für einen Kleinwagen eine ganze Stange Geld. Wer die Klimaautomatik, ein paar Design-Spielereien und Nettigkeiten dazu bestellt, bekommt einen voll ausstaffierten Volkswagen UP! GTI für knapp unter 20.000 Euro. Das tut durchaus weh, wenn man sich ausschließlich die Kleinstwagen-Klasse vor Augen führt. Wenn man aber bedenkt, dass ein zahmer UP! mit entsprechender Ausstattung kaum günstiger ist, empfiehlt sich direkt die Wahl des GTI.

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Volkswagen UP! GTI Zielgruppencheck und Fazit

Der Volkswagen UP! GTI könnte zwei Zielgruppen erfreuen. Zum einen werden diejenigen angesprochen, die seinerzeit viel Spaß mit einem Volkswagen Golf I GTI hatten oder ihn sich nicht leisten konnten und jetzt zuschlagen wollen. Zum anderen – und damit dürfte die Hauptzielgruppe genannt sein – kommen diejenigen in Frage, die ein sehr kompaktes Vollwertfahrzeug mit dem gewissen Etwas suchen, das in engen City-Centren wenig Mühen mit Parkplätzen und engen Windungen hat. Das Design stimmt, die Fahrleistungen sind sportlich und der Verbrauch im Rahmen. Was fehlt ist ein klein wenig die letzte Konsequenz bei der Umsetzung des GTI-Themas. Ansonsten kann man den Volkswagen UP! GTI uneingeschränkt empfehlen.

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