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Elektromobilität in Deutschland: Die Probleme der Ladeinfrastruktur

Vor einigen Wochen erklärte Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, dass in Deutschland noch eine Reihe von Hindernissen aus dem Weg geräumt werden müsse, bevor der Elektromobilität der Durchbruch gelingen kann. Als wichtigste Schwachstelle bezeichnete er die schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur. Dabei ging es ihm nicht nur um die Anzahl der verfügbaren Ladesäulen, sondern auch um deren Leistungsfähigkeit: „Am Ende muss man dahin kommen, dass man auch beim Elektroauto sagen kann: Zum Auftanken reicht eine Kaffeepause.“

Werfen wir einen Blick auf die aktuellen Zahlen: Im vergangenen Jahr gab es rund 10.700 öffentlich zugänglichen Ladepunkte, verteilt auf etwa 4.730 Ladesäulen. Davon waren es circa 530 Schnellladesäulen. Insgesamt wurden 2017 54.492 Elektrofahrzeuge verkauft. Deren Marktanteil liegt damit bei bescheidenen 1,6 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick wenig, bedeutet aber ein Plus von 117 Prozent bei den Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr.

Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren weiterhin rasant zunehmen wird. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Ladesäulen in Deutschland: Zu viele Köche verderben den Brei

Derzeit hat die Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen:

  • die Ladesäulen werden in der Regel von den örtlichen Stromanbietern betrieben und können nur genutzt werden, wenn man über eine entsprechende Ladekarte verfügt, die vorab beantragt werden muss.
  • es gibt unzählige Abrechnungsvarianten: manche Netzbetreiber bieten Prepaid-Karten an, andere Tarife mit einer monatlichen Grundgebühr. Mal bezahlt man die Standzeit, mal die geladene Menge Strom. Wird nach der Standzeit abgerechnet, hängen die Kosten davon ab, ob man langsam oder schnell lädt. An manchen Ladesäulen wird sogar eine Pauschale fällig, die man unabhängig von Standzeit und Strommenge bezahlen muss.
  • hat man einen Vertrag, mit einem örtlichen Stromanbieter, kann man die entsprechende Ladekarte im Regelfall nicht an den Ladesäulen anderer Anbieter nutzen. Falls doch, wird eine Roaming-Gebühr fällig.
  • selbst in Großstädten liegen manchmal mehrere Kilometer zwischen den einzelnen Ladesäulen.
  • auf dem Land gibt es in vielen Ortschaften überhaupt keine öffentliche Ladesäule.

Der Otto Normalverbraucher ist der entscheidende Faktor

Das war jetzt nur ein kurzer Überblick über die aktuellen Problemfelder von Deutschlands Ladeinfrastruktur. Er zeigt jedoch, dass noch viel getan werden muss, wenn Politik und Wirtschaft der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen wollen. Neben dem Mangel an Ladesäulen schrecken insbesondere die heterogenen Bezahlsysteme den Verbraucher ab. Erst wenn es gelingt – analog zur klassischen Tankstelle – ein bundesweit einheitliches Abrechnungsmodell zu schaffen, wird die Akzeptanz bei den Bürgern steigen.

Im Gegensatz zu den derzeitigen „Fans“ der Elektromobilität, möchte der Otto Normalverbraucher seine Route nämlich nicht im Vorfeld passend zu den vorhandenen Ladestationen planen. Und er möchte auch nicht vor Abfahrt darüber nachdenken müssen, ob er in Stadt B überhaupt mit seiner Ladekarte aus Stadt A Strom tanken kann. Hier müssen Politik und Wirtschaft gemeinsam tätig werden.

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