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Der Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid im Drive Check

Der Red-Dot-Design-Award: Es ist eine echte Krux mit diesem Preis. Irgendwie ist er ja so etwas, wie die goldene Kamera der Design-Branche. Man fühlt sich geehrt, aber für voll nimmt man den Preis dann doch nicht. Schließlich werden damit dänische Staubsauger und Küchenradios ausgezeichnet. Was das mit dem Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid zu tun hat? Nichts – eigentlich. Das heißt: Wie viele seiner Markenbrüder hat auch der Optima den Red Dot… naja, Sie wissen schon.

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid im Fahrbericht

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid im Fahrbericht

Im Fall von Kia kann diese Auszeichnung aber tatsächlich als Ehrung verstanden werden. Zum einen fahren – wie gesagt – fast alle Derivate mit dieser Auszeichnung vor und zum anderen zeichnet kein geringerer als Peter Schreyer für das Design der Koreaner verantwortlich. Der Bayer wurde bei Volkswagen verkannt und verdiente sich seine Lorbeeren bei den Koreanern. Aber kann der teilelektrische Kombi aus Fernost nur gut aussehen oder hat er auch echte Gewinner-Talente in sich?

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Design Check

Ja HALLÖCHEN! Beim ersten Anblick des Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid zogen sich mir die Augenbrauen hoch, die Lippen wurden zu einem „Duckface“ geformt und der Kopf nickte anerkennend. Ja, der Optima Kombi – die Koreaner nennen ihn modisch „Sportswagen“ – ist ein echter Schönling, der schon mal dafür sorgen kann, dass man sich beim erstaunten Kopfverdrehen einen steifen Nacken holt.

Von vorn schaut der Koreaner schön aggressiv auf die Mitbewerber und fixiert sie mit seinem griesgrämigen Blick. Und irgendwie wirkt der Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid tatsächlich nach „Premium“. Also irgendwie kühl, cool und, na ja, lifestylig. Das viel gescholtene Wort, das einen Kombi Ende der 1990er Jahre zu einem Taugenichts machte, als Ladevolumen der Trumpf überhaupt war, darf heutzutage als echtes Kompliment gelten.

Die Linien sitzen einfach schön straff im Blechkleid, die Konturen sind vorhanden, sind aber nicht zu auffällig, als das das Design schnell altbacken wirken könnte. So entsteht ein sportlicher Body, Ladies and Gentlemen. Hinzu kommt an der Front die „Tigernase“, der typische Markengrill Kias. Am Heck gibt sich der Sportswagon mindestens genauso dynamisch und wirft eine nach hinten hin ansteigende Fensterlinie und scharfkantig gezeichnete
Rückleuchten ins Spiel.

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Motoren Check

Gut, gut: Halten wir also fest, dass der Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid ein wirklich hübscher Zeitgenosse im Feld der Mittelklasse-Kombis ist. Aber sieht er nur gut aus oder steckt auch moderne Technik unter seinem Blech? Aber ja! Und zwar in Form des PHEV, also des Plug-in Electric Vehicles. Klar ausgedrückt: Unter dem Blechkleid werkelt ein Team aus zwei Motoren, einem Elektro- und einem Benzinmotor, das in Kooperation 205 PS bzw. 151 kW generiert. Der Verbrenner allein leistete 156 PS/114 kW, der elektrische Antrieb 67 PS/49 kW.

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid - die Kraft der zwei Herzen

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid – die Kraft der zwei Herzen

Anders, als man es beispielsweise vom Mild-Hybrid Kia Niro oder Toyota Prius kennt, kann der E-Antrieb aber eine ganze Menge mehr, als nur Anfahren. Nein, sind die Akkus voll geladen, kann der Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid bis zu 62 km rein elektrisch zurücklegen. Das ist mehr als genug für die durchschnittliche Pendlerstrecke. Mit Strom versorgt wird der Koreaner entweder während der Fahrt über die Rekuperation, per Haushaltssteckdose oder per Wallbox mit Starkstrom. Letztere Variante ist mit rund drei Stunden Ladezeit auch die schnellste, während an der gewöhnlichen Steckdose mindestens 4,5 Stunden eingeplant werden sollte. Das passt soweit, während sich die die Fahrleistungen, trotz eines Outputs von 205 PS, etwas mager lesen: 9,7 Sekunden benötigt der Koreaner auf 100 km/h und schafft es mit etwas Mühe auf 192 Sachen. Da hätte man etwas mehr erwartet und wenn man ihn mit höheren Geschwindigkeiten über die Autobahn fährt, dann wird er auch durstig.

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Innenraum Check

Mehr? Das bietet der Innenraum. Wobei: Betrachtet man den Kofferraum, dann muss man mit dem Plug-In-Hybrid ein kleines Minus in Kauf nehmen. 440 Liter Basisvolumen sind kein Ruhmesblatt. Da bietet die Kompaktklasse locker großzügigere Volumina. Selbst Kombis der Kleinwagenklasse (Skoda Fabia Combi, Seat Ibiza ST) können hier locker mithalten. Bei einem Plug-in-Hybriden schleppt man in der Regel ja auch sein Ladekabel mit, welches sich hier in der linken Tasche versteckt:

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid - der Kofferraum könnte größer sein!

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid – der Kofferraum könnte größer sein!

Aber der Rest überzeugt! Die Platzverhältnisse für Erwachsene sind großzügig und die Sitzgelegenheiten sind vorn wie hinten bequem. Hinzu kommen Materialien, die sich sehen lassen können und eine Verarbeitung, die fernab von dem Image ist, das man vielleicht mit Kia verbinden mag. Darüber hinaus überzeugt der Koreaner mit einer mustergültigen Bedienung und einem sehr intuitiv zu bedienenden 8-Zoll-Infotainment. Da können sich andere Hersteller gerne eine Scheibe abschneiden!

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Innenraum!

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Innenraum!

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Fahreindruck Check

Mit einem extrem sparsamen Gasfuß schafft man bis zu 60 rein elektrische Kilometer. Das reicht sicherlich nicht zum Pendeln zwischen der Arbeitsstätte, aber bestimmt für die Fahrt zur Schule, zum Kindergarten, zum Bäcker. Lokal emissionslos durch die eigene Wohnsiedlung gleiten, das kann man also mit dem Kia Optima mit Plug-in-Hybrid „optimal“. Überraschend: Der Übergang zwischen Elektro- und Benzinantrieb spürt man nur durch den steigenden Geräuschpegel, ansonsten klappt das alles wunderbar und das gilt auch für das Fahrverhalten. Durch das etwas höhere Gewicht liegt der Kia Optima gut auf der Straße, das Fahrwerk macht einen guten Job, die Lenkung ist leichtgängig und die Bremsanlage lässt sich gut dosieren und natürlich kann man auch mit der Rekuperation spielen um die elektrische Reichweite zu erhöhen. Wer täglich weitere Strecken fahren muss, für den ist der Plug-In-Hybrid noch nichts, wer auf der Arbeit und zu Hause nachladen kann, der darf gerne darüber nachdenken.

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Ladestecker!

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Ladestecker!

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Preis Check

Es ist beim Innenraum-Check bereits klargeworden: Von „billig“ ist Kia so weit entfernt, wie Rainer Calmund von einer Pommes-Bude. Was in Anbetracht des Gebotenen noch in Ordnung scheint, verursacht beim Erkunden der Preisliste ein wenig Magenschmerzen. Kostet der bereits großzügig ausstaffierte und ausreichend Dynamische Basis-Benziner bekömmliche 26.000 Euro, muss man für den Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid rund 42.000 Euro auf dem Bankkonto haben. Ein Volkswagen Passat Variant GTE ist mit rund 45.300 Euro nicht sehr weit entfernt, bietet mit seinem ungleich größeren Kofferraum aber den größeren Nutzwert. Da kommt man schon mal ins Grübeln.

Design-Award-Gewinner: Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid!

Design-Award-Gewinner: Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid!

Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid Zielgruppencheck und Fazit

Wem der Wolfsburger Widersacher zu bieder und zu langweilig ist; wem Lifestyle und ein – das muss man neidlos anerkennen – bestechendes Design wichtig sind; wer sein grünes Gewissen beim Autofahren beruhigen möchte, der greift beim Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid zu einem Fahrzeug mit vielen Talenten. Der Koreaner ist geräumig, stylish und ein rundum erwachsenes, gut funktionierendes Auto, das auch noch sieben Jahre Herstellergarantie bietet. Da kann der Passat Variant GTE nicht mithalten.

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