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Autonomes Fahren (2): Selbstfahrende Autos im Straßenverkehr

Im ersten Teil unserer Reihe zum autonomen Fahren haben wir einen Blick auf die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland geworfen: Die Bundesregierung hat im Jahr 2017 mit dem geänderten Straßenverkehrsgesetz neue Regelungen für hoch- und vollautomatisierter Fahrfunktion verabschiedet. Allerdings bleiben darin viele Fragen – insbesondere hinsichtlich der Haftung – unbeantwortet. Derzeit gehen Experten davon aus, dass Serienfahrzeuge mit Level-3-Automatisierung, wie sie beispielsweise Audi im Programm hat, frühestens Ende des Jahres oder sogar erst Anfang 2019 auf unseren Straßen unterwegs sein werden.

Bereits heute auf unseren Straßen unterwegs sind selbstfahrende Versuchsfahrzeuge. In Deutschland dürfen diese zur Zeit nur auf speziellen Teststrecken fahren. Andere Länder sind in diesem Punkt deutlich „großzügiger“ was die Gesetzgebung angeht. Ein Überblick.

Deutschland: In München und Karlsruhe wird schon autonom gefahren

Die Bundesautobahn A9 in Bayern gilt als eine der am meisten frequentierten Autobahnen in ganz Deutschland – und bereits im Jahr 2015 wurde hier zwischen München und Ingolstadt das „Digitale Testfeld Autobahn“ (DTA) eingerichtet. Genutzt werden kann es durch die Automobil- und Zulieferindustrie, Telekommunikationsunternehmen und Forschungseinrichtungen. Als digitales Testfeld verfügt der Autobahnabschnitt über eine lückenlose LTE-Abdeckung und eine besondere Straßenausstattung: Schutzeinrichtungen mit Reflektoren und besonderen Schildern, Sensoren in Form von Radar, Laser, LiDAR, und Kameras sowie telematische Lkw-Parkleit und Falschfahrerwarn-Systeme.

Auf dieser Strecke verkehrt unter anderem ein Prototyp des Audi A7, der ausgewählten Fahrgästen das pilotierte Fahren näher bringt.

Auch im Raum Karlsruhe und Bruchsal werden selbstfahrende Autos getestet. Bis Ende 2017 wurden auf ausgewiesenen Teststrecken Sensoren installiert, die den Verkehr in Echtzeit analysieren. Auch hochauflösende 3D-Karten wurden erzeugt. Federführend ist hier das Karlsruher Forschungszentrum Informatik (FZI). In seiner finalen Ausbaustufe umfasst das „Testfeld Autonomes Fahren“ Baden-Württemberg sowohl Bereiche mit gemischtem Fahrzeug-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr als auch innerstädtische Tempo-30- und Tempo-50-Zonen, Wohngebiete, Landstraßen und Autobahnen. Getestet wird hier künftig das automatisierte Fahren von Autos, Bussen und Nutzfahrzeugen.

Eine komplette Übersicht aller Testfelder für das automatisierte und vernetzte Fahren findet sich hier.

USA: Unterwegs ohne Lenkrad und Pedale

In den USA ist man in puncto automatisiertes Fahren schon einen Schritt weiter – vor allem in Kalifornien. Dort haben bereits 50 Firmen mit 300 Fahrzeugen aus aller Welt die Erlaubnis erhalten, ihre selbstfahrenden Autos zu testen. Wie auch in Deutschland, musste sich allerdings stets ein Sicherheitsfahrer an Bord der Fahrzeuge befinden, um im Notfall eingreifen zu können.

Diese Anforderung hat die kalifornische Verkehrsbehörde nun gekippt. Ab April 2018 können Firmen Lizenzen für Fahrzeuge ohne Menschen am Steuer beantragen. Genauer gesagt brauchen die Fahrzeuge nicht einmal mehr ein Lenkrad oder Pedale. Um eine entsprechende Lizenz zu erhalten, müssen die Hersteller lediglich nachweisen, dass ihre Fahrzeug gegen Cyberangriffe geschützt sind. Zudem müssen die Wagen per Funk überwacht werden und Polizisten die Möglichkeit haben, die autonomen Fahrzeuge zu stoppen.

Im US-Bundesstaat Arizona bekam die Google-Schwester Waymo derweil die Erlaubnis für den Aufbau eines ersten Robotertaxi-Dienstes in einem Stadtteil von Phoenix. In anderen Bundesstaaten gibt man sich noch zurückhaltend und auch im US-Kongress herrscht noch keine Einigkeit darüber, wie man mit dem Thema automatisiertes Fahren langfristig umgeht.

Baidu

Auch China mischt kräftig mit

Obwohl China bei Zukunftstechnologien inzwischen immer häufiger eine Vorreiterrolle einnehmen möchte, gab man sich bis vor Kurzem beim autonomen Fahren zurückhaltend. Roboterautos durften nur auf streng abgesperrten Teststrecken nachgebaute Hindernisse umfahren.

Das soll sich jetzt ändern. Bereits im vergangen Jahr haben die Pekinger Ministerien für Industrie (MIIT) und Transport neue Regeln auf den Weg gebracht, die den Betrieb von selbstfahrenden Autos auf den Straßen des Landes erlauben. Das Start-up Pony.ai mit Stammsitz in Kalifornien hat den Testbetrieb für selbstfahrende Autos in China bereits aufgenommen. Dafür steht eine 2,7 Kilometer lange Route im Bezirk Nansha (Provinz Guangzhou) zur Verfügung. Das chinesische Unternehmen Baidu arbeitet derweil an zahlreichen Partnerschaften mit chinesischen Autobauern, deutschen Unternehmen wie Bosch sowie mit den amerikanischen Technik-Unternehmen Microsoft, Intel und Nvidia. Das Ziel: Die amerikanische Konkurrenz schnellst möglich einholen.

Dieses Ziel verfolgt auch die junge chinesische Elektroautomarke Nio, die erst Ende 2017 die Serienversion des SUV Nio ES8 zeigte, und nun als erstes Unternehmen die Lizenz für die Erprobung selbstfahrender Autos im Straßenverkehr Shanghais erhalten hat.

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