Pferdekauf – Das muss man beachten

Der Traum vom eigenen Pferd. Für viele Reiter, vor allem für junge, steht der Wunsch oft oben auf dem Wunschzettel – unabhängig davon, ob jetzt der Weihnachtsmann, Osterhase oder eben Mama und Papa das Pferdchen bringen sollen. Wer auch immer es schließlich macht, auf dem Weg bis zum Pferdekauf gibt es einiges zu beachten. Sonst kann der Traum sich schnell in einen Albtraum verwandeln. Es gilt langfristig und strategisch zu planen.

Erst einmal sollte man sich bewusstmachen, was überhaupt gesucht werden soll. Es gibt Faktoren, die verhandelbar sein sollten, zum Beispiel Geschlecht oder Farbe. Denn meistens kommt es anders als man denkt. Ein Pferd muss den eignen Wünschen und Gegebenheiten entsprechen. Welche Disziplin? Welchen Ausbildungsstand? Turniererfahrung? Für ein junges Kind sollte auch kein junges, unausgebildetes Pferd gekauft werden. Das kann schnell eine gefährliche Kombination geben, da junge Pferde oft noch unsicher in ihren Reaktionen sind und eine erfahrene Hand brauchen. Es muss passen. Und das braucht Zeit.

Außerdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass ein eigenes Pferd sehr zeitintensiv ist und Verantwortung mit sich bringt.

Gesamtkosten im Blick haben

Der Kostenfaktor muss wohl überlegt sein. Der Kaufpreis eines Pferdes ist nur der Anfang. Hinzu kommen die regelmäßige Stallmiete, Tierarztkosten, Hufschmied, Reitunterricht etc. Gegen die monatlichen Fixkosten von ca. 500 Euro aufwärts wirkt selbst ein stolzer Anschaffungspreis günstig. Ein „Schnäppchen“ zu kaufen sollte gut überlegt sein. Oft sind vermeintlich günstige Pferde krank und die Tierarztrechnungen erreichen schnell eine unangenehme Höhe.

Es ist immer ratsam, bei der Suche einen Fachmann an der Seite zu haben. Eine gute Wahl kann da der eigene Reitlehrer sein. Er kann die reiterlichen Fähigkeiten einschätzen und hat im Idealfall auch schon Erfahrung im Pferdekauf. Ein wissender Blick kann so manchen Schwindel entlarven. Zusätzlich kann man sich umhören, ob im Umfeld ein in Frage kommendes Pferd verkauft wird. Die Reiterwelt ist kleiner als erwartet.

Mittlerweile bieten verschiedene Online-Plattformen einen Onlinepferdemarkt an. Hier werden Pferde von Privatpersonen, Händlern und Züchtern inseriert. Neben Onlineangeboten gibt es jedoch auch Anzeigen in Fachzeitschriften, Verkaufsställen, bei Händlern und Züchtern. Dabei gilt es immer die Beschreibungen genau zu studieren. Hinter Begriffen wie „kein Anfängerpferd“ oder „gehört in erfahrene Hände“ können sich schnell Problempferde verbergen.

Haltung, Ausbildung und Kennenlernen des Pferdes

Ist ein ansprechendes Pferd gefunden, gilt es weiterhin wachsam zu bleiben. Das Umfeld spielt eine Rolle. Wie wurde das Pferd gehalten, wurde ihm Zeit gelassen bei der Ausbildung oder will der Verkäufer die Pferde im schnellen Tempo loswerden? Jemand, der sich mit dem Pferd auseinandergesetzt hat, wird euch etwas über das Wesen des Pferdes verraten können. Falls man ein schlechtes Bauchgefühl hat, ist niemand gezwungen, das Pferd auch auszuprobieren.

Wenn der erste Eindruck stimmt, steht einem Proberitt nichts mehr im Wege. Es sollte kein Problem sein, das Pferd zu putzen, zu satteln und so im Umgang kennenzulernen. Außerdem schadet es nicht, sich das Pferd zunächst vorreiten zu lassen. So sind das Gesamtbild, die Grundgangarten und der Körperbau leichter zu beurteilen. Stimmt hier auch wieder der Eindruck, wird im Sattel Platz genommen. Potenzielle Käufer sollten das Pferd den Situationen aussetzen, die ihnen wichtig sind. Wer Ausreiten will, geht mit dem Pferd ins Gelände. Wer Springen will, testet das Pferd im Parcours. Keine Ausreden des Verkäufers gelten lassen. Im Zweifelsfall lieber mehrere Nächte drüber schlafen, bevor aus einem Impuls heraus gekauft wird. Zudem sollten mehrere Pferde ausprobiert und verglichen werden. Es bietet sich oft die Möglichkeit, eine Probezeit zu vereinbaren.

Ankaufsuntersuchung

Lässt sich das Pferd gut reiten, händeln und sitzen und man fühlt sich wohl, geht es in die heiße Phase. Die Gesundheit des Pferdes sollte ausschlaggebend sein. Natürlich gibt es immer ein gewisses Risiko, aber einige Erkrankungen lassen sich schon im Vorfeld ausschließen. Die Ankaufsuntersuchung (AKU) bietet einen Gesundheitscheck an und wird vom Tierarzt durchgeführt. Es schadet nie, den eignen Tierarzt anstatt des Tierarztes des Verkäufers hinzuzuziehen. Bei einer kleinen AKU werden die Kondition, Gesamtverfassung und mögliche Lahmheiten durch eine Beugeprobe geprüft. Die Organe wie das Herz werden abgehört und die Hufe untersucht. Zusätzlich sind noch Röntgenaufnahmen verschiedener Bereiche z.B. Gelenke oder des Rückens optional und bei einer großen AKU kommen noch Blutproben hinzu. Häufig kommt eine große AKU bei sehr wertvollen Sportpferden zum Einsatz. Eine kleine AKU reicht jedoch in den meisten Fällen vollkommen aus.

Eigentumsurkunde, Equidenpass und Vertrag

Ergänzend sind die Papiere sehr wichtig. Jedes Pferd in Deutschland muss einen Equidenpass und eine Eigentumsurkunde haben. Ein Pferd ohne diese Dokumente könnte gestohlen sein. Der Equidenpass dokumentiert die Identität des Tieres, den Impfschutz, Abstammung und Gesundheitszustand. Trotzdem reicht der Equidenpass nicht aus, um den Besitz nachzuweisen. Das kann nur die Eigentumsurkunde.

Wenn wirklich alle Kriterien erfüllt sind, gilt es nur noch den Kaufvertrag zu schließen. In den Kaufvertrag werden neben den Eckdaten des Pferdes auch die Beschaffenheiten geschrieben. Hierbei gilt es, vorherige Erkrankungen, Befunden und Verhaltensmustern zu dokumentieren, damit man das Pferd im Zweifelsfall zurückgeben werden kann.

Letztendlich ist das Abenteuer Pferdekauf aufregend und eine Entscheidung, die neben einem objektiven Blick vom Herzen getroffen werden sollte. Die richtige Chemie ist eben auch beim Pferd ausschlagend für eine glückliche Partnerschaft.

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