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Deutschlands Autofahrer sind dem autonomen Fahren nicht abgeneigt

In Deutschland begegnet man Zukunftstechnologien wie dem autonomen Fahren stets mit einer gehörigen Portion Skepsis. Smart Home und Sprachassistenten? Dann kann ja jeder mithören, was in den eigenen vier Wänden gesprochen wird und der Einbrecher braucht nur noch ein Notebook, um die Tür zu öffnen. Elektromobilität? Mit einem Verbrenner kam man schon vor 40 Jahren über 500 Kilometer weit und braucht zum Tanken nur zwei Minuten.

Eine ähnliche Debatte wird selbstverständlich auch beim autonomen Fahren geführt. Aber welchen Themen treiben die Bundesbürger in diesem Zusammenhang um? Der Digitalverband Bitkom und der TÜV-Verband (VdTÜV) haben sich das jüngst in einer Studie etwas genauer angeschaut – und kamen zu dem Ergebnis, dass sich deutsche Autofahrer zumindest in bestimmten Situationen autonome Fahrfunktionen wünschen, wenngleich die Sorge über technische Fehlfunktionen und Hacker-Angriffe allgegenwärtig zu sein scheint.

Nur wenige wollen das Lenkrad komplett aus der Hand geben

Schaut man sich die Ergebnisse der Studie im Detail an, zeigt sich, dass drei Viertel der Befragten (74 Prozent) sich wünschen, dass das Auto in bestimmten Situationen selbstständig fährt. Das gilt insbesondere beim Ein- und Ausparken sowie im Stau: Durch die angespannte Parkplatzsituation in Großstädten wird es immer schwieriger, geeignete Parklücken zu finden. Hier greift man gerne auf autonome Unterstützung zurück. Selbiges gilt für Staus, die wohl jeder als lästig und zeitraubend empfindet. Sobald der Verkehr wieder fließt, schwindet auch das Interesse an der Automatisierung: Auf der Autobahn wünschen sich dann nur noch 28 Prozent, auf der Landstraße sogar nur noch 18 Prozent der Befragten autonome Fahrfunktionen. Lediglich 8 Prozent wären bereit, das Steuer während der gesamten Fahrt aus der Hand zu geben.

Diese Zahl ist insofern erstaunlich, als dass immerhin 60 Prozent der Bundesbürger angeben, dass selbstfahrende Autos mehr Sicherheit für Fahrzeuginsassen oder andere Verkehrsteilnehmer bringen – und 29 Prozent sogar mit weniger Unfällen rechnen. Weitere 43 Prozent erwarten einen geringeren Verbrauch und 27 Prozent geringere Umweltbelastungen.

Autonomes Fahren

Noch sind autonome Fahrzeuge für die Bevölkerung eine Zukunftsvision

Es drängt sich die Frage auf, warum trotz der erwarteten Vorteile nur 8 Prozent der Deutschen vollautonom unterwegs sein wollen. Um diese Zahlen besser einordnen zu können, hilft ein Blick auf die andere Seite der Medaille: 68 Prozent haben Angst vor technischen Problemen, 63 Prozent fürchten sich vor Hackern und 52 Prozent vor einer unberechtigten Nutzung der anfallenden Daten durch Dritte. Zudem rechnen 42 Prozent mit hohen Kosten für die Infrastruktur, 35 Prozent sind autonome Autos selbst zu teuer.

Für den Erfolg selbstfahrender Autos wird somit entscheidend sein, den Menschen die Berührungsängste zu nehmen. Sobald sich die Angst vor technischen Problemen und Hackern als unbegründet erweist, werden die oben genannten Vorteile noch mehr ins Gewicht fallen und die Bereitschaft, sich auf das autonome Fahren einzulassen, steigen. Ohnehin lässt sich der technische Fortschritt nicht aufhalten. Das wissen auch die deutschen Autofahrer: die Mehrheit der Bundesbürger erwartet in spätestens 20 Jahren den Durchbruch für autonome Autos, dann werden pro Jahr mehr selbstfahrende als herkömmliche Autos zugelassen. Zehn Prozent erwarten diesen Zeitpunkt bereits in zehn Jahren erreicht.

Es liegt nun an den Herstellern, die Autofahrer langsam an das autonome Fahren heranzuführen. Bei Parkassistenten und Staupiloten hat das bereits geklappt. Im nächsten Schritt gilt es, auch auf Landstraßen und Autobahnen im fließenden Verkehr das notwendige Vertrauen in die intelligenten Helfer zu schaffen.

Die komplette Studie kann hier eingesehen werden.

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