BMW i3 - Elektroauto

BMW i3 im Test: Elektrisch, dynamisch, vernetzt

BMW stellte die finale Version des i3 erstmals auf der IAA 2013 offiziell der Öffentlichkeit vor – und wurde dafür von vielen Seiten milde belächelt. Als erster deutscher Premium-Hersteller traute sich BMW mit einem „echten“ Elektroauto in Serienproduktion zu gehen – und das trotz immenser Kosten und Risiken. „Damals“ sprach noch niemand vom Dieselskandal und Fahrverboten. Elektroautos galten als Spielerei. Aus diesem Grund bauten etwa VW (Golf) und Mercedes (B-Klasse) lediglich ihre Verbrenner etwas um, setzten einen Akku ein und hatten so zumindest auf dem Papier Elektroautos im Sortiment. Den Schritt, den die Münchner gingen, wagte allerdings niemand.

Inzwischen ist der BMW i3 über vier Jahre alt. Verändert hat sich wenig: 2016 kam die 94-aH-Version des i3 auf den Markt, wodurch sich die Reichweite etwas verbesserte. 2017 folgte ein Facelift mit kleineren Veränderungen an der Karosserie und serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfern. Und im Jahr 2018? Im Lichte der aktuellen Diskussion rund um das Thema Future Mobility erscheint der BMW i3 zeitgemäßer denn je. Ein Fahrbericht.

BMW setzt beim i3 bewusst auf ein progressives Design

Wenn es um das Thema Design geht, scheiden sich am BMW i3 die Geister: Die einen können mit der außergewöhnlichen Formensprache des Elektroflitzers und seiner Fahrgastzelle aus kohlefaserverstärktem Kunststoff überhaupt nichts anfangen. Auch die Elemente im Innenraum aus Naturfasern, Schurwolle und anderen nachhaltigen Materialien sind nicht jedermanns Sache. Andere wiederum begeistert genau das: Ein Auto, das zu 95 Prozent recyclebar ist und bei dessen Produktion vor allem auf Wasser- und Windenergie eingesetzt wird. Sie sehen im i3 den Prototyp eines zeitgemäßen E-Autos.

Letztendlich muss man den BMW i3 fahren, um den modernen Zeitgeist zu spüren. Sobald man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat, fühlt sich das Auto mit einem Mal viel größer an, als man von außen denkt. Durch das reduzierte Interieur entsteht ein einzigartiges Raumgefühl. Die Windschutzscheibe ist riesig und trägt viel zur offenen, freundlichen Atmosphäre des i3 bei – ebenso das Eukalyptusholz, das den vorderen Bereich ziert. „Lounge-Charakter“ nennt das BMW. Den betont sportlichen Charakter, der typisch für die Modelle von BMW ist, sucht man beim i3 indes vergebens. Stattdessen setzen die Münchner bei ihrem ersten Elektroauto auf ein erfrischend anderes Design, das zum Thema Future Mobility passt – ohne dabei Kompromisse bei der Hochwertigkeit sowie der Verarbeitung des Interieurs einzugehen. In diesem Punkt bleibt der BMW eben ein BMW – und hebt sich dadurch deutlich von der Konkurrenz ab.

BMW i3 - Elektroauto

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BMW i3: Das elektrische Fahrgefühl

So richtig springt der Funke aber erst über, wenn man die Start-Taste betätigt und das erste Mal das Gaspedal durchdrückt. In nur 7,3 Sekunden sprintet der 170 PS starke BMW i3 von 0 auf 100 km/h. Ohne Unterbrechung. Nahezu lautlos. Wer einmal den Beschleunigungsvorgang in einem Elektroauto erlebt hat, möchte nicht mehr zum Verbrenner zurück. Nachdem man ein paar Mal dem Verlangen nachgegeben hat, das Gaspedal voll durchzudrücken, lernt man einen weiteren Vorteil der Elektromobilität und des i3 kennen: die Rekuperation.

Bei der Rekuperation handelt es sich vereinfacht gesagt um die Rückgewinnung von Energie. Nimmt man den Fuß im BMW i3 vom Gaspedal, tritt automatisch eine Verzögerung ein, bei der die Bewegungsenergie zurück in speicherbare elektrische Energie gewandelt wird. Das Auto verlangsamt sich. Schon nach kurzer Zeit lernt man diesen Effekt in Kurven sowie an Ampeln zu nutzen – und beginnt das Auto fast ausschließlich mit dem Gaspedal zu fahren. Die „klassische“ Bremse kommt nur noch beim Parken und in unvorhergesehenen Situationen zum Einsatz.

Schnell hat man sich eine vorausschauende Fahrweise angeeignet, die sich unmittelbar auf die Reichweite des BMW i3 auswirkt. Wer auf übertriebene Beschleunigungs- und Bremsmanöver verzichtet und stattdessen das Potenzial der Rekuperation voll ausnutzt, bekommt als Dank 20 bis 30 Kilometer mehr Reichweite vom Akku zurück. Auf den ersten Blick ist das nicht viel, für den BMW i3 aber doch eine ganze Menge.

Die Sache mit der Reichweite

Ein moderner Diesel schafft mit einer Tankfüllung zum Teil 1000 Kilometer. Danach muss er vollgetankt werden. Fünf Minuten später geht die Reise weiter. Daran waren Deutschlands Autofahrer jahrzehntelang gewöhnt. Umso schwerer fällt es ihnen, einem Elektroauto eine Chance zu geben, dass mit einer Ladung nur 200 Kilometer weit kommt – und danach unter Umständen mehrere Stunden lang an die Steckdose muss. Für dieses Phänomen gibt es inzwischen sogar einen Begriff: Reichweitenangst.

Tatsächlich ist die Reichweitenangst in den allermeisten Fällen unbegründet. Nehmen wir den BMW i3: Im Gegensatz zu vielen anderen Autoherstellern, vermarkten die Münchner den i3 nicht mit irgendwelchen Phantasie-Reichweiten, sondern geben eine „Alltagsreichweite“ an. Die beträgt 200 Kilometer und ist durchaus repräsentativ. Dazu muss man wissen, dass im Prinzip alles, was in einem Elektroauto in irgendeiner Form eine Funktion hat, Strom braucht und sich damit unmittelbar auf die Reichweite auswirkt. Wenn man also in der Nacht mit eingeschaltetem Licht, Navi, Audio-Streaming sowie Heizung und Sitzheizung durch die Gegend fährt, ist die Reichweite freilich geringer, als wenn all dies Verbraucher deaktiviert sind. Das soll nicht heißen, dass man in einem Elektroauto auf Komfortfunktionen verzichten muss. Es hilft aber zu verstehen, warum man die Reichweite eines Elektroautos nicht pauschal und für alle Szenarien angeben kann.

Bleibt die Frage: Wie viel Reichweite braucht man im Alltag überhaupt? Bei genauerer Betrachtung stellt man schnell fest, dass selbst Pendler im Regelfall nicht mehr als 100 bis 150 Kilometer pro Tag fahren. Laut dem Statistischen Bundesamt legt ein deutsches Auto im Schnitt sogar weniger als 40 Kilometer täglich zurück. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel – und dass ein kleines Elektroauto nicht unbedingt für die Urlaubsfahrt von Berlin nach Italien geeignet ist, dürfte jedem klar sein.

BMW i3 - Elektroauto

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Der BMW i3 in der Praxis

Mit diesem Wissen im Hinterkopf habe ich mich im April eine Woche lang hinter das Steuer des BMW i3 gesetzt – und ich kann nicht behaupten, dass ich im Alltag irgendwelche Abstriche machen musste. Zugegeben, am Anfang ist es etwas irritierend, wenn bei vollem Akku nur 200 Kilometer Reichweite angezeigt werden, aber man gewöhnt sich schnell daran. Und was noch viel wichtiger ist: Ich habe gelernt, dass ich tatsächlich mit den 200 Kilometern Reichweite problemlos zurechtkomme. An die Steckdose musste der i3 das erste Mal nach drei Tagen – und das auch nur, weil die Restreichweite bei 50 Kilometern lag, ich am nächsten Tag aber einen Termin in 60 Kilometern Entfernung hatte.

Apropos Steckdose: Wer den BMW i3 in erster Linie zu Hause auflädt, sollte definitiv in eine Wallbox investieren, denn an einer normalen Haushaltssteckdose dauert der Ladevorgang bei leerem Akku stolze 12 Stunden und 15 Minuten. Über Nacht ist das zwar kein Problem, aber es kann ja durchaus vorkommen, dass man schon am Vormittag mit leerem Akku daheim ankommt und am Nachmittag weiter muss. Eine Wallbox schafft hier Abhilfe und lädt den Akku des i3 innerhalb von 3 Stunden und 30 Minuten voll auf. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann diese zudem intelligent in das System einbinden und den i3 mit Solarstrom „betanken“. Noch schneller lässt sich der i3 dann nur noch an einer öffentlichen DC-Schnell-Ladesäule aufladen: Hier kann es schon nach 1 Stunde und 15 Minuten weitergehen. 75 Prozent der Gesamtreichweite sind bereits nach 37 Minuten erreicht.

Wer viel unterwegs lädt, beispielsweise weil er auch weitere Strecken mit dem i3 zurücklegen möchte, wird von BMW mit ChargeNow unterstützt. Der Dienst bietet einfachen Zugang zum weltweit größten Netz öffentlicher Ladestationen, die selbstverständlich im Navigationssystem des i3 hinterlegt sind und bei der intelligenten Routenplanung berücksichtigt werden.

Auch ansonsten hat BMW vieles getan, um den Einstieg in die Elektromobilität für den Fahrer so einfach wie möglich zu gestalten: Der Bordcomputer gibt wertvolle Tipps für eine vorausschauende, effiziente Fahrweise, wodurch man noch schneller lernt, die eingangs angesprochenen Rekuperation zu nutzen. Zudem hat der Fahrer über eine Taste die Möglichkeit, zwischen dem „Comfort“-, „Eco Pro“ und „Eco Pro+“-Modus zu wechseln. Während im „Comfort“-Modus alle Funktionen ohne Einschränkung zur Verfügung stehen, reguliert der i3 in den beiden anderen Modi Verbraucher (Klimaanlage, Sitzheizung, etc.) und Höchstgeschwindigkeit so, dass die maximale Reichweite erzielt wird. Da im „Eco Pro+“-Modus allerdings die Klimaanlage und Sitzheizung komplett deaktiviert werden und die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h begrenzt wird, ist dieser Modus aus meiner Sicht nur für „Reichweitennotfälle“ geeignet.

Was Technik und Komfort angeht, steht der i3 den anderen Modellen von BMW in nichts nach: Geschwindigkeitsregelung mit Stop&Go-Funktion, Klimaautomatik, Regen- und Lichtsensor, Park- und Stauassistent, Rückfahrkamera, Auffahr- und Personenwarnung sowie Apple CarPlay – all diese Features sind (selbstverständlich optional) verfügbar. Besonders praktisch und definitiv empfehlenswert sind beim BMW i3 die Remote Services. Per Smartphone-App kann man so bequem den aktuellen Ladestatus abfragen, die Zieladresse aufs Navi übertragen, das Fahrzeug orten sowie das Innenraum vorklimatisieren beziehungsweise -heizen. Letzteres ist ein überaus nützliches Feature, da man den i3 auf diese Weise im Winter morgens vorheizen kann, während er noch an der Steckdose lädt. Dadurch steigt man in ein warmes Auto ein und der Akku wird beim Losfahren nicht direkt mit dem Aufheizen des Innenraums „belastet“.

BMW i3 - Elektroauto

BMW i3: Fazit

Insgesamt präsentiert sich der BMW i3 als ein rundum durchdachtes und vor allem auch sehr hochwertiges Elektroauto. Der i3 unterstützt eine Ladeleistung von bis zu 50 kW, erzielt im Alltag eine Reichweite von soliden 200 Kilometern und bietet jede Menge Komfort-, Assistenz- und Sicherheitsfeatures. Das hat natürlich auch seinen Preis: Los geht es bei 37.550 Euro. Setzt man im Konfigurator überall ein Häkchen, landet man bei über 52.000 Euro. Zwar gewährt BMW zusammen mit dem staatlich geförderten Umweltbonus einen Preisvorteil von bis zu 6.000 Euro, aber wirklich „günstig“ wird der i3 dadurch auch nicht.

Das gilt allerdings analog auch für alle anderen Elektroautos. Selbst der Smart EQ kratzt mit Vollausstattung an der 30.000-Euro-Marke, der Nissan Leaf landet bei knapp unter 40.000 Euro. Die Elektromobilität steckt gemessen an der Benzin- und Dieseltechnologie noch in den Kinderschuhen. Wer die E-Mobility als Early Adopter unterstützen möchte, darf erst gar nicht über den Preis und die Wirtschaftlichkeit nachdenken. Man kann zwar versuchen, sich die Preise durch geringere Wartungskosten und die Befreiung von der Kfz-Steuer schön zu rechnen, aber letztendlich sind Elektroautos zur Zeit einfach noch teurer als Verbrenner.

Wer dennoch jetzt schon Teil der Future Mobility sein möchte, findet im BMW i3 einen der besten Vertreter seiner Art.

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