2018 Mercedes-Benz A-Klasse Fahrbericht (W177)

Wahnsinn! Den Wandel, den die Mercedes-Benz A-Klasse durchgemacht hat, erleben andere Modellreihen in über 30 Jahren nicht. Angefangen auf wackeligen Beinen, die dem Schwaben von einem Elch weggezogen wurden, hin zu einem nicht ins Portfolio passen wollenden Vorstadt-Einkaufswagen und zuletzt geendet, als hipper Styler. Man wurde in der dritten Generation gerne gesehen. Hier haben die Stuttgarter angesetzt und die neue Mercedes-Benz A-Klasse noch cooler gemacht.

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Mercedes-Benz A-Klasse Fahrbericht

Mercedes-Benz A-Klasse Design Check

Design ist immer eine Frage des Geschmacks. Immer! Mir gefällt die neue Mercedes-Benz A-Klasse ausgesprochen gut – zumindest von vorn. Die verkniffenen Scheinwerfer, die optional in LED-Licht erstrahlen. Der angedeutete Panamericana-Grill. Die großen Lufteinlässe in der Frontschürze – das kann sich sehen lassen. Und noch etwas kann sich sehen lassen: Die Schnörkellosigkeit, die die neue A-Klasse an den Tag legt, hat man so noch nicht gesehen. „Sinnliche Klarheit“ – also das Mercedes-Designmotto – at it´s best. 

Am Heck scheiden sich die Geister. An der rundlich geschwungenen C-Säule erkennt man zwar eindeutig die Gene der A-Klasse. Sportlichkeit lässt sich ebenfalls attestieren und ist auf den Dachspoiler, die integrierten (und etwas peinlichen) Auspuffblenden und die fette Heckschürze zurückzuführen. Aber irgendwie schaut die Mercedes-Benz A-Klasse aus ihren Rückleuchten, als hätte ihr jemand die Felgen zerkratzt. 

Kommen wir zu den Fakten, hier lässt sich schließlich kein subjektiver Eindruck untermogeln. Gegenüber dem direkten Vorgänger legte der Stuttgarter um rund 12 cm auf 4,42 m zu. In der Breite wuchs die A-Klasse um 16 mm auf knapp 1,80 m, während die Höhe nahezu identisch blieb. Das spricht für einen sportlich-stämmigen Eindruck. Der um drei Zentimeter verlängerte Radstand streckt den Kompakten zusätzlich. Angenehm: Trotz generellem Wachstum, speckte die A-Klasse 30 kg ab.

Mercedes-Benz A-Klasse Motoren Check

So sportlich der Schwabe optisch und in der Papierform wirkt, in der Realität ist er es weniger. Zwar sind die Motoren, die zum Anfang in der Preisliste stehen, mit 116, 163 und 224 PS keineswegs schwachbrüstig beziffert. Beim Fahren ist der Eindruck aber etwas müde. Das könnte am Hubraum liegen: Der A200 ist kein 2.0 Liter Vierzylinder oder, wie beim Vorgänger ein 1.6er. Nein, hier verbirgt sich ein 1.4 Liter Vierzylinder, der von Renault stammt. Na ja, eigentlich ist er sogar nur ein 1.33 Liter, aber in Stuttgart rundet man da großzügig auf. Das Leistungsoutput ist mit 120 kW/163 PS angegeben. Mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe „DCT“ sollen im Schnitt 5,8 Liter durch die Brennräume fließen. Lässt man es krachen, vergehen acht Sekunden für den Spurt auf 100. Schluss ist bei 225 km/h. Alles dazwischen wirkt dann und wann aber etwas dünn und verhalten. 

Gleiches gilt für den A180d, der ebenfalls mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe vorfährt. Auch dieses Aggregat stammt aus der Partnerschaft mit Renault und entwickelt zahme 85kW/116 PS und 260 Nm. Dafür ist der durchschnittliche Verbrauch je 100 km mit 4,1 Liter besonders genügsam eingestuft. Die Fahrleistungen – von null auf 100 in 10,5 Sekunden, 202 km/h Topspeed – versprechen wiederum mehr, als der Stuttgarter tatsächlich bietet. 

Und das Topaggregat, der A250 mit 165 kW/224 PS? Der könnte dem sportlichen Äußeren entsprechen. Mit 6,4 Sekunden für den Standardsprint und 250 km/h Höchstgeschwindigkeit sind die Papierdaten zumindest vielversprechend. Mit 350 Nm geizt der 2.0 Liter Turbo aber auch nicht an Drehmoment. 

Mercedes-Benz A-Klasse Innenraum Check

Eines der absoluten Highlights in der neuen Mercedes-Benz A-Klasse ist das Interieur mit seinem vollkommen neuen Multimedia-System. Es hört auf den Namen MBUX – Mercedes-Benz User Experience – und nutzt ein riesiges Panel für das Infotainment sowie die Instrumente. Es kommt ohne Hutze aus und verdeutlicht den Design-Ansatz der sinnlichen Klarheit auch im Innenraum. Vor den beiden Displays mit jeweils 26 cm Durchmesser, was 10,25 Zoll entspricht, kommt man sich etwas vor, wie im Kino. Ist die Zündung ausgeschaltet, wirkt es gar so, als würden die Bildschirme miteinander verschmelzen, da sie unter einem gemeinsamen Glasdeckel wohnen. Die Basis muss allerdings mit zwei 7-Zoll-Displays vorliebnehmen – dafür aber serienmäßig. Für eine wohnliche Stimmung sorgt überdies die optionale Ambiente-Beleuchtung mit 64 Farben. 

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Der Innenraum der neuen Mercedes-Benz A-Klasse!

Bedient wird die Mercedes-Benz A-Klasse über einen Touchscreen, ein Touchpad oder die Touch-Control Buttons im Lenkrad – vielseitig, zunächst etwas verwirrend, aber langfristig logisch. Helfend kommt das lernfähige System mit künstlicher Intelligenz hinzu und wird um eine Sprachsteuerung mit natürlichem Sprachverstehen erweitert. Jenes wird über den Satz „Hey Mercedes“ aktiviert. Besonders chic außerdem: Die Navigationsdarstellung über „Augmented Reality“!

Licht und Schatten herrscht weiterhin bei den Platzverhältnissen. Vorn ist genügend Platz für alle Staturen – hier spürt man auch klar das gewachsene Platzangebot. Hinten sitzen durchschnittlich große Personen ebenfalls angemessen. Das Maß von 1,75m sollte man aber hinten besser nicht überschreiten, denn sonst könnte es etwas eng werden. Zuwachs lässt sich aber beim Kofferraum vermelden: 370 Liter Volumen stehen nun bereit. Diese sind zudem endlich gut zugänglich, da sie nicht mehr von den Rückleuchten eingeschränkt werden und der Kofferraumeinstieg verbessert wurde.

Mercedes-Benz A-Klasse Fotogalerie

Mercedes-Benz A-Klasse Fahreindruck Check

Die neue A-Klasse fährt in bestimmten Situationen teilautomatisiert. Sie kann z.B. die Spur wechseln, im Stau folgen, abbremsen und wieder anfahren. Die Geschwindigkeit vom Tempomaten wird angepasst, so verzögert das Fahrzeug vor Kurven, Kreuzungen oder Kreisverkehren nun auf Wunsch automatisch und über das Infotainmentsystem gibt es auch noch passende Hinweise.

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Zusätzliche Hinweise auf dem Display!

Es gibt eine Verkehrszeichenerkennung, auch hier übernimmt das Fahrzeug die Werte der Schilder. Vorsicht: Hier besteht die Gefahr durch gefälschte Schilder, kein Witz – ist uns im Umland von Split passiert. Ein nahezu perfekt gefälschtes 80 km/h Schild hat uns fast zum Temposünder werden lassen, denn dort war nur Tempo 30 erlaubt. Ein Scherzbold hatte aus der 3 eine täuschend echte 8 gemalt. Ganz gut, dass aktuell noch der Fahrer aufmerksam hinterm Lenkrad sitzt und die Automatisierungen überwacht.

Die Lenkung ist leichtgängig, das Fahrwerk über Dynamic Select einstellbar in der Härte und die Bremsanlage lässt sich fein dosieren. 

Mercedes-Benz A-Klasse Preis Check

Sagen wir es so: Es war noch nie günstig einen Mercedes-Benz zu besitzen. Erst recht nicht, wenn es um einen begehrten und hip-coolen Schwaben geht, wie die neue Mercedes-Benz A-Klasse. Los geht es bei 30.232 Euro für den A200 mit 6-Gang-Handschaltung – in der Basis, versteht sich. Mit DCT-Getriebe kommen nochmals gut 2.000 Euro on top. Der Diesel startet bei knapp 31.400 Euro. Schluck! Und der A250? Für den müssen mindestens 36.461,60 Euro kalkuliert werden. Fragt sich nur, wer sich diese krummen Zahlen ausgedacht hat. 

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Warum nicht gleich so? Die neue A-Klasse merzt die Fehler vom Vorgänger aus!

Mercedes-Benz A-Klasse Zielgruppencheck und Fazit

Cool, hip, A-Klasse! Wer hätte gedacht, dass aus Opas Liebling noch ein richtig adretter Kompakter wird? Aber die Stuttgarter haben genau das geschafft, sogar in zweiter Generation. Man muss kein Hellseher sein, um der neuen Mercedes-Benz A-Klasse zu attestieren, dass auch sie ein Erfolg werden wird. Für all die jungen, dynamischen Menschen, die in ihren urbanen Centren laktosefreien Cappuccino aus einem ach so nachhaltigen Pappbecher schlürfen. Moralpredigt? Sicher nicht, schließlich würde ich der A-Klasse mehr Power wünschen – und die ist aktuell ja auch nicht wirklich nachhaltig. Also: Hals- und Beinbruch, junger Stuttgarter!

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