Autonomes Fahren: Datenschutz wird zur Herausforderung

Zur Zeit steckt das autonome Fahren noch in den Kinderschuhen. Wir können modernen Autos im Stau zwar das Lenken, Bremsen und Beschleunigen überlassen und auch beim Einparken greift uns der Parkpilot unter die Arme, aber von Fahrzeugen, die uns von A nach B bringen, während wir auf dem Rücksitz im Internet surfen, sind wir noch weit entfernt. Und dennoch: Moderne Autos mit Connected Car-Funktionen produzieren bereits heute bis zu 25 Gigabyte (entspricht fünf bis sieben Filmen in HD-Qualität) an Daten. Pro Stunde! Diese Datenmengen entfallen unter anderem auf Informationen zu Routen, Staus sowie Risikosituationen. Je weiter die Automatisierung voranschreitet, desto mehr solcher Daten sind notwendig, um die Zuverlässigkeit der autonomen Fahrfunktionen gewährleisten zu können.

Jeder Sensor sammelt Daten

Im Prinzip sammelt jeder im Auto verbaute Sensor Daten: der Regensensor weiß, wann es regnet, die ACC-Sensoren (Adaptive Cruise Control) erfassen Hindernisse, andere Fahrzeuge und Geschwindigkeiten, hochauflösende Kameras analysieren die nähere Umgebung des Fahrzeugs sowie Verkehrszeichen. Zudem weiß der Bordcomputer, welche Systeme derzeit aktiviert oder deaktiviert sind.

Das war jetzt nur ein kleiner Auszug aus den sogenannten Bewegungs- und Umfeld sowie Zustands- und Verhaltensdaten eines Fahrzeugs. Hinzu kommen Komfortdaten, beispielsweise wer wann den W-Lan-Hotspot des Fahrzeugs genutzt hat, wo das Auto geparkt wurde und – basierend auf den Nutzerprofilen – wer zuletzt am Steuer saß.

Beim autonomen Fahren kommen noch weitere Datenquellen dazu, da das Fahrzeug nicht nur selbst Daten sammelt, sondern darüber hinaus auch noch mit weiteren Akteuren vernetzt ist. Selbstfahrende Autos kommunizieren unter anderem mit:

  • anderen Fahrzeugen
  • der Verkehrsinfrastruktur
  • dem Fahrer sowie den Insassen
  • der Cloud

All das dient in erster Linie der autonomen Fahrzeugsteuerung und der damit verbundenen Verkehrssicherheit. Allerdings kann nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, dass die Daten auch anderweitig genutzt werden – und eben dieser Umstand bereitet insbesondere Autofahrern in Deutschland große Sorgen.

Wie werden die Daten genutzt?

Freilich sind die einzelnen Daten für sich allein genommen wenig aussagekräftig. In Summe können sie jedoch ein detailliertes Bild vom Fahr- und Nutzungsverhalten einzelner Personen liefern. Diese Informationen sind dann unter anderem interessant für:

  • Anbieter wie Google und Apple, die sich im Infotainment-Bereich mit maßgeschneiderten Angeboten ihre Vormachtstellung sichern wollen.
  • Autohersteller, die die Daten für die Wartung und den Fernzugriff nutzen.
  • Versicherer und Finanzierer (Telematik-Tarife).
  • neue Mobilitätskonzepte wie Car-Sharing.
  • Marketing-Aktivitäten:Hinweise auf bestimmte gastronomische Angebote entlang der Fahrroute basierend auf den persönlichen Vorlieben, Werbung für neue Fahrzeuge basierend auf dem Nutzungs- und Fahrverhalten.
  • Verkehrsmanagement: In einer Welt, in der alle Fahrzeuge autonom unterwegs sind, könnten die Daten zum intelligenten Steuern von Verkehrsströmen genutzt werden (Geschwindigkeit, Router, etc.).

Schnell wird deutlich, dass es eine ganze Reihe von Akteuren (Hersteller, Rettungsdienste, Behörden, Content-Provider, Versicherer, etc.) gibt, die Interesse an den Daten haben. Demgegenüber stehen die Fahrzeugeigentümer beziehungsweise Fahrer, die am Schutz ihrer Privatsphäre interessiert sind. Der Datenschutz wird sozusagen zum Qualitätsmerkmal beim Autokauf. Nur wenn es allen Beteiligten gelingt, sicherzustellen, dass nicht ohne die Zustimmung des Fahrers (personenbezogene) Daten an Dritte weitergegeben werden, wird sich das autonome Fahren hierzuland langfristig etablieren können.

Eine lesenswerte Studie zu diesem Thema hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft im März 2018 veröffentlicht.

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