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Zeitfaktor eigenes Pferd – und was das für Halter und Reiter bedeutet

„Früher hatte ich Zeit und Geld, jetzt habe ich Pferde.“ Eine Aussage, die vielen Reitern bekannt ist. Neben dem finanziellen Aufwand ist ein eigenes Pferd auch sehr viel Zeit und eine große Verantwortung verbunden. Der Pferdekauf sollte somit vorher wohl überlegt sein. Ob jetzt Schüler, Student oder Berufstätige, Zeit ist ein seltenes Gut unserer Gesellschaft.

Faktor Zeit

Zunächst gilt es sich bewusst zu machen, dass durchschnittlich 2 – 3 Stunden am Tag 6 -7 Tage die Woche bei dem geliebten Vierbeiner verbracht werden. Eine artgerechte Behandlung fordert diese Zeit stetig ein. Auch an Feiertagen, wenn man einen neuen Freund hat oder es tiefster Winter ist. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 25 – 30 Jahren ist ein Pferd ein beständiger Zeitfaktor. Ein Zeitfaktor allerdings, der sich mit einer klaren Struktur gut in den Alltag integrieren lässt.

Selbstversorgen oder Vollpension?

Man sollte sich überlegen, ob man sein Pferd in eine Vollpension gibt oder lieber Selbstversorger ist. In einer Vollpension spart man oft schon einige Zeit. Die Grundversorgung rund um Futter, Wasser, Auslauf und Misten wird vom Betrieb übernommen. Oft werden auch kleinere Dienste wie Ausdecken oder Gamaschen anlegen angeboten. Zudem kann man in vielen Betrieben sein Pferd auch fachgerecht bewegen lassen, wenn einmal keine Zeit da ist. Wie Longieren oder Beritt. So ist schon ohne eigenen Zeitaufwand ein großes Stück für das Wohlergehen seines Lieblings getan. Jedoch ist auch in einer Vollpension damit zurechnen, auch mal voll für sein Pferd da zu sein. Ausfälle gibt es immer. Das eigene Pferd abzuschieben und nur am Sonntag bei schönem Wetter zu reiten ist nicht im Sinne des Erfinders. Pferde spüren, wenn sie vernachlässigt werden und jeder Mehraufwand für den Betrieb muss in der Regel zusätzlich gezahlt werden. Dennoch bietet eine gute Vollpension eine optimale Option für das eigene Pferd und nimmt etwas Verantwortung. Den Vierbeiner gut versorgt zu wissen, lässt Pferdemenschen besser schlafen. Eine Vollpension kostet natürlich mehr als seine Pferde selbst zu versorgen und beginnt meist bei 350 Euro.

In Gemeinschaft kümmern oder Halbpension

 Als Selbstversorger ist man wie der Begriff vermuten lässt, selbst für die Grundversorgung seines Pferdes zuständig. Ob Füttern, Wasser kontrollieren, Abäppeln oder die Pferde zur Weide bringen. Oft ist man früh morgens oder auch gegen Abend für die Pferde verantwortlich. Viele Selbstversorger bilden Gemeinschaften, wo der Stalldienst aufgeteilt wird. Man trägt eine höhere Verantwortung und muss stets verfügbar sein. Am Wochenende wird nicht ausgeschlafen wenn man Dienst hat. Die Pferde sind hungrig. Das sind sie selbst dann, wenn die Besitzer zuhause mit Fieber im Bett liegen und keiner die Schicht übernehmen kann. Ein Urlaub wird im Voraus durchgeplant. Zudem sollte man hier neben den 2 – 3 Stunden fürs eigene Pferd ein durchaus größeres Zeitfenster für die Stallarbeiten einplanen. Trotzdem ist es eine schöne Idee, wenn man Spaß an Stalldiensten und die nötige Zeit hat. Vitamin „Stable“ hat noch keinem geschadet und es spart einiges an Kosten. Ein schöner Kompromiss zwischen Selbstversorger und Vollpension kann zudem die Halbpension bieten.

Wegezeiten durch An- und Abfahrt

 Nachdem die richtige Haltungsform fürs Pferd gefunden ist, gilt es die Anfahrt zu bedenken. Ein Anfahrtsweg von 5 Minuten oder einer halben Stunde macht nicht für den Sprit des Autos etwas aus. Wenn nötig muss man jeden Tag die halbe Stunde an Anfahrt pro Weg in Kauf nehmen. Das macht durchschnittlich eine Stunde länger, wenn nur einmal gefahren wird. Hat man etwas beim Pferd vergessen oder will nochmal nach seinem Liebling sehen, ist man wieder eine Stunde länger unterwegs. Für den eigenen Alltag kommt einem ein kurzer Anfahrtsweg, der sich vielleicht auch gut mit dem Rad oder einem Bus erreichen lässt, sehr entgegen. Natürlich ist der Anfahrtsweg für viele Reiter jedoch trivial und wird gerne bei dem richtigen Stall in Kauf genommen. Aber nähere Ställe haben oft auch schöne Weiden …

Besuche bei Hufschmied und Tierarzt

Zusätzliche Zeitfaktoren können Hufschmied-, Zahnarzt- oder Tierarztbesuche darstellen. In vielen Ställen hält zwar auch der Betrieb ein Auge drauf und springt ein wenn, Not am Pferd ist. Aber wenn es um die Kontrolle über die Gesundheit der Lieblinge geht sollte, man sich die Zeit einplanen.

Ehrliche Zeitplanung hilft

Natürlich bestimmt auch die Art der täglichen Arbeit mit den Vierbeinern den Zeitaufwand. Wird mein Pferde heute nur betüddelt, gehe ich spazieren, habe ich Reitstunde oder gehe ins Gelände? Mit diesen Fragen sollte man sich in vornerein beschäftigen. Den Luxus sich spontan damit auseinander zu setzten haben die Wenigsten. Ist an bestimmten Tagen grundsätzlich wenig Zeit, wird eine weniger zeitaufwendige Aktivität einplant. An freien Tagen kann dann ohne Stress geritten werden. Ist der Reiter gestresst und hektisch, ist das für viele Pferde unangenehm. Sie spüren die Unruhe ihres Menschen, können diese aber nicht einordnen. Pferde haben kein Zeitproblem. Sie regeln ihren Tag intuitiv. Bei der Planung der eigenen Woche mit der Planung der Arbeit mit dem Pferd sollten die Bedürfnisse des Pferdes an erster Stelle stehen. Nach ihnen wird möglichst die eigene Zeit gerichtet. Einen Terminkalender zu führen kann bei der Strukturierung des Alltags helfen. Mit der richtigen Organisation lässt sich ein Pferd auch mit einem Studium oder einer Vollzeitstelle vereinbaren.  

 Das Familienpferd oder Reitbeteiligung als Unterstützung 

Trotzdem ist es keine Schande sich unter die Arme greifen zu lassen. Ein tolle Option für geteilte Verantwortung und Zeit bietet das Familienpferd. Nicht nur ein gemeinsames Hobby wird geteilt, sondern das Pferd kann in den Alltag der Familie nicht nur einer Einzelperson integriert werden. Auch eine Reitbeteiligung kann eine große Unterstützung sein, wenn sie verantwortungsbewusst und zuverlässig ist. Meist übernimmt sie das Pferd an festen Tagen in der Woche. Wie sie mit dem Pferd arbeitet und was sie für Pflichten hat, sollte vorher genau geklärt werden. Eine Reitbeteiligung hilft nicht nur in den meisten Fällen, die eigene Kasse etwas aufzufüllen, sondern kann auch mal als Urlaubsvertretung einspringen und im Notfall zusätzlich für das Pferd da sein.

Beritt durch einen Profi 

 Neben dieser Möglichkeit kann man sein Pferd auch in die Hände eines Profis geben, in den sogenannten Beritt. Ob das jetzt im Vollberitt erfolgt oder an einzelnen Tag ist einem selbst überlassen. Der Beritt dient nicht nur dazu, ein Pferd zu bewegen sondern auch möglichst in seiner Ausbildung voranzubringen. Ein Bereiter hat jedoch selten die Möglichkeiten sich so zeitintensiv um ein Pferd zu kümmern wie ein Privatreiter, da viele Pferde an einem Tag bewegt und trainiert werden müssen. Außerdem ist der Kostenfaktor höher. Guter Beritt ist teuer. Er bietet aber durchaus eine Möglichkeit sein Pferd in guten Händen zu wissen.

Fazit

Hat man selbst nicht die Zeit für ein eigenes Pferd möchte aber gerne reiten, gibt es die Möglichkeit selbst eine Reitbeteiligung zu nehmen, in einer Reitschule zu reiten oder nur im Reiturlaub. 
Ein Pferd ist ein definitiv ein Zeitfaktor, der eingeplant werden muss. Den Alltag zu strukturieren, um gleichermaßen Zeit mit dem Pferd, Freunden/Familie und Job oder Studium zu verbringen, ist nicht immer leicht, aber machbar. Stallluft und Zeit mit den Vierbeinern können Stress und Probleme klein erscheinen lassen. Die Schnelllebigkeit der Welt für einen Moment ausschalten. Pferde bieten einen tollen Ausgleich und lehren gleichzeitig, Prioritäten im alltäglichen Leben zu setzen. 

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