Toyota Prius

Hybrid-Autos: Übergangslösung mit Vor- und Nachteilen

In der breiten Öffentlichkeit wird das Thema Future Mobility erst seit dem Bekanntwerden des Dieselskandals diskutiert. Zuvor galten Elektroautos weitestgehend als Nischenprodukte, die aufgrund ihrer geringen Reichweite und des hohen Preises für die Mehrheit der Autokäufer ohnehin nicht in Betracht kam. Inzwischen ist das Interesse an der Elektromobilität zwar gestiegen und so gut wie alle Autohersteller haben zumindest ein voll elektrisches Modell angekündigt, aber die eingangs angesprochenen Probleme mit Reichweite und Preis bleiben. Zum Vergleich: Ein Smart ForTwo mit Verbrennungsmotor hat einen Einstiegspreis von knapp 11.000 Euro, sein elektrisches Pendant (Smart EQ ForTwo) kostet mindestens 21.000 Euro.

Reine Verbrenner sind also nicht mehr zeitgemäß, reine Elektroautos noch zu teuer. Aus diesem Grund werden Hybrid-Fahrzeuge von der Automobilindustrie gerne als umweltfreundliche und spritsparende Übergangslösung präsentiert. Aber sind sie das wirklich?

Die Kraft der zwei Antriebe

Zunächst handelt es sich bei einem Hybrid-Fahrzeug immer um ein Auto, das neben einem Elektromotor noch über einen zweiten Energiewandler verfügt – und das ist in der Regel ein Verbrennungsmotor. Das erste Großserienmodell mit Hybridantrieb war der Toyota Prius, der bereits seit 1997 produziert wird. Kennzeichnend für diesen Typ Hybrid ist, dass der Elektromotor nicht an Steckdose aufgeladen wird, sondern während der Fahrt über eine Art Dynamo sowie die beim Bremsen freiwerdende Energie aufgeladen wird. Der Elektromotor wird sozusagen vom Verbrennungsmotor unterstützt und hat in solchen Fahrzeugen nur eine Reichweite von wenigen Kilometern.

Anders sieht es bei sogenannten Plug-In-Hybriden aus. Diese können rein elektrisch rund 50 Kilometer zurücklegen, werden dafür aber auch an der Steckdose aufgeladen. Besonders beliebt sind Plug-In-Hybride derzeit insbesondere bei den großen Modellen der Premium-Hersteller (Mercedes GLE, Porsche Panamera, Volvo XC90, etc.).

Hybrid-Autos: Etwas Licht, aber auch viel Schatten

Hybrid-Fahrzeuge können ihre Vorteile vor allem im innerstädtischen Verkehr ausspielen. Das liegt daran, dass Autofahrer hier im Regelfall mit einem niedrigen Tempo unterwegs sind und häufig beschleunigen und bremsen müssen. Die Batterie des Elektromotors wird bei dieser Fahrweise stetig aufgeladen, wodurch der (fossile) Kraftstoffverbrauch sinkt. Zudem sinkt der Schadstoffausstoß. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu einem vollelektrischen Auto ist der Fahrer bei einem Hybrid nicht auf eine Ladestation angewiesen, die nach wie vor Mangelware sind.

Auf den ersten Blick scheinen Hybrid-Autos also eine echte Alternative zu einem klassischen Benziner oder Diesel zu sein. Leider nur auf den ersten Blick. Die Liste der Nachteile ist lang: Das fängt bereits beim Anschaffungspreis an. Der neue Kia Optima Sportswagon Plug-In Hybrid schlägt mit mindestens 42.000 Euro zu Buche, während der Standard-Benziner bei 26.000 Euro startet. Der enorme Preisunterschied ist darauf zurückzuführen, dass ein Hybrid zwei Antriebe braucht: den Elektro- und den Verbrennungsmotor. Hinzu kommen noch die Batterie und weitere Komponenten, die sich auch in puncto Wartung- und Reparatur nicht gerade vorteilhaft auf die Kosten auswirken.

Darüber hinaus sorgt der doppelte Antriebsstrang für mehr Gewicht, was insbesondere bei Landstraßen- und Autobahnfahrten sogar zu einem höheren Verbrauch führt. Das gilt insbesondere für die ohnehin schon schweren SUVs, bei denen der zusätzliche Elektromotor (in Kombination mit einem mehrere hundert PS starken Benzinmotor) primär dazu dient, schneller zu beschleunigen. Und dann wäre da noch der zusätzliche Platz, den der Elektroantrieb benötigt, was in den meisten Fällen auf Kosten des Kofferraums geht.

Teilzeit-Stromer und die Wirtschaftlichkeit

Schauen wir uns zum Beispiel den neuen Volvo XC60 an. Als T5 mit Benzinmotor bringt es dieser auf 250 PS und einen Einstiegspreis von 51.500 Euro bei einem kombinierten Verbrauch von 7,7-7,3 Litern auf 100 Kilometer. Die „grüne“ Alternative, der T8 Twin Engine für 67.500 Euro, verbindet dagegen einen 303 PS starken Benzin- mit einem 87 PS starken Elektromotor. Den kombinierten Verbrauch gibt Volvo mit 2,4 Liter auf 100 Kilometer an. Auf den ersten Blick scheint der Plug-in-Hybrid-SUV somit erstaunlich effizient zu sein. Das gilt allerdings nur dann, wenn man das Fahrzeug konsequent an der Steckdose auflädt und sich hauptsächlich auf innerstädtischen Kurzstrecken bewegt. Sobald auf längeren Autobahnfahrten der über 300 PS starke Benzinmotor übernimmt, steigt der Verbrauch (unter anderem aufgrund des höheren Gewichts des Fahrzeugs) rasant an.

Der Volvo XC60 ist übrigens nur eines von vielen Beispielen für den aktuellen Trend im Premium-Segment, PS-starke Benzinmotoren mit Elektromotoren zu kombinieren. Das ist weder umweltfreundlich, noch wirtschaftlich – und eben deshalb zählen insbesondere Plug-in-Hybride nach wie vor zu den Exoten im Straßenverkehr.

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