Kolik - Gefahr für Pferde

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Kolik – die ernste Gefahr für Pferde

Kolik ist in der Pferdefachsprache ein bekanntes Wort. Selbst kleine Reitschüler kennen bereits das Angstwort und den Allgemeinbegriff Kolik. Eine Kolik ist der Begriff für eine Fehlfunktion im Magen und/ oder Darmtrakt des Pferdes. Keine bestimmte Krankheit, denn Koliken können sehr unterschiedlich verlaufen und verschiedene Ursachen haben. Umgangssprachlich Bauchschmerzen beim Pferd. Fast jedes Pferd erleidet einmal in seinem Pferdeleben eine Kolik. Oft geht es gut aus, jedoch nicht immer. So sind Koliken tatsächlich leider eine der häufigsten Todesursachen. Aber, schnelles Handeln rettet Leben. So schnell wie eine Kolik kommt, kann sie auch wieder gehen.

Ursachen einer Kolik

Der Magen des Pferde ist sehr klein und kurz im Vergleich zu dem Meter langen Darmtrakt, der nochmal wie beim Menschen in Dünn- und Dickdarm unterteilt ist. Aus diesem Grund ist der Magen darauf ausgelegt, Futter nur kurz zu speichern und dann weiterzugeben. Erfolgt eine zu schnelle und zu hohe Futteraufnahme über einen kurzen Zeitraum kann es zur Verstopfung kommen. Zudem können Pferde sich von Natur aus nicht übergeben. Das verhindert die starke Muskulatur an den Magenausgängen und der Speiseröhre. Die Nahrung kennt somit nur einen Weg und ist dieser aus irgendeinem Grund behindert, kann es schnell gefährlich werden.

Zu wenig Trinkwasser, zu wenig Bewegung und falsche Fütterung kann schnell eine Störung der Verdauung auslösen. Ein Pferd braucht immer Zugang zu frischem Trinkwasser, braucht nicht nur für die Psyche und den Bewegungsapparat genug Auslauf. Und bei der Fütterung sollte sich grundlegend informiert werden. Zu wenig Heu, zu viel Getreide und Zucker und zu lange Fresspausen zwischendurch – alles Ursachenverstärker. Das Pferd ist von Natur aus darauf ausgelegt, sich den Tag über viel zu bewegen und dabei immer wieder etwas Nahrung aufzunehmen.

Steht den Vierbeiner nicht 24h Heu zur Verfügung, können Heunetze helfen, die Heuaufnahme über den Tag zu verteilen. Die Netze gibt es grob- und engmaschig. Die Herdentiere brauchen deutlich länger, um ihr Heu zu mümmeln und können auch nicht so schlingen. Dennoch sollte bei der Auswahl der Unterbringungen darauf geachtet werden, dass der Betrieb den Pferden genug Heu füttert.

Zudem sollte von zu viel Getreide und Zucker abgesehen werden. Viele Müslis sind sehr getreidehaltig und sollten, wenn unbedingt gewünscht, nur in kleinen Mengen gefüttert werden. Auch Zucker- und Melassehaltige Pferdefutter sollten ganz gestrichen werden.
Auch das Anweiden vorsichtig gestalten. Der Pferdemagen braucht Zeit, um sich von Heu oder dem wenigen Gras der Winterweide auf das saftige und eiweißhaltige Gras zu gewöhnen. Sonst können nicht allein Koliken sondern auch noch Hufrehe die Folge sein.

Neigt das Pferd dazu, sich zu überfressen, kann das durch eine Fressbremse auf der Wiese vermieden werden oder es wird anstatt auf Stroh auf Späne gestellt.

Ablauf einer Kolik

Doch trotz allen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich eine Kolik manchmal nicht vermeiden. Es gibt verschiedene Anzeichen einer Kolik und es schadet nicht, dem eigenen Gefühl zu vertrauen. Häufig werden Symptome wie Unruhe, Scharren, Appetitlosigkeit und Treten nach dem Bauch gezeigt. Auch starkes Schwitzen und rollende Augen deuten darauf hin, dass es etwas nicht in Ordnung ist. Eine Kontrolle der Schleimhäute kann ebenfalls Licht ins Dunkel bringen. Sind die Schleimhäute des Mauls weißlich und blass, sollte schnell gehandelt werden. Meist versuchen sich die Pferde hinzulegen. Einige liegen ruhig und möchten nicht mehr aufstehen. Andere werfen sich hektisch hin und wälzen sich hin und her.

Nicht jedes Pferd zeigt jedes Symptom. Allerdings sollte der Tierarzt gerufen werden, sobald ein komisches Gefühl auftritt oder auch nur der Eindruck entsteht, dass etwas mit dem Pferd nicht stimmt. Bei einer Kolik spielt Zeit eine wichtige Rolle. Denn der Krankheitsverlauf schlägt auf den gesamten Kreislauf des Pferdes. Ein zu schwacher Kreislauf kann sogar zum Tod des Vierbeiners führen. Und mit einer rechtzeitigen Behandlung werden dem Pferd meist viele Schmerzen erspart.

Zusätzlich sollte der Stallbesitzer oder der Ansprechpartner im Stall informiert werden. Er oder sie hat meist mehr Erfahrung mit Koliken der verschiedensten Art und weiß was zu tun ist. Ein „Fels in der Brandung“ ist auch hilfreich. Das muss nicht der Stallbesitzer sein, sondern kann auch ein enger Freund sein, der die Situation objektiver sieht und beruhigend eingreifen kann. Denn ein hektischer Mensch unterstützt sein krankes Pferd selten und die sensiblen Tiere merken natürlich sofort, wenn die Vertrauensperson nicht bei der Sache ist.

Während der Tierarzt auf dem Weg ist, sollte entweder das Futter und auch das Stroh aus der Box entfernt oder das Pferd umgestellt werden. In viele Reitställen gibt es die Möglichkeit, dass kolikende Pferd in den „Round Pen“ auf Sand zu stellen. Frisches Wasser sollte aber immer zur freien Verfügung stehen. Zudem sollte das Pferd bei einer leichten Kolik alle halbe Stunde ein paar Minuten im Schritt geführt werden, um den Kreislauf und den Darm anzuregen. Ist es je nach Schwere der Kolik nicht mehr möglich für das Pferd zu laufen, dann sollte das Liegen erlaubt sein. Früher hieß es, dass Pferd auf keinen Fall liegen oder sich rumwälzen dürfen – heute wird davon ausgegangen, dass Rumwälzen durchaus auch hilfreich gegen den Kolikauslöser sein.

Behandlungsmethoden des Tierarzt

Kommt der Tierarzt, wird er sich erstmal einen Gesamteindruck verschaffen und bei dem Pferd Temperatur, Atmung und Puls kontrollieren. Meist wird dann noch der Bauch mit dem Stethoskop abgehört, um zu hören ob und wie die Verdauung noch arbeitet. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, das Pferd rektal zu untersuchen. Dabei führt der Tierarzt seinen Arm mit einem Handschuh tief in den Pferdehintern ein und kann etwa ein Viertel des Darm erfühlen. So kann die Ursache diagnostiziert werden.

Zunächst wird in der Regel ein krampflösendes Medikament gespritzt in Verbindung mit einem beruhigenden und schmerzlindernden Mittel. Dann gilt es das Pferd etwa zwei Stunden zu beobachten. Hat man Glück, ist es schon mit dieser Methode getan.

Sollte es dem Pferd aber nicht besser gehen, sollte der Tierarzt sofort wieder verständigt werden. Jetzt müssen härte Maßnahmen ergriffen werden. Ist der Kreislauf des Pferdes schwach und die Schleimhäute ausgetrocknet, kann der Vierbeiner auch an einen Tropf gehangen und intravenös mit Flüssigkeit versorgt werden. Zusätzlich kann eine Nasenschlundsonde gelegt werden. Dabei wird ein Plastikschlauch über die Nase in den Pferdemagen eingeführt. Das ist leider ebenso wie die rektale Untersuchung unangenehm für die Vierbeiner. Über die Sonde kann Gas entweichen und die Art der Kolik noch besser eingeordnet werden. Hat sich im Magen Refluxflüssigkeit gesammelt, sollte umgehend die Klinik aufgesucht werden. Außerdem kann der Magen über die Sonde mit Wasser gespült werden. Dabei gelangen einige Liter normales Wasser über den Schlauch in den Umlauf der Verdauung. Das kann besonders bei Verstopfung helfen.

Bei leichteren Koliken und erheblichen Verbesserungen seit dem Besuch des Tierarztes reicht es das Pferd die Nacht über gut zu beobachten. Hat der Stallbesitzer nicht die Möglichkeit sollte in Betracht gezogen werden, die Nacht im Stall zu verbringen. Zudem wird die nachfolgenden Tage ein strenger Diätplan vom Tierarzt aufgestellt und die Verdauung sollte langsam in Gang kommen. Meist wird erstmal nur viel Heu und Mast gegeben. Bleiben die Maßnahmen des Tierarztes ohne große Verbesserung und wird der Zeitraum der Kolik immer länger, sollte das Pferd in die Klinik gefahren werden.

Pferdeklinik

Die Pferde werden in der Klinik rundum betreut und die Behandlungsmethoden entsprechen den neusten Standards. Zudem gibt es auch im Fall einer schweren Kolik mit der Ursache einer Verdrehung im Darm oder einem Darmverschluss die Möglichkeit, das Pferd Not zu operieren. Zunächst wird in der Klinik oft ein Ultraschall gemacht, um den Ort und die Art der Kolik genauer einordnen zu können. Anschließend wird den Pferden meist ein Maulkorb angezogen und sie werden an den Tropf gehangen. Über eine Vene im Hals wird ein Zugang gelegt, so können auch Medikamente in den Blutkreislauf gebracht werden.

Angst: Kolik-Operation

Eine Kolikoperation muss kein Todesurteil sein. Manchmal kann dem geliebten Vierbeiner anders einfach nicht mehr geholfen werden. Mittlerweile liegen die Überlebenschancen bei bis zu 90 Prozent je nach Schwere der Diagnose, Alter und Gesundheitszustand. Meist sehen die Ärzte erst während der Operation die wirklichen Schäden am Darm. Leider müssen einige Pferde dann während oder nach der Operation eingeschläfert werden, weil die Überlebenschancen doch schlechter als geahnt waren. Ansonsten wird der abgestorbene Teil es Darm entfernt und die gesunden Abschnitte wieder zusammen genäht. Die direkten Überlebenschancen der OP liegen sehr gut.

Aber die Tage danach und die Nachsorge sind ausschlaggebend. Erst muss das Pferd wochenlang Boxenruhe halten und wird nach einem strengen Plan wieder aufgepäppelt. Das ganze Pferdeleben lang sollte die Fütterung nun perfekt auf das Pferd in Rücksprache mit den Ärzten abgestimmt werden. Doch es kann sein, dass sich der Darm und das Pferd trotz überlebter Operation nicht mehr erholen können. Geht jedoch alles glatt, können die meisten Pferde vor allem im Freizeitbereich wieder weitestgehend normal trainiert werden.

Eine Kolikoperation bringt allerdings auch enorme Kosten mit sich und fängt etwa bei 5.000 Euro an. Vorbeugend kann eine Op-Versicherung abgeschlossen werden. Diese deckt nicht nur die Kosten einer Kolik-OP sondern Operationen rund ums Pferd ab.

Koliken können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Von Darmverschlüssen bis Verstopfungen oder Verdrehungen im Darm. Auch Gase, Stress oder plötzliche Wetterumschwünge können der Übeltäter sein. Einige Pferde sind auch leider „Kolik veranlagt“. Sie neigen zu Koliken. Doch mit der richtigen Fürsorge kann man dem gut entgegen wirken. Parasitenbefall kann auch schlimme Koliken verursachen. Eine regelmäßige Vorsorge in Form von Wurmkuren ist dementsprechend sehr wichtig. Jedoch ist ein übermäßiger Einsatz schlecht für dem Magen. Der Wurmbefall kann auch durch Kotproben beim Tierarzt kontrolliert werden und so ist es möglich, gezielt zu entwurmen.

Letztendlich steckt man manchmal nicht drin. Doch viele Koliken haben ein gutes Ende und es gibt stetig mehr Möglichkeiten, diese lästige Krankheit zu behandeln. Immer wachsam bleiben und schnell handeln – dann haben die Vierbeiner die besten Chancen.

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