2018 Nissan GT-R Track Edition im Drive Check

Wenn der Sohnemann, der für Autos eigentlich gar nichts übrig hat, auf einmal möchte, dass man ihn zur Schule fährt. Wenn es auf einmal gar nicht mehr „uncool“ ist, von Papa zur Schule gebracht zu werden. Wenn die Nachbarn klingeln und eine Probefahrt unternehmen wollen. Wenn Fremde im Straßenverkehr den Daumen hoch zeigen und wenn das Fahrzeug sogar einfach „cool“ ist, dann geht es um den Nissan GT-R! Der Stealth-Bomber unter den Super-Sportwagen ist als Nissan GT-R Track Edition aber mehr R-acer, als G-ran T-ourismo. Details gefällig? Gern! Gleich hier im Drive Check!

Schnell, schneller, Nissan GT-R Track Edition!

Schnell, schneller, Nissan GT-R Track Edition!

Nissan GT-R Track Edition Design Check

„Was für eine Kante“, denkt man sich im Fitness-Studio das ein oder andere Mal, wenn man auf einen langjährigen Bodybilder trifft. Das trifft auch auf den Nissan GT-R Track zu. Der Japaner geizt nicht mit Charme, verschwindet in gedeckter Farbe im Alltagsverkehr, zieht solo aber alle Blicke auf sich. Und er nimmt das Thema Kante wirklich sehr genau, weil er einfach wirkt, als hätte man ihn aus einem Block geschlagen.

Auf 4, 71 m Länge erstreckt sich das massive Sportgerät und stellt sich mit einer Breite von 1,89 m massiv auf die Straße. Mit 1,37 m ist er zudem alles andere als hochbauend – optimale Bedingung für dynamische Fahrleistungen. Der lange Radstand von 2,78 m sollte eigentlich einen guten Geradeauslauf garantieren – eigentlich. Die 255/40 R 20 Reifen an der Vorderachse und die 285/30 R20 an der Hinterhand suchen zusammen mit der strammen Fahrwerksabstimmung zu gern nach Spurrillen. Dazu aber später mehr.

Fakt ist, dass die neu entworfenen „Rays“-Felgen mit ihrer angepassten Einpresstiefe weiter rausstehen, gleichzeitig aber satt im Radhaus stehen. Ein wirklich brachialer Look.
Dieser wird durch viel Sichtcarbon aufgelockert. Zwar besagt ein Sprichwort, dass nicht alles Gold sei, was glänze. Im Fall des Nissan GT-R Track ist das auch vollkommen richtig, dafür ist aber alles tatsächlich aus Carbon, was danach aussieht.

Exterieur Fotos vom Nissan GT-R Track Edition:

Nissan GT-R Track Edition Motoren Check

Die Eckdaten des handgefertigten Triebwerks sind hinlänglich bekannt, schließlich wird der Nissan GT-R seit rund zehn Jahren gebaut. So verbirgt sich unter der kantigen Motorhaube ein 3.8 Liter V6, der im Nissan GT-R Track Edition 419 kW bzw. 570 PS entwickelt. Dank variablem Allradantrieb ist Traktionsverlust ein Fremdwort für den Japaner.
Dank dieser Zutaten ergeben sich natürlich Fabelwerte, was die Fahrleistungen anbelangt.

3,8 Liter V6 - klingt etwas schwach ist aber Bärenstark!

3,8 Liter V6 – klingt etwas schwach ist aber Bärenstark!

In 2,8 Sekunden geht es auf 100 km/h und Schluss ist erst bei 315 km/h. Andererseits muss man auch sagen, dass gerade die Beschleunigungswerte schwierig zu erzielen sind: Zu wichtig sind Variablen wie der Untergrund, die Außentemperatur, die Beladung usw. Für eine recht ausgeglichene Gewichtsverteilung sorgt indes die Transaxle-Bauweise, bei der das Getriebe vor der Hinterachse sitzt.

Dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen: Auch als Nissan GT-R Track Edition, die ein wenig abgespeckt hat, stehen 1.820 Kilogramm auf der Straße. In Kombination mit der gewaltigen Motorpower stellt sich so ein realistischer Verbrauch von 16,1 Litern auf 100 km ein. Der Normverbrauch von 11,8 ist kaum zu realisieren.

Nissan GT-R Track Edition Innenraum Check

Gleich wenn man den Innenraum des Nissan GT-R Track Edition betreten möchte, gibt es eine kleine Enttäuschung: Der Fahrzeugschlüssel ist ein gewöhnlicher Nissan-Schlüssel. Man würde sich bei einem Super-Sportler auch über ein etwas extravaganteres Pendant freuen. Aber sei´s drum, dafür passt der sonstige Qualitätseindruck. Die belederten Racaro-Sportsitze sehen zum anbeißen aus und gefühlt tun sich auch genau das – anbeißen!

Sie sind eng, sie sind stramm, ja sie kneifen ein wenig. Man muss schon die Figur eines Langläufers haben, um optimal sitzen zu können. Wobei optimal ein recht schwieriges Unterfangen ist, da die Sessel nicht höhenverstellbar sind. Kleinere Fahrer würden lieber erhöht sitzen, größere kommen schnell mit dem Dachhimmel in Berührung. Dafür lässt sich das Volant axial und vertikal an den Fahrer anpassen. Ansonsten zeigt sich auch im Innenraum viel Carbon. Um die Exklusivität noch etwas zu steigern, verfügt der Bolide über ein Track Edition Emblem.

Zweckmäßiger Innenraum mit viel Carbon!

Zweckmäßiger Innenraum mit viel Carbon!

Das Infotainment? Ja, ist vorhanden. Es ist nicht auf dem neusten Stand, bietet aber immerhin Apple CarPlay. Die Auflösung ist pixelig, die Handhabung nicht gerade leicht, aber was soll´s. Beim Nissan GT-R Track Edition geht es nicht um High-End-Bildschirme, sondern um das Fahren! Hierfür finden sich in der Mittelkonsole drei Tasten: Links zur Justierung des Differenzials, mittig zum Einstellen des Fahrwerks und rechts für die Fahrdynamik-Regelung.

Novizen sollten gerade von letzterem Knopf die Finger lassen. Und sonst? Sonst gefällt der Innenraum mit roten Ziernähten und theoretisch vier Sitzplätzen. Aber ganz unter uns: Die Rückbank ist eher eine bessere Ablage. Verwunderlich auch, dass die Sitzlehnen der Vordersitze nicht klappbar sind. So bekommt man die Schwiegermutter nicht mal mit einem Schuhlöffel auf die Rückbank bugsiert. Hingegen gestaltet sich der Kofferraum wirklich alltagstauglich:

Der Kofferraum wäre große Klasse, wenn er doch kein Backofen wäre!

Der Kofferraum wäre große Klasse, wenn er doch kein Backofen wäre!

360 Liter Volumen stehen bereit das Gepäck für einen Wochenendtrip zum Trackday aufzunehmen. Zum Einkaufen eignet sich der Japaner wiederum weniger, weil der Kofferraum sehr schnell heiß wird. Das kann aber auch praktisch sein: Die Aufheizung, die der Position des Getriebes geschuldet ist, lässt die TK-Pizza zu Hause schon halbgar sein.

Innenraum Fotos Nissan GT-R Track Edition:

Nissan GT-R Track Edition Fahreindruck Check

Ok, im Alltag zeigen sich ein paar Unzulänglichkeiten. Aber Herrgott, der Nissan GT-R Track Edition will auf die Piste und nicht zum Discounter. Dafür fährt er etwas weniger Gewicht spazieren, federt mit einem adaptiv einstellbaren H&R Fahrwerk und gibt sich herrlich konsequent. Straffheit ist seine Tugend, die im Alltag nervt. Auf dem Track ist sie aber optimal. Man kann über Curbs rasen, dass es eine Pracht ist. Und auch die Frage der Quere beherrscht der Japaner, wenn man es darauf anlegt. Der variable Allradantrieb mit grundsätzlich hecklastiger Auslegung macht es möglich.

Doch Vorsicht: Traktion ist fast in jeder Lebenslage vorhanden, doch hilft einem der 4×4-Antrieb nicht beim Bremsen. Beim Bremsen helfen eher die Scheiben um Pizza-Format! Familien-Pizza trifft es wohl am ehesten. 390er Scheiben vorn und 380er hinten geben Sicherheit. Das Pedalgefühl ist dabei super-direkt und gibt dem Popometer eine Rückmeldung, die ihresgleichen sucht. Gleiches gibt es von der Lenkung zu berichten: Kaum lenkt man eine Idee weit ein, schon biegt das japanische Geschoss ab. Ultra-direkt ist hier wohl das Attribut, das am besten auf die Steuerung zutrifft.

2018-Nissan-GT-R-Track-Edition-Fahrbericht-Drive-Check-Jens-Stratmann-2

Etwas ernüchternd ist der Sound des Nissan GT-R Track Edition. Was ein Sportwagen ist, darf das auch ruhig etwas rauer in die Welt hinausposaunen, möchte ich meinen. Der GT-R gibt sich hier aber zurückhaltend. Dafür bekommt man viele andere Geräusche mit: Da wäre etwa das dezente Mahlen des Getrag-Doppelkupplungsgetriebes. Jenes schaltet in Windeseile hoch – sowohl im automatischen, wie auch im manuellen Modus, der über die Schaltwippen am Lenkrad bedient wird.

Die technischen Komponenten sind also in einer Perfektion aufeinander abgestimmt, wie man es sonst kaum erleben darf und wer es darauf anlegt, der kann natürlich auch mit der Kraft spielen und den ein oder anderen Drift auf der Rennstrecke ausprobieren. Doch wie immer gilt: Das ist gefährlich, nicht im Straßenverkehr machen!

Die drei Spaßtasten - im R-Modus wird es radikal im Nissan GT-R Track Edition!

Die drei Spaßtasten – im R-Modus wird es radikal im Nissan GT-R Track Edition!

Nissan GT-R Track Edition Preis Check

117.900 Euro kostet der Nissan GT-R Track Edition mindestens. Wenn man diese Summe schon mal im Kopf hat, sollte man direkt die einzigen beiden Extras dazu ordern. Zum einen wäre dies der 3.000 Euro teure Carbon-Heckspoiler, der den Look optimal abrundet. Und zum anderen wäre es die Metallic-Lackierung für 1.000 Euro. Ansonsten ist alles an Bord.

Drei Buchstaben - zwei Rückleuchten - ein Carbon-Heckspoiler und viele geplatzte Träume!

Drei Buchstaben – zwei Rückleuchten – ein Carbon-Heckspoiler und viele geplatzte Träume!

Nissan GT-R Track Edition Zielgruppencheck und Fazit

Es gibt wenig Super-Sportler, die einen solchen Ruf genießen, wie der Nissan GT-R. Nicht umsonst nennt man das Power-Monster auch „Godzilla“. Und am liebsten würde man ihn nicht mehr abgeben. Dann müsste man aber früher oder später 121.900 Euro für den vollausgestatteten Nissan GT-R Track Edition überweisen – und die haben die wenigsten übrig. Wobei das Geld in ein Meisterwerk fließen würde. Und der GT-R ist wahrlich ein Meisterstück, schließlich überzeugt die Perfektion der Komponenten auf ganzer Ebene. Der Motor? Handgefertigt, wie bei Mercedes-AMG und druckvoll, wie ein Presslufthammer.

Die Lenkung? Scheint mit den Gedanken verknüpft zu sein. Der Tank? Leider klein und kaum ausreichend für 300 km Reichweite. Die Kosten für den Unterhalt? Exorbitant. Das sollte man vor allem dann beherzigen, wenn man die günstigen Gebrauchtwagenpreise recherchiert. So wird aus dem Track-Tool schnell zur Spaßbremse, denn die Folgekosten sind bei diesem Fahrzeug leider immens, aber irgendwas ist ja immer.

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