Der Mercedes-Benz G500 / G63 Drive Check

Wir schreiben das Jahr 1979: Die erste Mercedes G-Klasse ist geboren und macht alles nass, was auch nur ansatzweise behauptet geländetauglich zu sein. Und dieses Phänomen hielt sich fast 40 Jahre lang. Mithalten konnten vielleicht ein Land Rover Defender oder ein Lada Niva. Doch nun ist es soweit: Das neue Modell erblickt das Licht der Welt. Neu? Ja, tatsächlich! Äußerlich ist der Mercedes-Benz G500/G63 zwar ganz der Alte geblieben, doch steckt unter dem kantigen Kostüm ein neuer Kraxler. Wir bitten zum Tanz mit der neuen G-Klasse…

Mercedes-Benz G500 Fahrbericht!

Mercedes-Benz G500 Fahrbericht!

Mercedes-Benz G500/G63 Design Check

Stronger than time, so lautet der Claim zur Mercedes-Benz G-Klasse. Gut, das gilt wohl auch für den Vorgänger, doch der Mercedes-Benz G500/G63 ist sich treu geblieben. So treu sogar, dass man meinen könnte, dass das neue Modell nur ein Facelift sei. Der geländegängigste Benz ist weiterhin eine Art Schuh-Karton. Zwar ist er dezent rundlicher geworden, doch die typischen Insignien sind weiterhin vorhanden: die kantigen Türgriffe, die aufgesetzten Blinker und die Türen mit den außenliegenden Scharnieren – alles da. Genauso, wie das außen liegende Reserverad am Heck.

Ganz der alte geblieben!

Ganz der alte geblieben!

Und auch die Stattlichkeit blieb. Mit 4,82 m Länge ist der Mercedes-Benz G500/G63 schließlich kein kleines Fahrzeug. Die 1,93 m Breite lesen sich hingegen gut, verstehen sich aber ohne Außenspiegel. Mit ihnen ist der große Geländewagen satte 2,19 m breit und verbietet sich damit für die linke Spur in einer Baustelle. Allerdings kann man bei einer Höhe von 1,97 m die gute Aussicht genießen. Diese wird durch die Multi-Beam-LED-Scheinwerfer weiter gesteigert und verschafft dieser G-Klasse ein etwas verdutzt dreinschauendes Gesicht. Verdutzt wird man auch sein, wenn man die serienmäßigen 18-Felgen betrachtet. Sie wirken etwas schmächtig, während die optionalen 22-Zoll-Räder wesentlich mehr hermachen.

Mercedes-Benz G500 Fotogalerie:

Mercedes-Benz G500/G63 Motoren Check

Etwas her machen natürlich die Aggregate des Stuttgarters. Beide Modelle, sowohl der G500, wie auch der G63 AMG bauen auf einem 4.0 Liter V8 auf. Der 500er leistet 422 PS und generiert 650 Nm, womit man – wenn man das Gaspedal im Teppich versenkt – in 5,9 Sekunden auf 100 km/h spurtet. Schluss ist bei 210 km/h. Der Verbrauch soll bei 11,8 Liter liegen.

Mercedes-Benz G500 Motor

Mercedes-Benz G500 Motor

Der G63 generiert 585 PS und 850 Nm und ist natürlich nochmals wesentlich krasser. Krass trifft es dabei im Kern. In 4,5 Sekunden spurtet man auf 100 km/h und kann mit diesem fahrenden Ungetüm bis zu 220 km/h erreichen. Optional geht auch mehr. Das gilt auch für den Verbrauch, der mit 13,1 Liter auf 100 km angegeben ist. Beide Motoren erfüllen natürlich die aktuellen Abgasnormen und sind an ein Neungang-Getriebe gekoppelt. Der G500 an die 9G-Tronic, der G63 an eine AMG Speedshift DCT

Mercedes-Benz G63 Motor

Mercedes-Benz G63 Motor

Mercedes-Benz G500/G63 Innenraum Check

Der Mercedes-Benz G500/G63 wuchs ein Stück und das spürt man im Innenraum. Besonders die Breite legte deutlich zu. So fühlt man sich etwas luftiger untergebracht, wenn auch nicht fürstlich. So hockt man mit stark angewinkelten Beinen auf den dicken Ledersesseln. Komfortabel ist das ebenso wenig, wie die hohe Ladekante mit 76,6 cm. Dafür ist das Kofferabteil mit 454 bis 1.941 Litern ausreichende groß und variabel gestaltet.

Ausreichend groß: Der Kofferraum!

Ausreichend groß: Der Kofferraum!

Komfortabel wird es, wenn man sich an der Optionsliste austobt: So kann man eine Rückenmassage bekommen, sich von der Burmester Soundanlage beschallen lassen oder die beiden 12,3-Zoll-Bildschirme des Widescreen-Cockpits bestaunen. Das im Gesamtpaket macht durchaus an und den Charme dieses Fahrzeugs aus. Das digitale Cockpit hat man in dieser Form in der aktuellen A-Klasse gesehen.

Ja, das ist wirklich der Innenraum der G-Klasse!

Ja, das ist wirklich der Innenraum der G-Klasse!

Mercedes-Benz G500/G63 Fahreindruck Check

Der Mercedes-Benz G500/G63 ist kein Sportwagen, auch wenn die Quartettwerte gesund klingen. Nein, er ist mehr ein luxuriöses Nutztier. So bietet er, genauso wie der VW Touareg,  3,5 Tonnen Zugkraft. Darüber hinaus punktet er aber mit einer Wattiefe von 70 cm, 31 und 30 Grad Böschungswinkel, einen Rampenwinkel von 26 Grad und drei Sperren, damit es im Gelände sehr weit geht. Die Basis bildet auch weiterhin ein Leiterrahmen. Nützlich ist zudem die maximale Zuladung von 640 bis 721 kg – je nach Ausführung.

Geländewagen = Legendewagen!

Geländewagen = Legendewagen!

Für das individuelle Fahrerlebnis sorgt das Dynamic Select System mit fünf Straßen- und drei Offroad-Modi. Außerdem wurde das Fahrwerk neu entworfen, vertraut an der Hinterachse weiterhin auf eine Starrachse, bietet vorn aber eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern und eine elektromechanische Zahnstangenlenkung. Jene wird adaptiv unterstützt.

Machen wir uns nichts vor, die G-Klasse kann mehr als 99,9% der Besitzer vermutlich von ihr verlangen, im Gelände, auf der Landstraße, ja selbst auf der Autobahn. Nur in der Stadt, da fühlt sie sich nicht so wohl, macht aber eine ansprechende Figur.

2018-Mercedes-Benz-G63-G-Klasse-Fahrbericht-Test-Jens-Stratmann

Mercedes-Benz G63 Fotogalerie:

Mercedes-Benz G500/G63 Preis Check

Die G-Klasse ist das Auto der Träume? Dann schnell anfangen zu sparen. Los geht es ab 107.040 Euro für den G500. Der G63 kommt auf mindestens 148.435 Euro – mit ein paar Optionen geht natürlich noch wesentlich mehr. Aber man sollte schon einiges dazu bestellen, damit der Stuttgarter auch im Alltag eine gute Figur macht. Da wäre etwa das Parkpaket mit 360 Grad Kamera, das Fahrerassistenzpaket, große Räder für die standesgemäße Optik oder eine Anhängerkupplung. Empfehlenswert sind zudem das adaptive Fahrwerk und das Widescreen Cockpit mit den beiden, großen Bildschirmen.

Der kennt kaum Grenzen!

Der kennt kaum Grenzen!

Mercedes-Benz G500/G63 Zielgruppencheck und Fazit

Der geneigte Förster ist längst nicht mehr die Zielgruppe der G-Klasse. Viel zu teuer und luxuriös ist der Schwabe. Schwäbisch sind die Preise obendrein nicht, weshalb sich eine solvente Klientel anbietet, die auf die Geländetalente zumeist pfeift. Dafür sollten die Stuttgarter vielleicht ein paar optionale Swarovski-Elemente in die Aufpreisliste einpflegen. Wertstabil sind die Fahrzeuge aber, das merkt man auch beim Blick in die einschlägig bekannten Gebrauchtwagen-Börsen und irgendwie ist es doch auch schön, dass es die G-Klasse immer noch gibt, oder?

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