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Future Mobility: Autonomes Fahren zum Nachrüsten

Das autonome Fahren zählt zusammen mit der Elektromobilität zu den Trendthemen unserer Zeit. Ein Autohersteller, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass selbstfahrende Autos im Fokus des öffentlichen Interesses stehen, ist Tesla. Die Elektrofahrzeuge von Elon Musk verfügen bereits seit geraumer Zeit über unterschiedliche Autopilot-Features: Der Tesla S kann beispielsweise auf der Autobahn selbstständig das Tempo an den fließenden Verkehr anpassen, die Spur halten oder wechseln, sowie Parklücken suchen und in diese autonom einparken. Erwirbt der Kunde das „volle Potenzial für autonomes Fahren“, können die Fahrzeuge sogar noch mehr:

„Dieses System ist auf souveräne Durchführung von Kurz- sowie Langstrecken ohne Fahreingriffe ausgelegt. […] Ihre Aufgabe beschränkt sich dann auf das Vorgeben des Zieles. […] Ihr Tesla berechnet dabei von selbst die optimale Route, navigiert dann souverän durch den Stadtverkehr (auch ohne Fahrbahnmarkierungen), meistert selbst den Kreisverkehr und komplexe Kreuzungen mit Ampeln und Stoppschildern.“

Dass das Tesla Model S das alles kann, heißt natürlich noch lange nicht, dass den Käufern all diese Funktionen auch schon zur Verfügung stehen. Vielen Funktionen fehlt derzeit noch die rechtliche Zulassung, so dass Tesla diese erst nach und nach freischalten wird.

Das autonome Fahren wird nach und nach freigeschaltet? Ja, richtig gehört. Im Endeffekt verfügt er Tesla S beim „vollen Potenzial für autonomes Fahren“ unter anderem über acht aktive Kameras und zwölf Ultraschallsensoren, deren Daten vom Bordcomputer kontinuierlich ausgewertet werden. Dadurch werden die oben beschriebenen Autopilot-Funktionen möglich, sobald sie rechtlich zugelassen sind.

Bleibt die Frage: Wenn sich alles um Kameras und Sensoren dreht, könnte man autonome Fahrfunktionen nicht auch nachrüsten?

Start-ups arbeiten am autonomen Fahren zum Nachrüsten

Tatsächlich arbeiten derzeit bereits mehrere Unternehmen an modularen Nachrüstsets, mit denen sich zum Teil über zehn Jahre alte Fahrzeuge mit autonomen Fahrfunktionen ausstatten lassen – zum Beispiel das Start-up X-Matik. LaneCruise nennt sich das System, das jedes Fahrzeug zum selbstfahrenden Auto machen soll. Dazu müssen laut X-Matik nur ein Steuergerät für das Lenkrad sowie das Gas- und Bremspedal, eine Kamera, ein Touchscreen sowie eine Steuereinheit installiert werden. Dadurch soll autonomes Fahren bis hin zu Stufe 3 möglich werden.

Beim für in diesem Jahr geplanten Beta-Test in Kanada können sich interessierte Fahrer anmelden und für rund 2.000 US-Dollar teilnehmen.

Auch ein Start-up aus Berlin mischt bei dem Thema mit: Kopernikus nennt sich das junge Unternehmen, das den Autopiloten zum Nachrüsten realisieren möchte. Das System soll knapp 3000 Euro kosten und sieben Kameras beinhalten, die am Fahrzeug angebracht werden. Ein Computer verarbeitet die Daten dann und bezieht darüber hinaus auch die Informationen ein, die die bereits im Fahrzeug verbauten Kameras und Sensoren liefern. Demonstriert wurde das System bereits an einem VW Golf 7.

Und es geht noch günstiger: Der einst in der iPhone-Szene bekannte Entwickler George Hotz hat seinen Honda bereits im vergangenen Jahr zum selbstfahrenden Auto umgerüstet – für knapp 700 US-Dollar. Vermarktet wird das aus einer Dashcam und einem Smartphone bestehende System als EON.

Autonomes Fahren: Noch sind viele Fragen offen

Auf den ersten Blick klingt das alles recht einfach – und dennoch wird es noch Jahre dauern, bis vollautonome Fahrzeuge sich frei auf deutschen Straßen bewegen dürfen. Nicht umsonst konzentrieren sich Autohersteller wie Audi, BMW und Mercedes im Marketing in erster Linie darauf, zu zeigen, was Assistenzsysteme bereits heute leisten können. Zur Zeit dürfen Autofahrer in Deutschland trotz Spurhalteassistent und Adaptive Cruise Control noch nicht einmal die Hände für weniger als ein paar Sekunden vom Lenkrad nehmen.

Bis Zulassungsstellen und der Gesetzgeber davon überzeugt sind, dass ein Auto in der Lage ist, selbstständig von A nach B zu fahren, während der Fahrer sich zurücklehnen kann, ist es noch ein weiter Weg.

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