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Abgasskandal: Wie viel ist der Diesel noch wert?

Im September 2015 wurde erstmals bekannt, dass VW seine Diesel-Fahrzeuge mit einer illegalen Abschalteinrichtung ausgestattet hatte, um US-amerikanische Abgasnormen zu umgehen. Wie weitreichend die Konsequenzen dieser Entdeckung sowohl für deutsche Autofahrer als auch für die gesamte deutsche Automobilindustrie sein würden, ahnte zum damaligen Zeitpunkt noch niemand. Inzwischen sind drei Jahre vergangen – und der Wikipedia-Eintrag unter „Abgasskandal“ wird von Tag zu Tag länger.

Noch immer ist der Skandal nicht vollständig aufgearbeitet. Noch immer kommt es in regelmäßigen Abständen zu neuen Enthüllungen. Doch damit nicht genug. Die deutschen Autofahrer trifft es noch härter: Durch die zahlreichen Klagen der Deutsche Umwelthilfe e.V. müssen sich immer mehr Städte mit drohenden Fahrverboten auseinandersetzen. Nachdem es Anfang September Frankfurt getroffen hatte, war im Oktober Berlin an der Reihe. In der Hauptstadt sollen ab April 2019 mindestens elf Abschnitte stark befahrener Straßen für ältere Diesel gesperrt werden. Durch diese Maßnahmen erhofft man sich eine Reduzierung des Ausstoßes gesundheitsschädlicher Stickoxide. Es gilt als wahrscheinlich, dass Fahrverbote in weiteren Städten folgen werden.

Diesel-Fahrzeuge werden zu Ladenhütern

Die Konsequenzen sind bereits jetzt mehr als deutlich sichtbar: Laut des Dieselbarometers vom Deutschen Automobil Treuhand (DAT, Stand Juli 2018) können 87 Prozent der Autohändler Diesel-Gebrauchtwagen nur noch mit höheren Abschlägen verkaufen. Deshalb nehmen 22 Prozent überhaupt keine Diesel-Gebrauchtwagen mehr in Zahlung. Während gebrauchte Diesel durchschnittlich 106 Tage bei den Händlern auf dem Hof stehen, werden Benziner bereits nach 82 Tagen verkauft.

Ein Blick auf den Neuwagenmarkt und die Zulassungszahlen macht die Krise, in der der Diesel steckt, noch deutlicher. Im September 2018 hatten laut Kraftfahrt-Bundesamtes nur knapp 30 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge einen Dieselantrieb. Damit wurde im Vergleich zum September 2017 knapp 44 Prozent weniger Diesel-Fahrzeuge zugelassen. Im gesamten Jahr 2018 sank die Zahl der Diesel-Neuzulassungen um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Benziner legten um 14 Prozent zu.

Der Wertverlust älterer Diesel lässt sich nicht aufhalten

Die Leidtragenden sind in erster Linie die Besitzer älterer Dieselmodelle. Besitzer eines Euro 1- bis Euro 4-Diesels, werden damit in einigen Städten schon bald nicht mehr fahren dürfen. Wer auf dem Land wohnt und nur selten in die Großstadt fährt, kann damit unter Umständen gut leben. Berufspendler jedoch, die ihr Auto brauchen, trifft es besonders hart: Während etwa in Hamburg (derzeit) nur bestimmte Straßen für Dieselfahrzeuge tabu sind, sollen in Frankfurt große Teile des Stadtgebiets zur Verbotszone erklärt werden. Hier bleibt dann nur der Umstieg auf andere Verkehrsmittel oder der Kauf eines neuen Autos.

Das Problem an der Sache: Gebrauchte Diesel, insbesondere die der Euro 4-Norm und älter, lassen sich hierzulande nur mit einem hohen Wertverlust verkaufen. Politik und Wirtschaft steuern mit der kürzlich ausgehandelten Dieselprämie gegen. Allerdings macht nicht jeder Hersteller mit und es gibt zahlreiche Einschränkungen. BMW beispielsweise zahlt die Prämie nur bei Abgabe von gebrauchten BMW- oder Mini-Modellen der Euro 4- oder Euro 5-Norm.

Apropos Euro 5-Norm: Wer einen Diesel mit dieser Norm hat, kann in einigen Städten noch ein paar Monate länger fahren. Ein Verbot gilt aber auch hier als sicher. Dass Soft- oder Hardware-Nachrüstungen Abhilfe schaffen, bezweifeln Experten bereits seit geraumer Zeit. Zudem ist noch immer unklar, wer die Kosten für die Nachrüstung trägt.

Bleibt die Frage, wie es um Euro 6-Diesel steht. Für Verunsicherung sorgte diesbezüglich jüngst die Debatte rund um Fahrverbote in Berlin, bei der es auch um relativ neue Fahrzeuge der Euronorm 6a, b und c ging. Zwar äußerte sich das Gericht dazu nicht, allerdings ist nicht auszuschließen, dass es über kurz oder lang auch Fahrer dieser Modelle trifft. Die Konsequenz daraus: Die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen sinkt weiter, der Wertverlust (auch von neueren Modellen) nimmt zu.

Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt beim Neuwagenkauf auf einen Benziner oder ein Elektroauto.

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