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Fahren ohne Winterreifen? Dann drohen Strafen

Jeder von uns kennt die Situation: Man hat im Oktober keine Zeit gefunden, um die Winterreifen aufzuziehen und wähnt den Winter noch in weiter Ferne. Und dann plötzlich schlittert man mitten in einem Schneesturm über die Autobahn. Mit Sommerreifen im Winter, was Strafen nach sich ziehen kann. Wir verraten Ihnen, welche Strafen drohen, wenn Sie im Schnee ohne Winterreifen mit dem Auto fahren.

 

Die Winterreifenpflicht in Deutschland

Werfen wir zunächst einen Blick in die StVO:

Der Führer eines Kraftfahrzeuges darf dies bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur fahren, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die unbeschadet der allgemeinen Anforderungen an die Bereifung den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung genügen.

Es gibt in Deutschland somit zwar eine Winterreifenpflicht, allerdings ist diese nicht an einen bestimmten Zeitraum oder gar ein bestimmtes Datum geknüpft. Es gibt auch keine Regelung, ab wie viel Grad Winterreifen zu benutzen sind, wer von Oktober bis Ostern mit Winterreifen unterwegs ist, macht somit nichts falsch. Generell steht auch das Fahren mit Sommerreifen im Winter nicht unter Strafe. Aber wenn es zwei Wochen nach Ostern wider Erwarten doch nochmal schneit und man bereits mit Sommerreifen unterwegs ist, verstößt man dennoch gegen die „situative“ Winterreifenpflicht, die eben von Wetterverhältnissen und nicht vom Datum abhängig ist.

Zudem gibt es Änderungen in der Winterreifenverordnung. Künftig reicht es nicht mehr aus, wenn die Winterreifen mit einer M+S-Kennzeichnung versehen sind, da diese keinen einheitlichen Prüfkriterien unterliegt. Diese Anforderungen erfüllt nur das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke), das fortan Reifen als wintertauglich ausweist. Allerdings hat der Gesetzgeber eine Übergangsregelung geschaffen: Bis zum 30. September 2024 gelten Reifen mit M+S-Kennzeichnung als wintertauglich – vorausgesetzt sie wurden bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt. Also sind teilweise sogar Allwetterreifen im Winter erlaubt.

 

Keine Winterreifen? Es drohen Bußgelder und Probleme mit der Versicherung

Wer bei Schnee- und Eisglätte mit Sommerreifen unterwegs ist, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere. Aus diesem Grund ahndet der Gesetzgeber einen Verstoß gegen die Winterreifenpflicht mit Bußgeldern und Punkten im Fahreignungsregister (früher „Verkehrszentralregister“):

  • bei einem einfachen Verstoß wird ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro und ein Punkt fällig.
  • kommt es zu einer Behinderung erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro.
  • werden zusätzlich andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, sind 100 Euro fällig.
  • kommt es zu einem Unfall, steigt das Bußgeld sogar auf 120 Euro.
  • auch der Halter des Fahrzeugs, der eine Inbetriebnahme ohne erforderliche Bereifung zulässt, muss mit einer Geldbuße von 75 Euro und einem Punkt rechnen.

Wesentlich gravierender sind allerdings die Konsequenzen hinsichtlich der KFZ-Versicherung. Kommt es im Winter zu einem Unfall, weil Sie noch mit Sommerreifen unterwegs waren, kann es bei der Kaskoversicherung zu einer erheblichen Leistungskürzung wegen grober Fahrlässigkeit kommen. Hier muss allerdings der Einzelfall betrachtet werden. Es ist ein Unterschied, ob Sie im Oktober vom ersten Blitzeis überrascht werden, oder im Januar – trotz wochenlangen Schneefalls – noch mit Sommerreifen unterwegs sind. Selbiges gilt für die Haftpflichtversicherung. Hier kann die Benutzung von Sommerreifen auf Schnee eine Mithaftung des Geschädigten begründen.

 

Sind Ihre Winterreifen noch in Ordnung?

Falls Sie sich fragen, wie viel Profil Ihre Winterreifen haben müssen, haben wir die Antwort: Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für alle Autoreifen, egal ob Sommer-, Winter- oder Allwetterreifen, beträgt 1,6 mm. Sind Ihre Reifen stärker abgefahren, drohen dieselben Strafen wie wenn Sie mit der falschen Bereifungsart unterwegs sind:

  • einfacher Verstoß: 60 Euro.
  • …mit Behinderung 80 Euro.
  • …mit Gefährdung 100 Euro.
  • …mit Unfall 120 Euro.

Der ADAC empfiehlt darüber hinaus, dass bei Sommerreifen mindestens 3 mm und bei Winterreifen mindestens 4 mm Restprofil vorhanden sein sollten, um gutes Fahrverhalten zu gewährleisten.

 

Winterreifenpflicht im Ausland

Auch wer im Winter mit dem Auto ins Ausland fährt, sollte sich vorab genau über die Rechtslage informieren. In Frankreich beispielsweise sind Winterreifen und teilweise sogar Schneeketten auf bestimmten Gebirgsstraßen vorgeschrieben. Es drohen Geldbußen in Höhe von 135 Euro. In Italien können sogar bis zu 338 Euro fällig werden, allerdings kann hier sogar jede Provinz durch Rechtsverordnungen eigene Reglungen zur Winterreifenpflicht treffen. Auch bei den Profiltiefen kommt es zu Unterschieden: In Estland genügt eine Profiltiefe von 3 mm, Österreich schreibt je nach Reifenart eine Mindestprofiltiefe von 4 bis 5 mm vor.

 

 

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