Apple CarPlay

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Apple CarPlay in der Praxis: Viel Potenzial, wenig Nutzen

Wir leben in einer Welt, in der alles vernetzt ist. Egal, ob daheim, auf der Arbeit oder in Bus und Bahn: Smartphones und Tablets sorgen dafür, dass wir via Google, Facebook, Twitter und Instagram mit unseren Freunden und Bekannten, ja der ganzen Welt, verbunden sind. Im Auto ist das nicht ganz so einfach, da sich insbesondere der Fahrer auf den Straßenverkehr konzentrieren muss und nicht auf die neustes Statusmeldung bei Facebook.

Aus diesem Grund arbeiten die Autohersteller seit Jahren an verkehrssicheren Infotainment-Systemen, die aus Autos zeitgemäße Connected Cars machen. Diese Infotainment-Systeme gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen: mit großen und kleinen Bildschirmen, Touch- und Tasten-Bedienung, Gesten- und Sprachsteuerung. Allen gemein ist der hohe Preis. Vor allem die Lösungen der deutschen Premium-Autohersteller schlagen zum Teil mit mehreren tausend Euro zu Buche und das obwohl sie vom Funktionsumfang her eingeschränkter sind, als Smartphones für 150 Euro.

Apple CarPlay integriert das iPhone ins Auto

Würde man das Smartphone einfach ins Auto integrieren, könnte das viele Probleme kostengünstig lösen. Apple ging das Thema bereits im Jahr 2014 mit der iOS-Funktion „CarPlay“ an:

CarPlay ist eine intelligentere, sicherere Möglichkeit, dein iPhone im Auto zu nutzen. Du findest es in ausgewählten Modellen. Alles, was du während der Fahrt mit dem iPhone machen willst, machst du mit CarPlay übers Display deines Autos. Du kannst ganz leicht Wegbeschreibungen abrufen, telefonieren, Nachrichten senden und empfangen oder Musik hören – und dich trotzdem auf die Straße konzentrieren. Verbinde einfach dein iPhone und los geht’s.

Klingt super, oder? In der Theorie braucht man nur noch ein iPhone und einen kleinen Bildschirm im Auto, um während der Fahrt all die Funktionen zu nutzen, auf die man sonst auch nicht verzichten möchte. In der Praxis jedoch ist der Funktionsumfang von Apple CarPlay auch vier Jahre nach der Markteinführung noch stark eingeschränkt. Beim Telefonieren bietet CarPlay nicht mehr Komfort, als eine handelsübliche Freisprecheinrichtung. Bei der Navigation ist man auf Apple Maps angewiesen, da keine Navigationslösungen von Drittanbietern zugelassen sind – und ohnehin gibt es bis auf Audible, Spotify und WhatsApp kaum Anwendungen, die mit CarPlay kompatibel sind. Soziale Netzwerke sind von CarPlay gänzlich ausgeschlossen.

Darüber hinaus lassen sich Dienste wie Audible oder Spotify im Regelfall auch über das Infotainment-System des Autos bedienen, so dass sich die Frage aufdrängt, welchen Mehrwert CarPlay dem Fahrer überhaupt bietet – und das ist noch nicht das größte Problem.

Die Autohersteller wollen ihre eigenen Systeme verkaufen

Als Apple damals die Schnittstelle zwischen iPhone und Fahrzeug in sein mobiles Betriebsystem iOS integrierte, überboten sich die Autohersteller mit Ankündigungen, CarPlay zeitnah in ihren Modellen zu unterstützen. Verständlich, denn auf dem Apple-Hype mitzuschwimmen, ist nie verkehrt. Die Hoffnung der Verbraucher, auf eine preiswerte Smartphone-Integration im Auto, wurde allerdings schnell enttäuscht.

Die Autohersteller ließen und lassen sich die Butter nämlich nicht vom Brot nehmen. Und so findet man Apple CarPlay heutzutage zwar bei vielen Modellen unter „Sonderausstattung“, setzt man dort allerdings den Haken, erscheint ein Pop-up, das den Käufer freundlich darauf hinweist, dass CarPlay ein Infotainment-System voraussetzt. Um CarPlay zu nutzen, braucht man somit nicht nur ein iPhone für bis zu 1.000 Euro und die „CarPlay-Vorbereitung“, die je nach Hersteller zwischen 300 und 500 Euro kostet, sondern auch noch das mehrere tausend Euro teure Infotainment-System vom Hersteller, das man mit CarPlay ja eigentlich gerade ersetzen wollte. Bei BMW geht man seit 2018 noch einen Schritt weiter: Dort erwirbt man für 500 Euro nur die CarPlay-Nutzung für drei Jahre. Danach ist ein kostenpflichtiges jährliches Abo notwendig, wenn man die Schnittstelle weiterhin nutzen möchte.

Zu guter Letzt ist CarPlay natürlich auch bei weitem nicht so gut in die Fahrzeuge integriert, wie die herstellereigenen Lösungen. Bei Volvo lässt sich CarPlay beispielsweise nur in der unteren Hälfte des Touchscreens in der Mittelkonsole nutzen. Ein Vollbildmodus, wie beim Navigationssystem von Volvo selbst, ist nicht möglich – und auch im virtuellen Cockpit lässt sich nur das Volvo-eigene Kartenmaterial anzeigen.

Smartphone-Integration: Noch ist viel Luft nach oben

Letztendlich ist Apple CarPlay eine nette Spielerei – nicht mehr und nicht weniger. Auf der einen Seite ist da Apple, ein Unternehmen, das eine sehr restriktive Politik gegenüber Drittanbietern verfolgt, weshalb bis heute kaum eine externe Anwendung CarPlay unterstützt. Immerhin soll mit iOS 12 nun endlich Google Maps in den Zirkel der CarPlay-Anwendungen aufgenommen werden.

Auf der anderen Seite haben auch noch die Autohersteller ein Wörtchen bei der Smartphone-Integration mitzureden – und die sagen sich: Apple CarPlay gerne, aber nur als Ergänzung zu unseren eigenen Infotainment-Lösungen. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Im Gegenteil, wie das Beispiel BMW zeigt.

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