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Elektromobilität: Warum die Elektroauto-Prämie kaum Wirkung zeigt

Statistiken sind in der medialen Berichterstattung beliebte Werkzeuge, um bestimmte Thesen aufzustellen und diese mit Zahlenmaterial zu untermauern. Das Schöne an ihnen ist, dass man sie so oder so lesen kann, je nachdem, welche Aussagen man treffen möchte. Besonders gut zeigt sich das im Bereich der Elektromobilität: „Elektroauto-Neuzulassungen. 124 Prozent Plus im April 2018“ titelten einschlägige Portale vor einiger Zeit. Auf den ersten Blick ist das ein durchaus beeindruckender Wert.

Schafft die Elektromobilität nun also endlich den Durchbruch? Leider nein. Schaut man sich die Statistiken genauer an, stellt man fest, dass die rein elektrisch angetriebenen Fahrzeuge gerade mal rund ein Prozent (!) der 314.055 Pkw-Neuzulassungen des Monats April ausmachten. 61,1 Prozent der fabrikneuen Autos waren dagegen Benziner und immerhin noch 33,4 Prozent Diesel. Die Halbjahresbilanz des Kraftfahrt-Bundesamts zeichnet ein ähnliches Bild: Von Januar bis Juni 2018 wurden 17.234 Elektrofahrzeuge zugelassen. Dem gegenüber stehen weit mehr als 1,7 Millionen PKW mit Benzin- oder Dieselmotor im selben Zeitraum.

Umweltbonus: Die Prämie für Elektroautos, die kaum jemand beansprucht

Wie kann es sein, dass kaum jemand Elektroautos kauft, obwohl diese vom Staat seit Juli 2016 sogar in Form einer Prämie mit 4.000 Euro bezuschusst werden? Und das in Zeiten, in denen täglich neue Details zum Abgas-Skandal bekannt werden und sogar Dieselfahrverbote drohen. Werfen wir zunächst einen Blick auf den Umweltbonus. Bis Juni 2019 stellt der Bund 600 Millionen Euro für die Elektroauto-Prämie (2.000 Euro pro Fahrzeug) zur Verfügung. Die Hersteller beteiligen sich, indem sie Käufern einen Nachlass in gleicher Höhe geben. Daraus ergibt sich eine Förderung von insgesamt 4.000 Euro pro Elektroauto und ein Fördertopf, der mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro gefüllt ist.

Mehr als 300.000 Elektrofahrzeuge können auf diese Weise bezuschusst werden. Bis Juni 2018 gingen allerdings lediglich 38.146 Anträge für reine Elektrofahrzeuge und 27.866 für Plug-in-Hybride beim Kraftfahrt-Bundesamt ein. Die Mehrheit der Anträge entfiel dabei auf Unternehmen, kommunale Betriebe, Vereine und Stiftungen. Von Privatpersonen wurden nur knapp 30.000 Anträge gestellt.

Die Gründe für die geringe Nachfrage nach der Elektroauto-Prämie sind indes hinlänglich bekannt und waren es auch schon bei deren Einführung im Jahr 2016: Noch ist die Auswahl an vollelektrischen Modellen sehr überschaubar. Bei den meisten Fahrzeugen (BMW i3, Nissan Leaf, Renault Zoe) handelt es sich um Kleinwagen, die teilweise – trotz Umweltbonus – mehr kosten, als ein gut ausgestatteter Mittelklasse-Kombi. Größere Fahrzeuge, wie beispielsweise der Jaguar I-PACE, werden erst gar nicht gefördert, da sie mehr als 60.000 Euro kosten. Hinzukommen die geringen Reichweite sowie die nach wie vor schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur.

Elektroauto-Prämie kam zu früh

Getrieben vom Abgas-Skandal sah sich die Politik im Jahr 2016 gezwungen, in irgendeiner Form die Verkehrswende voranzutreiben – und rief den Umweltbonus für Elektroautos ins Leben. Leider ohne dabei die oben genannten Probleme hinsichtlich Verfügbarkeit, Reichweite und Infrastruktur zu berücksichtigen. Erst in zwei bis drei Jahren werden die großen Autohersteller ausreichend Modelle mit Elektroantrieb im Portfolio haben, um die unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse der Käufer befriedigen zu können. Die Zahl der öffentlichen und privaten Ladesäulen wird sich bis dahin ebenfalls signifikant erhöht haben, so dass auch Autofahrer ohne eigene Garage die Möglichkeit haben, ihr Fahrzeug zu laden.

Dann hätte eine staatliche Förderung Sinn gemacht. Diese läuft allerdings im kommenden Jahr aus.