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Elektromobilität: Warum Ladenetzwerke über den Erfolg von Elektroautos entscheiden

Vor neun Jahren hat Tesla sein Model S erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Vor fünf Jahren legte BMW mit dem i3 nach. Die anderen deutschen Premium-Autohersteller zögerten derweil mit ihren Antworten auf die immer virulenter werdende Frage nach der Zukunft der Mobilität. Bis jetzt. Im September stellten sowohl Mercedes-Benz mit dem EQC als auch Audi mit dem E-tron ihre neuen Modelle für die Elektromobilität der Zukunft vor.

Während Tesla bei seinem Model S vor allem auf Reichweite (über 500 Kilometer beim Model S 100D) und Beschleunigung setzt, vermarkten Mercedes und Audi ihre E-SUVs als Antworten „auf die Herausforderungen von heute und morgen.“ Bei beiden Modellen liegt der Fokus nicht auf der Reichweite. Die liegt gerade mal bei etwas mehr als 400 Kilometern – Reichweite laut Testzyklus, nicht Alltagsreichweite wohlgemerkt. Letztere dürfte sich vor allem im Winter irgendwo zwischen 300 und 400 Kilometern einpendeln. Es ist fraglich, ob sich potenzielle Käufer mit diesen Werten zufriedengeben.  In Umfragen ist eine „zu geringe Reichweite“ regelmäßig der Grund dafür, dass sich Verbraucher gegen die Elektromobilität entscheiden. Lösen lassen könnte sich das Problem allerdings durch ein intelligentes Ladenetzwerk.

Elektromobilität: Ohne Supercharger wären Teslas Modelle für viele Autofahrer nicht alltagstauglich

Die Strecke von Stuttgart nach München beläuft sich auf etwa 250 Kilometer. Weder mit dem E-tron noch mit dem EQC wird es möglich sein, Hin- und Rückfahrt zu bewältigen, ohne einen Zwischenstopp an einer Ladesäule einzulegen. Das setzt einerseits voraus, dass es solche Ladesäulen entlang der Strecke gibt. Andererseits muss es sich dabei um Schnell-Ladesäulen handeln.

Tesla hat vergleichsweise früh verstanden, wie wichtig eine gute und einfach zu nutzende Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität ist. Inzwischen gibt es allein in Europa über 10.000 Supercharger-Ladeplätze. Dort können Tesla-Fahrer ihr Model S oder Model X in rund 30 Minuten zu 80 Prozent aufladen. Man muss lediglich den Zielort eingeben und schon berechnet der Routenplaner des Fahrzeugs automatisch die am besten gelegenen Supercharger für die Reise. Über die Tesla-App kann der Ladevorgang zudem aus der Ferne überwacht werden und man erhält eine Benachrichtigung, wenn die Fahrt weitergehen kann.

Das ist einfach, komfortabel und vor allem schnell, denn Teslas Supercharger liefern aktuell eine Ladeleistung zwischen 90 und 145 kW. Vor allem befinden sich die Supercharger in Deutschland inzwischen entlang aller gängigen Reiserouten. Aus diesem Grund kann man mit einem Tesla auch problemlos von München nach Sylt fahren.

Das Supercharger-Netz können allerdings nur Tesla-Fahrer nutzen. Alle anderen müssen auf öffentliche Schnell-Ladesäulen zurückgreifen. Diese sind aktuell aber nicht nur rar gesät, sondern liefern meist auch nicht mehr als 50 kW Ladeleistung. Das reicht, um einen BMW i3 in 30 bis 40 Minuten wieder mobil zu machen, aber nicht für einen Mercedes-Benz EQC oder Audi E-tron.

Ionity und intelligente Ladenetzwerke sollen es richten

Der neue Audi E-tron unterstützt eine Ladeleistung von beeindruckenden 150 kW. Damit lässt sich der Akku des E-SUV in 30 Minuten zu 80 Prozent füllen. Bislang lassen sich solche HPC-Ladeparks (High Power Charging) in Deutschland allerdings an einer Hand abzählen. Ändern will das das Joint Venture Ionity (Audi, BMW, Daimler, Ford und Porsche), das bis 2020 an rund 400 Standorten Ultraschnell-Ladesäulen plant. Entlang der Autobahnen in Norwegen, Deutschland und Österreich soll es dann im Abstand von etwa 120 Kilometern mindestens einen Ladepark geben.

Und wie sieht es mit der Abrechnung aus? Immerhin bleibt das Problem bestehen, dass – sieht man von Ionity und Tesla ab – die Mehrzahl der Ladesäulen von ganz unterschiedlichen Anbietern (Energieversorgern, Stadtwerken, etc.) betrieben wird. Vorbildlich erscheint in diesem Zusammenhang die Lösung von Audi. Der „E-tron Charging Service“ soll den Kunden Zugang zu etwa 80 Prozent aller öffentlichen Ladestationen in Europa gewähren. Es wird ein einheitliches Preismodell geben, der Kunde muss nur einen Vertrag abschließen. Vorbei sind die Zeiten, in denen E-Auto-Fahrer 15 Ladekarten und mehr im Geldbeutel haben müssen, um auch ja jede Eventualität abzudecken.

Zum Starten und Bezahlen des Ladevorgangs genügt künftig eine Karte. Bei Elektroautos, die über die Funktion „Plug & Charge“ verfügen, fällt sogar diese weg. So kann sich beispielsweise der Audi E-tron über ein kryptographisches Verfahren selbst an Ladesäulen autorisieren und sie freischalten.

Es ist zu erwarten, dass früher oder später alle deutschen Premium-Autohersteller ähnliche Services in ihr Portfolio aufnehmen werden.

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