Diesel

Mein Auto & Ich » Diesel-Fahrverbote: Hardware-Nachrüstung oder Umtauschprämie?

Diesel-Fahrverbote: Hardware-Nachrüstung oder Umtauschprämie?

Als der Abgasskandal im Jahr 2015 erstmals publik wurde, waren Dieselfahrer in ganz Deutschland verunsichert. Niemand wusste so richtig, welche Konsequenzen sich daraus über kurz oder lang ergeben werden. Inzwischen sind drei Jahre vergangen. Erste Städte haben zur Luftreinhaltung Fahrverbote verhängt, weitere werden folgen. Gebrauchte Diesel lassen sich nur noch schwer verkaufen – und verlieren dementsprechend deutlich an Wert.

Die Bundesregierung will Besitzer älterer Diesel-Fahrzeuge mit Hardware-Nachrüstungen und Umtauschprämien unter die Arme greifen. Aber noch sind viele Fragen offen.

Hardware-Nachrüstung ist teuer und noch nicht verfügbar

In der Theorie ist die Hardware-Nachrüstung eine tolle Sache. Um bis zu 70 Prozent soll sich der Schadstoffausstoß im Stadtverkehr dadurch laut ADAC reduzieren lassen. Das funktioniert bei den sogenannten SCR-Systemen durch einen speziellen Katalysator, der in den Abgasstrang integriert wird. Dieser macht die giftigen Stickoxide mithilfe des Harnstoffs AdBlue unschädlich.

Aber noch sind viele Punkte unklar:

  • derzeit gibt es schlichtweg keine serienreifen Nachrüstsysteme für ältere Diesel. Einige Unternehmen befassen sich zwar mit dem Thema, allerdings weiß niemand, wie lange die Genehmigung und Zertifizierung der Umrüstsätze dauern wird. Die Rede ist von bis zu zwei Jahren.
  • bei der Haftungsfrage weigern sich die Autobauer, die Verantwortung für die Umrüstung zu übernehmen. Die Regierung verweist derweil auf die gesetzliche Gewährleistungspflicht der Nachrüster.
  • die Nachrüstung kann sich auf den Verbrauch und die Leistung der Fahrzeuge auswirken.

Wer zahlt die Nachrüstung?

Und wenn das alles geklärt ist, bleibt immer noch die Frage, wer die Nachrüstung bezahlt. Das Verkehrsministerium rechnet mit Nachrüstkosten von durchschnittlich 3.000 Euro. Volkswagen und Daimler erklärten sich jüngst bereit, bei älteren Autos bis zu 3.000 Euro für die Nachrüstung zu übernehmen. Vorausgesetzt der Halter lebt in einer der Schwerpunktregionen. BMW hingegen lehnt Umrüstungen komplett ab. Ebenso die ausländischen Hersteller.

Das Nachsehen hat der Verbraucher, denn eine Nachrüstung auf eigene Kosten dürfte sich nur in wenigen Fällen lohnen.

Umtausch-Prämie für Diesel: Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Schon kurze Zeit nachdem die Bundesregierung ihr Diesel-Maßnahmenpaket vorgestellt hatte, lief die Marketing-Maschinerie der Autohersteller auf Hochtouren. Schnell wurde klar, dass jedes Unternehmen sein eigenes Süppchen kocht. Gefördert werden soll die Rückgabe gebrauchter Diesel-Fahrzeugs. Wie diese Förderung konkret aussieht, entscheidet allerdings jeder Autobauer selbst.

Volkswagen:

  • wer einen alten Diesel (unabhängig vom Hersteller) verschrottet, der nur die Abgasnorm Euro 1 bis Euro 4 erfüllt, bekommt bis zu 8.000 Euro Rabatt.
  • allerdings können nur Käufer in den 14 Schwerpunktregionen (München, Stuttgart, Köln, Reutlingen, Düren, Hamburg, Limburg, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Backnang, Darmstadt, Bochum und Ludwigsburg) zwischen allen Antriebsarten wählen. Andernorts gibt es die Rabatte nur beim Kauf eines neuen Diesels.
  • wer in den Schwerpunktregionen wohnt und einen Euro-4- oder Euro-5-Diesel in Zahlung gibt, erhält eine Wechselprämie beim Kauf eines Neuwagens. Für einen Up gibt es beispielsweise 500 Euro, für einen Touareg 7000 Euro.

Mercedes:

  • bis zu 10.000 Euro Umtauschprämie (zusätzlich zur vereinbarten Summe der Inzahlungnahme).
  • das Angebot gilt aber nur in den 14 Schwerpunktregionen und nur für Diesel. Zudem gibt es die 10.000-Euro-Prämie nur, wenn man einen Mercedes-Neuwagen kauft, der nach den Abgasnormen Euro 6c, Euro-6d-Temp oder Euro 6d zertifiziert ist.
  • andernorts bezahlt Mercedes für alte Diesel der Normen 1 bis 4 nur bis zu 2.000 Euro (zuzüglich Inzahlungnahmepreis).

BMW:

  • die „Umweltprämie+“ beläuft sich auf 6.000 Euro und wird beim Kauf/Leasing von nach Euro 6 zertifizierten BMW- oder Mini-Neuwagen mit Verbrennungsmotor gewährt.
  • dazu muss allerdings ein BMW oder Mini mit Euro-4- oder Euro-5-Diesel abgegeben werden.
  • der Halter muss in den 14 Schwerpunktregionen leben.

Volvo:

  • für einen Diesel der Abgasnormen Euro 1 bis 5 gibt es fünf Prozent Rabatt auf den Brutto-Listenpreis.
  • dazu muss der Neuwagen von Volvo die Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllen und der Halter muss in den Schwerpunktregionen leben.

Wer mehr Details möchte, findet beim Magazin Auto, Motor und Sport eine ausführliche Aufstellung der unterschiedlichen Prämien. Anhand der vier genannten Beispiele wird allerdings bereits deutlich, dass die Umtauschprämien der Hersteller in erster Linie für diejenigen attraktiv sind, die ohnehin einen Neuwagen kaufen wollen. Gefördert werden zudem vor allem die großen und teuren Fahrzeug (VW Touareg, Mercedes-Benz S-Klasse, etc.), die für den „kleinen Mann“ so oder so nicht erschwinglich sind.

Nicht zu vergessen: Den Brutto-Listen-Preis, der als Referenz herhalten muss, bezahlt ohnehin beim Autohändler niemand.

Tags: