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Reiten: Richtiges Aufwärmen bei kaltem Wetter

Im Winter rauschen die Temperaturen tief in den Keller. Beim Reiten ist das sorgfältige Aufwärmen des Pferd dann besonders wichtig, bevor es an Traversalen, versammelten Galopp oder Überwinden der Trippelbarre geht. Denn: Sind die Muskeln noch verkrampft, bewegt sich das Pferd steif, geht taktunrein und klemmt am Schenkel. Zudem erhöht sich die Verletzungsgefahr. Während des Aufwärmens – der sogenannten „Lösungsphase“ – erreichen Muskeln, Gelenke und Sehnen langsam „Betriebstemperatur“, werden weich und elastisch. Doch warum ist das eigentlich so?

Aufwärmphase: So kommen die Muskeln in Schwung

Bewegung kostet Kraft. Die Anstrengung regt den Kreislauf an und der „innere Ofen“ heizt sich hoch. Dadurch zirkuliert nicht nur vermehrt Blut durch die Muskeln und versorgt diese mit Sauerstoff und Energielieferanten wie Glukose, auch die Körpertemperatur steigt etwas an. Muskeln werden so weicher, Gelenke mit vermehrt Schmiere (Synovia) versorgt und die Sehnen und Bänder geschmeidig; das Pferd lässt sich nun besser stellen und biegen. Zudem beginnt die Rückenmuskulatur losgelassen zu schwingen. All das sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Pferd Lektionen wie Vorwärts-Seitwärtsgänge oder Versammlung korrekt ausführen kann.

Wer es während der Lösungsphase zu eilig hat und das Aufwärmen verkürzt, riskiert hingegen Faserrisse und Zerrungen. Deswegen sollte die fleißig vorwärts gerittene Schrittphase an kalten Tagen mindestens 15 bis 20 Minuten dauern. Erst dann kann das Leichttraben beginnen. Einige Pferde brauchen sogar noch länger, um in Schwung zu kommen.

Jedes Pferd benötigt ein individuelles Warm-up

Wie lange die Aufwärmphase andauern sollte, hängt davon ab, wie schnell Gelenke, Sehnen und Muskeln elastisch werden. Bei gesunden Pferden nimmt das Warm-up weniger Zeit in Anspruch als bei anderen. Besonders viel Zeit zum Lockern benötigen:

  • alte Pferde
  • gelenkkranke Pferde
  • Pferde mit Stoffwechselstörung
  • Pferde, die länger in der Box gestanden haben

Trockenreiten und Eindecken nach dem Reiten

Insbesondere Pferde mit plüschigem Winterpelz geraten während der Arbeit schnell ins Schwitzen. Sie sollten aus diesem Grund bei eisigem Wetter nicht zu sehr gefordert werden. Dichtes Fell bleibt zudem länger nass, da die langen Haare die Feuchtigkeit nicht so schnell an die Umgebungsluft abgeben können wie die kurzen Haare der geschorenen Pferde. Die Schrittphase nach dem Reiten sollte bei Pferden mit Winterpelz entsprechend länger ausfallen.

Durch die entspannte Bewegung beim Trockenreiten fährt sich der Kreislauf nach der Anstrengung langsam wieder in den Gemütlichkeitsmodus herunter und schiebt keinen Schweiß mehr nach. Mindestens 15 bis 20 Minuten Trockenreitzeit sollten Sie bei ungeschorenen Pferden einplanen, bei geschorenen darf sie etwas kürzer ausfallen. Generell gilt: Der Schweiß sollte möglichst getrocknet sein und die Atmung sich normalisiert haben, bevor es zurück auf die Weide oder in die Box geht. Eine Nierendecke nimmt während des Trockenreitens Schweiß auf und schützt den empfindlichen Nierenbereich vor dem Auskühlen.

Sollte Ihr Pferd nach dem Absatteln noch feuchte Stellen am Körper haben oder leicht nachschwitzen, legen Sie am besten eine Abschwitzdecke auf. Eine Lage Stroh zwischen Nieren und Decke ermöglicht eine bessere Luftzirkulation und beschleunigt das Trocknen des Fells. Vielleicht bummeln Sie jetzt gemeinsam mit Ihrem Vierbeiner noch eine Runde durch die Außenanlage. Bleibt das Pferd in Bewegung und kann sich dabei noch gemütlich auf dem Hof umschauen, trocknet es nicht nur besonders schnell, Sie schaffen nach dem Reiten damit auch einen schönen Abschluss.

Bildquelle: Pixabay

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