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Welche Reichweite haben Elektroautos im Winter?

Anfang Februar 2019 sorgte eine Meldung aus den USA für Aufregung im World Wide Web: „Eiseskälte legt hunderte Teslas lahm!“. Darauf stürzten sich natürlich die Gegner von Elektrofahrzeugen. Immerhin schien auf den ersten Blick die Annahme bestätigt, dass batteriebetriebene Autos niemals an die Kapazitäten des klassischen Verbrennungsmotors herankommen werden. Was bei dieser Rechnung allerdings unter den Tisch fiel: Während der besagten Kältewelle waren die Temperaturen im Mittleren Westen der USA bis auf minus 35 Grad Celsius gesunken. Unter solchen Bedingungen können selbst Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselantrieb den Dienst verweigern.

Vor diesem Grund sollten extreme Wetterverhältnisse nicht unbedingt als Referenzpunkt dienen, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Dennoch lässt sich eins nicht bestreiten: Im Winter sinkt die Reichweite von Elektroautos. Welche Tricks Sie anwenden können, damit trotzdem keine Nachteile für Sie entstehen, erfahren Sie hier.

 

BMW i3 - Elektroauto - Elektromobilität

 

Weshalb reduziert sich im Winter die Reichweite von E-Autos?

Wer einen Benziner oder Diesel fährt, merkt bei der Motorleistung kaum einen Unterschied zwischen Sommer und Winter. Das liegt daran, dass Verbrennungsmotoren viel Wärme erzeugen, die sich im Sommer ganz einfach in der Umgebung verteilt. Im Winter kann diese Abwärme dazu dienen, den Innenraum inklusive Scheiben, Sitze und Lenkrad zu beheizen.

Ein Elektroauto funktioniert in dieser Hinsicht grundlegend anders. Der auf Effizienz ausgelegte Elektromotor produziert keine Abwärme. Stattdessen fließt die produzierte Energie vollständig in den Antriebsstrang. Folglich können entsprechende Fahrzeuge ihr Potenzial bei wärmeren Temperaturen voll ausschöpfen. Im Winter hingegen geht die Reichweite von Elektroautos um über 40 Prozent zurück.

Die American Automobile Association (kurz AAA) verglich in einem Test insgesamt fünf E-Fahrzeuge und kam dabei auf folgendes Ergebnis:

  • +23,9 Grad Celsius → 100 % Reichweite
  • -6 Grad Celsius → 59 % Reichweite

Als Hauptgrund führten die Tester die Wärmeregulierung im Innenraum an. Um das Auto bei -6 Grad Celsius Außentemperatur auf komfortable 21 Grad Celsius zu erwärmen, sind strombetriebene Wägen ausschließlich auf ihren Akku angewiesen. Das Gleiche gilt auch für alle anderen Verbraucher wie beispielsweise Beleuchtung, Sitz- oder Lenkradheizung.

 

Elektroauto an Ladestation

 

So schonen Sie Ihren Akku bei winterlichen Temperaturen

Nur zu verstehen, warum ein E-Fahrzeug bei Minusgraden früher schlappmacht, hilft natürlich wenig weiter. Für Halter stellt sich vor allem die Frage, wie sich dieses Problem im Alltag lösen lässt. Der Vorschlag, den die Tester des AAA dazu machen, klingt nicht sehr vielversprechend: Wenn man auf die Heizung im Innenraum verzichtet, beschränkt sich der Reichweitenverlust durchschnittlich auf etwa 12 Prozent. Aber wer möchte schon in einem rollenden Kühlschrank umherfahren?

Glücklicherweise gibt es noch andere Maßnahmen, die ebenfalls die Reichweite eines Elektroautos im Winter verlängern können. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Tipps, um den Energieverlust unterwegs so gering wie möglich zu halten:

  • Stellen Sie ihr Fahrzeug in einer Garage ab.

Temperaturen unter 0 Grad Celsius verlangsamen die chemischen Reaktionen in Lithium-Ionen-Akkus. Das führt einerseits zu der bereits angesprochenen Reichweitenreduzierung. Andererseits wirkt sich solches Wetter aber auch negativ auf die Ladezeit aus. Je nach Modell kann der Ladevorgang im Winter ein bis zwei Stunden länger dauern als im Sommer. Wenn das Fahrzeug allerdings über Nacht in einer Garage steht, verringert sich die Ladezeit, da der Akku nicht ganz so stark auskühlt.

  • Nutzen Sie die Vorheizfunktion Ihres Fahrzeugs.

Die meisten modernen Elektroautos verfügen über eine Standheizung, die sich per App ansteuern lässt. Wenn Sie diese eine halbe Stunde vor Abfahrt aktivieren, erreichen Fahrzeug und Batterie frühzeitig ihre Idealtemperatur. Solange der Wagen währenddessen an einer Ladestation Strom bezieht, geht das Vorheizen auch nicht zu Lasten der Batterie und Sie starten mit vollem Akku (und warmem Innenraum).

Übrigens: Auch bei herkömmlichen Pkws können Sie jederzeit mit einer Standheizung nachrüsten.

  • Verzichten Sie nicht auf die Wärmepumpe.

Immer mehr Hersteller bieten für E-Autos zumindest optional eine Wärmepumpe an. Diese arbeitet ähnlich wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Aus einem Kilowatt Strom kann sie drei Kilowatt Wärmeleistung erzeugen. Dadurch wird der Stromverbrauch deutlich reduziert und die Batterie entlastet, wodurch sich wiederum die Reichweite eines Elektroautos im Winter verlängert.

  • Wenn es gar nicht anders geht: Nehmen Sie Einschränkungen in Kauf.

Falls die genannten Maßnahmen für Sie nicht machbar sind, hilft nur noch der Verzicht auf Komfortfunktionen. Stellen Sie die Heizung auf 18 anstatt 22 Grad Celsius. Lassen Sie Sitz- und Lenkradheizung ausgeschaltet. Aktivieren Sie den Eco-Modus und vermeiden Sie starke Beschleunigungsvorgänge und hohe Geschwindigkeiten.

 

Elektroautos im Winter: ein Zwischenfazit

Grundsätzlich müssen wir uns auch immer wieder vor Augen führen, dass die Elektromobilität nach wie vor in den Kinderschuhen steckt. Wie bei anderen alternativen Antrieben auch gibt es noch viele Herausforderungen zu meistern und Potenziale zu entdecken. Da die Mehrheit der Autofahrer täglich aber ohnehin nicht mehr als 30 Kilometer zurücklegt, erweist sich die Angst um die Reichweite von Elektroautos im Winter zum Großteil als unbegründet. Denn selbst ein i3 schafft bei -6 Grad Celsius und eingeschalteter Heizung noch problemlos 120 Kilometer.

 

 

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