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Reichweite von Elektroautos im Winter: Das gilt es zu beachten

Anfang Februar geisterte eine Meldung aus den USA durchs Netz: „Eiseskälte legt hunderte Teslas lahm“. Sofort rieben sich die Gegner der Elektromobilität die Hände. Bestätigte diese Nachricht doch, dass batteriebetriebene Autos dem klassischen Verbrenner unterlegen sind und diesen im Straßenverkehr niemals ersetzen werden. Was dabei allerdings gänzlich außer Acht gelassen wurde: Bei der historischen Kältewelle im Mittleren Westen der USA wurden Temperaturen von bis zu -35 Grad Celsius gemessen. Temperaturen, bei denen auch Benziner und Diesel den Dienst verweigern können.

Aus diesem Grund sollten solche Extremwetterereignisse auch nicht als Argumente herangezogen werden, wenn es um die Zukunft der Mobilität geht. Was jedoch durchaus jedem Fahrer eines Elektroautos bewusst sein sollte (und denjenigen, die es noch werden wollen): Im Winter sinkt die Reichweite von Elektroautos.

Warum reduziert sich die Reichweite von Elektroautos im Winter?

Wer einen Benziner oder Diesel fährt, merkt hinsichtlich der Reichweite kaum einen Unterschied zwischen Sommer und Winter. Das liegt daran, dass bei Verbrennungsmotoren viel Wärme entsteht, die vor allem im Sommer ganz einfach an die Umgebung abgeführt wird. Im Winter jedoch kann diese Abwärme genutzt werden, um Innenraum, Scheiben, Sitze und Lenkrad zu heizen.

Ein Elektroauto funktioniert in dieser Hinsicht grundlegend anders. Der auf Effizienz ausgelegte Elektromotor produziert keine Abwärme. Stattdessen wird die Energie vollständig dem Antriebsstrang zugeführt. Aus diesem Grund können Elektroautos bei wärmeren Temperaturen ihr Reichweitenpotenzial voll ausspielen. Im Winter hingegen sind Reichweitenverluste von über 40 Prozent keine Seltenheit.

In einem Test verglich der US-Automobilclub AAA kürzlich die Reichweiten von fünf Elektroautos. Einmal bei 23,9 Grad Celsius, einmal bei -6 Grad Celsius. Das Ergebnis: Im Schnitt büßten die Fahrzeuge bei der niedrigen Temperatur 41 Prozent ihrer Reichweite ein. Als Hauptgrund führten die Tester die Temperaturregelung für den Innenraum an. Die Energie, um den Innenraum bei -6 Grad Celsius Außentemperatur auf komfortable 21 Grad Celsius zu erwärmen, kommt bei Elektroautos nämlich ausschließlich aus der Antriebsbatterie. Selbiges gilt für alle anderen Verbraucher, etwa die Beleuchtung, Lenkrad- oder Sitzheizung.

Elektroautos im Winter: Tipps für mehr Reichweite

Nun, da geklärt ist, warum Elektroautos im Winter über weniger Reichweite verfügen, stellt sich die Frage, was man dagegen tun kann. Die Tester des AAA etwa haben herausgefunden, dass sich der Reichweitenverlust auf durchschnittlich 12 Prozent reduzieren lässt, wenn man auf die Temperaturregelung im Innenraum verzichtet. Aber wer will schon in einem rollenden Kühlschrank unterwegs sein?

Folgende Maßnahmen wirken sich positiv auf die Reichweite eines Elektroautos im Winter aus:

  • Stellen Sie ihr Fahrzeug in einer Garage ab. Temperaturen unter 0 Grad Celsius verlangsamen die chemischen Reaktionen in Lithium-Ionen-Akkus. Das führt einerseits zu der bereits angesprochenen Reichweitenreduzierung. Andererseits wirken sich Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aber auch negativ auf die Ladezeit aus. Je nach Modell kann der Ladevorgang im Winter ein bis zwei Stunden länger dauern, als im Sommer. Stellt man das Elektroauto über Nacht jedoch in einer Garage ab, kann man diesem Effekt entgegenwirken, da der Akku nicht ganz so stark auskühlt.
  • Nutzen Sie die Vorheizfunktion Ihres Fahrzeugs. Die meisten modernen Elektroautos verfügen über eine Standheizung, die sich per App ansteuern lässt. Aktiviert man diese eine halbe Stunde vor Abfahrt, werden Fahrzeug und Batterie bereits auf Idealtemperatur gebracht. Ist das Elektroauto in dieser Zeit mit dem Stromnetz verbunden, geht das Vorheizen auch nicht zu Lasten der Batterie und man fährt mit vollem Akku (und warmem Innenraum) los.
  • Verzichten Sie nicht auf die Wärmepumpe. Immer mehr Hersteller bieten für ihre Elektroautos zumindest optional eine Wärmepumpe an. Diese arbeitet ähnlich wie ein Kühlschrank. Nur umgekehrt. Aus einem Kilowatt Strom kann sie drei Kilowatt Wärmeleistung erzeugen. Dadurch wird der Stromverbrauch im Winter deutlich reduziert und die Batterie entlastet.
  • Wenn es gar nicht anders geht: Nehmen Sie Einschränkungen in Kauf. Falls Ihnen die bereits genannten Maßnahmen – aus welchen Gründen auch immer – nicht zur Verfügung stehen, hilft nur noch der Verzicht auf Komfortfunktionen: Stellen Sie die Heizung auf 18 Grad Celsius, anstatt auf 22 Grad Celsius. Lassen Sie Sitz- und Lenkradheizung ausgeschaltet. Aktivieren Sie den Eco-Modus Ihres Elektroautos und verzichten Sie auf starke Beschleunigungsvorgänge und hohe Geschwindigkeiten.

Man muss sich immer vor Augen führen, dass die Elektromobilität erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Natürlich ist noch nicht alles perfekt. Da die Mehrheit der Autofahrer täglich aber ohnehin nicht mehr als 30 Kilometer zurücklegt, ist die Reichweitenangst  in erster Linie Kopfsache. Auch im Winter. Denn selbst ein i3 schafft bei -6 Grad Celsius und eingeschalteter Heizung noch problemlos 120 Kilometer.

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