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Anweiden – Darum ist das langsame Gewöhnen an frisches Gras so wichtig

Frische Frühlingsluft in den Nüstern, wärmende Sonnenstrahlen auf dem Rücken und das Maul voll mit saftigem Gras – nach den langen Wintermonaten im Stall sind die ersten Tage auf der Weide wohl für jedes Pferd die pure Wonne. Doch bevor Sie für Ihr Pferd die Weidesaison eröffnen, sollten Sie es behutsam an das frische Grün gewöhnen und es geduldig anweiden. Denn: Junges Gras ist im Gegensatz zu Heu besonders reich an Eiweißen und Kohlenhydrate wie Fruktan. In größeren Mengen ist der Verdauungstrakt mit der Nährstoffflut schnell überfordert.

Darmflora gerät bei sprunghafter Futterumstellung aus der Balance

Gewissenhaftes Anweiden gibt dem Verdauungsapparat des Pferdes ausreichend Zeit, sich nach den grasfreien Monate auf das ungewohnte Futter umzustellen. Dazu muss der Darm seine Bakterienkulturen neu ordnen, die für das Aufspalten und Verwerten der Futterbestandteile zuständig sind.

Der Magen-Darm-Trakt hat sich während der Wintermonate auf die Verdauung von Raufutter wie Heu und Stroh eingestellt. Dabei haben die Mikroorganismen zugenommen, die für die Zersetzung dieser Futtersorten zuständig sind. Die Mikroorganismen, die Gras verwerten, wurden aufgrund der ausbleibenden Graszufuhr nach Ende der Weidesaison quasi „arbeitslos“ und überflüssig. Infolgedessen nahm ihr Anteil in der komplexen Darmflora ab. Vor dem ersten ausgiebigen Grasen auf der Koppel müssen sich die grasverwertenden Bakterienkulturen erst einmal ausreichend vermehren und ausbreiten, um das satte Grün in großen Mengen verarbeiten zu können. Dafür benötigen sie nicht nur regelmäßig kleinere Mengen Gras als „Nahrung“, sondern auch ausreichend Zeit. Doch wann ist der ideale Zeitpunkt, um mit dem Anweiden zu beginnen?

Sobald das Gras eine Höhe von etwa 20 Zentimetern erreicht hat, ist die Weidesaison eröffnet.

Schritt für Schritt ans Gras gewöhnen

Als Faustregel gilt: Erreicht das Gras eine Höhe von etwa 20 Zentimeter, ist die Zeit zum Anweiden reif. Sobald der Graswuchs also wieder Fahrt aufnimmt – das ist Mitte April bis Anfang Mai der Fall – ist der ideale Zeitpunkt gekommen, um Ihr Pferd kontrolliert anzuweiden. Dann heißt es: Halfter anlegen, Strick einhaken und los geht’s auf die Wiese. Zuerst sollten Pferde lediglich zehn Minuten am Stück grasen; nach einigen Tagen regelmäßigem Grasen können Sie die Zeit dann auf 20 Minuten erhöhen. So steigern Sie den Graskonsum nach und nach in Zehn-Minuten-Schritten.

Insgesamt nimmt ein schonendes Anweiden zwischen drei und vier Wochen in Anspruch. Dann hat sich die Darmflora ausreichend auf die neue Futtersituation eingestellt. Wer sich die Zeit des Anweidens spart und seinen Vierbeiner unvorbereitet zum Dauergrasen auf die Koppel schickt, riskiert dagegen schwere Erkrankungen des Pferdes.

Mögliche Folgen eines überstürzten Weidegangs

Ein Pferd, das zu schnell zu lange auf der Weide steht, kann verschiedene gesundheitliche Probleme entwickeln. Zu den häufigsten zählen:

  1. Kolik
    Bei einer Kolik handelt es sich um Bauchkrämpfe, die durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden können – beispielsweise durch eine Verstopfung oder einer Aufgasung des Darms. Das Pferd wirkt dann unruhig, schlägt häufig mit den Hufen gen Bauch, wälzt sich vermehrt, flehmt und schwitzt. Damit Ihr Pferd nicht zu gierig beim Grasfressen zulangt und so dem Darm zu viel zumutet, empfiehlt es sich, das Anweiden nach dem Füttern von Heu anzusetzen (Kraftfutter eignet sich für die Fütterung direkt vor und nach dem Anweiden hingegen nicht. Der schnelle Wechsel der Futterarten provoziert Aufgasungen im Darm). Sollte Ihr Pferd doch einmal aufgrund einer schweren Kolik operiert werden müssen, unterstützt Sie unsere Pferde OP-Versicherung bei den anfallenden Behandlungskosten.
  2. Durchfall
    Bei einer zu plötzlichen Futterumstellung ist der Darm mit der Verdauung des kohlenhydratreichen Frühlingsgrases überfordert und kann die Nährstoffe nicht aufnehmen. Häufig reagiert er dann mit Durchfall.
  3. Hufrehe
    Die entzündliche Hufkrankheit kann durch einen Eiweiß- oder Fruktanüberschuss einen Schub machen. Sie entsteht, wenn die Entgiftungsorgane Leber und Nieren ebenso überlastet sind wie der Darm. Infolgedessen gelangen Giftstoffe (Endotoxine) über die Darmwand in den Blutkreislauf und begünstigen den Ausbruch einer Huferkrankung wie Hufrehe oder einer Huflederhautentzündung. Dann bewegt sich das Pferd steif, tritt vorsichtig auf und hat Schmerzen im Bewegungsapparat.

Anfangs eignen sich die Morgenstunden zum Anweiden nicht.

⇒ Nach kalten Nächten ist bei sonnigem Wetter der Fruktangehalt der Grasstängel besonders hoch. Zum Anweiden sollten Sie die Morgen- und frühen Mittagsstunden deswegen lieber meiden und das Grasen auf den Nachmittag verlegen.

Diese Pferde sollten besonders sorgsam angeweidet werden

Einige Pferde verkraften eine Futterumstellung besser als andere. Bei Hufrehe-Patienten ist ein behutsames Angrasen besonders wichtig, um keinen weiteren Schub zu provozieren. Auch Pferde mit hochsensiblem Verdauungstrakt oder solche, die unter einer Stoffwechselerkrankung leiden, benötigen eine längere Gewöhnung an das Grünfutter. Wie viel Zeit die Anweidephase für Ihr Pferd in Anspruch nehmen sollte, besprechen Sie am besten mit Ihrem Tierarzt.

Neigt Ihr Pferd zum Ansetzen von Fettpölsterchen, sollten Sie während der Weidesaison darauf achten, das übrige Futter wie Kraftfutter und Heu entsprechend stark zu reduzieren. Eine Fressbremse kann ebenfalls zu einem Diäterfolg beitragen. Mit so einer clever gemanagten Vorbereitung können dann auch diese Vierbeiner gesund und gutgelaunt in die herrliche Weidesaison starten.

Ponys neigen häufig zu Übergewicht. Dann ist es sinnvoll, die Grasaufnahme zu kontrollieren.

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