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2019 Fiat 500C Fahrbericht Test Review

Beim Fiat 500C handelt es sich um kein neues Modell – gewiss nicht. Auch, wenn der kleine Retro-Italiener als Sondermodell Spiaggina vorfährt, macht ihn das zu keinem neuen Auto. Das Gegenteil ist der Fall: 2004 als Concept Car vorgestellt, kam er 2007 mit nur wenigen Veränderungen auf den Markt. Und trotz seiner Produktreife von mittlerweile zwölf Jahren, verkauft sich der Kleinwagen überaus gut. Worin liegt der Erfolg des hellblauen Fiat 500C verborgen? Das wollen wir im Drive Check einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Fiat 500C Fahrbericht

Fiat 500C Fahrbericht

Fiat 500C Design Check

Eines der Schlüsselelemente für den Erfolg des Fiat 500 – in diesem Fall des 500C, also des Cabrios – ist sein Design. Zwar wird der Kleinstwagen bereits seit zwölf Jahren in der geschlossenen Variante und seit zehn Jahren als Cabrio gebaut, aber das tut seinem Charm keinen Abbruch. Sein Retro-Design mag hier das Allheilmittel sein.

Fiat 500C Design-Check

Fiat 500C Design-Check

Richtig chic rollt auch das Sondermodell, der Fiat 500C Spiaggina, vor. Der ausschließlich als Cabriolet erhältliche Fiat 500 ist auf 1.958 Exemplare limitiert und soll damit eine Brück zum Fiat Nuova 500 schlagen, an den er so stark angelehnt ist. Das Sondermodell ist nur in „Volare Blau“ mit einem Verdeck in Elfenbein/Creme erhältlich und das ist überhaupt kein Problem, weil ihm die Farbe einfach so gut zu Gesicht steht. Die weiße Zierleiste am Exterieur, die 16-Zoll-Felgen im Vintage-Design und das Spiaggina-Emblem am Heck runden den Retro-Charme ab – bene!

Fiat 500C Test

Fiat 500C Test

So chic der Fiat 500C ist, so niedlich ist er gleichermaßen. Das liegt natürlich zum einen an seinen Abmessungen, von gerade einmal 3,57 m Länge. Wobei man eher von „Kürze“ sprechen müsste. Dass der Italiener in keiner Dimension ausufernd ist, zeigt auch die Breite von gerade einmal 1,89 m. Mit Außenspiegeln wohlgemerkt! Zum anderen ist es das Kindchen-Schema, das beim Fiat 500C gekonnt eingesetzt wird: Runde Scheinwerfer, eine knubbelige Form und verspielte, kleine Elemente – da kommen echte Vater-/Mutter-Gefühle auf. Selbst bei Mitarbeitern von anderen Konzernen fährt sich die Knutschkugel direkt ins Herz, schon paradox.

Fiat 500C Innenraum Check

Und was fühlt man, wenn man innen Platz nimmt? Man fühlt sich wohl! Was sofort ins Auge sticht: das ebenfalls Volare blaue Armaturenbrett. Mittig sitzt das 7-Zoll-Display des uConnect Infotainmentsystems auf, das die komplette Klaviatur an Konnektivität spielt. DAB, Android Auto, Apple CarPlay? Alles da! Hinzu kommt ein gut und schnell funktionierenden TomTom Navi. Und auch die Bedienung ist einfach. Eine Etage tiefer ist die Klimaautomatik angeordnet, die sich ebenfalls sofort verstehen lässt.

Fiat 500C Innenraum-Check

Fiat 500C Innenraum-Check

Kommen wir zum nächsten, zum großen Highlight des Fiat 500C, dem großen Cabriodach. Per Tastendruck fährt es in drei Stufen auf: Klein, wie ein Schiebedach, größer, wie ein Panorama-Dach oder gänzlich offen, wie bei einem Cabrio. Nur echtes Cabrio-Feeling kommt eben nicht auf, weil die Dachholme im Weg sind. Das ist nicht weiter wild, ein Cabrio ist der Fiat 500C damit aber nicht. Frischluft und gute Laune kommen aber allemal in den Innenraum.

Fiat 500C - Kein richtiges Cabrio!

Fiat 500C – Kein richtiges Cabrio!

Platzgenommen, ist man erstaunt über die recht bequemen Sitze in Reihe eins. Eine gute Sitzposition ist jedoch nicht leicht zu finden. Grund dafür sind das nur höhenverstellbare Lenkrad und der Fakt, dass sich obendrein nur die Sitzfläche höhenverstellen lässt, nicht aber die Rückenlehne. Platz hat man vorne hingegen reichlich, selbst als Großgewachsener. Der Platz hinten ist dafür nur Kindern zuzumuten. Die entsprechenden Kindersitze können in Isofix-Verankerungen eingehakt werden – das ist gut.

Erwartungsgemäß gibt es hinten kaum Platz!

Erwartungsgemäß gibt es hinten kaum Platz!

Sitze man vorn – nicht nur als Kind – und ist auf den Straßenverkehr konzentriert, kann einem eine Sache durchaus zum Verhängnis werden: Die Fensterheber. An die Positionierung links und rechts vom hochgesetzten Schaltknauf gewöhnt man sich. An den Umstand, dass ein Einklemmschutz fehlt, hingegen nicht. Das hochgefahrene Fenster quetscht die Hand nicht nur schmerzlich – bei kleinen Kinderhänden umso bedenklicher – sondern klemmt sie zudem fest. Das kann wirklich gefährlich werden.

Fiat 500C Kofferräumchen mit Brotdeckel-Klappe!

Fiat 500C Kofferräumchen mit Brotdeckel-Klappe!

Und zu guter Letzt: Der Kofferraum. Eigentlich ist die Betrachtung des Ladeabteils nicht der Rede wert und hat den Namen Koffer-Raum auch kaum verdient. Aber da kann keiner der Kleinstwagen-Wettbewerber mithalten. 185 Liter nehmen gerade so einen Bord-Trolley und einen Rucksack auf. Maximal sind es bei umgeklappten Sitzen 500 Liter, das reicht für den Urlaub zu zweit. Bei der mageren Zuladung von gerade einmal 300 kg sollte man aber gut aufpassen.

Fiat 500C Motoren Check

Angetrieben wird der Volare blaue Fiat 500C von einem 1.2 Liter Vierzylinder Benziner, der „sagenhafte“ 51kW/69 PS und 102 Nm bei 3.000 Umdrehungen entfesselt. Dass man mit diesem Antrieb am besten in der Stadt unterwegs ist, dürfte kein Geheimnis sein. Seine 163 km/h sind eher ein statistischer Wert, gleiches gilt für die 12,9 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h. Wie gesagt: Im Stadtbetrieb stört das herzlich wenig. Bereits auf Landstraßen geht dem kleinen Italiener aber schon die Puste aus. Der nächststärkere Motor, ein TwinAir Zweizylinder mit 0,9 Litern Hubraum, ist wesentlich spritziger, beim Ausloten des Potenzials aber durchaus durstiger. Auf die 5,0 Liter Durchschnittsverbrauch Werksangabe des 1.2 kommt eher nicht.

Fiat 500C Verbrauch 5,0-7,0 Liter - alles ist möglich!

Fiat 500C Verbrauch 5,0-7,0 Liter – alles ist möglich!

Fiat 500C Fahreindruck Check

Meine Standardstrecke: Die Autobahn A2 von Bielefeld nach Hannover. Meist ist sie auf 120 km/h beschränkt und hier kann der Fiat 500C kann gut mitschwimmen. Zwar ist es laut, Windgeräusche kommen vom Dach und der Motor dröhnt, aber man ist mittendrin, statt nur dabei. Überholmanöver überlege ich mir allerdings zweimal. Und wenn, dann muss geschaltet werden, um das Drehzahlniveau anzuheben und den kleinen Vierzylinder auszuquetschen – Spaß sieht anders aus. Überholprestige ist darüber hinaus Fehlanzeige. Das merkt man, wenn man die Höchstgeschwindigkeit von 163 km/h austesten möchte. Einmal von einem plötzlich ausscherenden Vordermann abgebremst, braucht man viel Anlauf und Geduld, um wieder in diese Geschwindigkeitsregionen zu stoßen. Dass der Verbrauch dann nicht bei den angegebenen 5,0 sondern eher bei sieben Litern auf 100 km liegt, ist kein Wunder. Bei gemütlicher Fahrt ist eine fünf vor dem Komma aber durchaus machbar.

Fiat 500C Fahrbericht

Fiat 500C Fahrbericht

Und wenn man ehrlich ist, dann ist die Autobahn auch weniger das Einsatzgebiet des Fiat 500C. Eher ist es die Stadt – hier passt der Kleinstwagen gut in enge Parklücken und kann sich flink durch das Gewühl werfen. Der Wendekreis von 9,3 m könnte zwar kleiner sein und auch der Lenkung würde eine Waageladung Rückmeldung guttun, behände ist der Fiat 500C aber trotzdem. Zudem weiß der Italiener mit einem nennenswerten Komfort aufzuwarten – angenehm.

Fiat 500C Preis Check

Unangenehm wird es beim Blick auf die Preisliste. Gut 20.000 Euro kostet der kleine Italiener – das ist viel Geld für einen Kleinstwagen. Auch, wenn das Sondermodell gut ausgestattet ist und chic aussieht. Hier bezahlt man vor allem den Retro-Charme und die Limitierung des Sondermodells. Das muss es einem Wert sein.

Ganz schön, aber auch teuer! Der Fiat 500C Preis-Check!

Ganz schön, aber auch teuer! Der Fiat 500C Preis-Check!

Fiat 500C Zielgruppencheck und Fazit

Car of the Year, City Car of the Year, World Car Design of the Year – das mag alles sein. So richtig taufrisch ist der Fiat 500C nicht mehr und die Siege sind auch längst verblasst. Auf neuem Stand ist die Technik des kleinen Charmeurs ebenfalls nicht: Es gibt keine Assistenten, abgesehen vom Tempomaten. Weder für Geld, noch für gute Worte. Und das ist vor dem Hintergrund, dass der Fiat 500C oftmals als Kinder-Taxi zur Schule oder KiTa genutzt wird, nicht mehr zeitgemäß. Den geringen Platz und den müden Motor kann man ihm nachsehen – damit findet man sich zurecht, oder eben nicht. Zumal es auch noch die Abarth-Varianten gibt, die mindestens 140 PS in die Waagschale werfen. Unterm Strich taugt der zahme 500C eigentlich nur als Zweitwagen oder als Stadtauto, ist dafür aber fast zu teuer. Retro-Charm, Volare und la dolce Vita hin oder her.

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