Wie gefährlich sind E-Bikes und Pedelecs?

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Unfälle mit dem Fahrrad: Sind E-Bikes und Pedelecs wirklich gefährlicher?

In Deutschland herrscht derzeit ein regelrechter E-Bike-Boom. Die absolute Mehrheit der verkauften elektrischen Fahrräder entfällt dabei auf die Kategorie der Pedelecs. Das sind Zweiräder, bei denen der Elektroantrieb nur unterstützend eingreift, sobald man selbst in die Pedale tritt. Und das auch nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Für alle, die mehr über die Unterschiede zwischen E-Bikes und Pedelecs erfahren möchten, haben wir eine detaillierte Übersicht in diesem Artikel zusammengestellt.

Leider vergeht momentan aber kein Tag, an dem nicht irgendeine Horrormeldung durch die Medien geistert: „Zahl der E-Bike-Unfälle ist in NRW drastisch gestiegen“, „Zahl der Pedelec-Unfälle im Münsterland hat sich verdoppelt“, „Immer mehr schwere Unfälle mit E-Bikes“ – das sind nur einige der Schlagzeilen der vergangenen Monate.

Das verunsichert viele Menschen, die darüber nachdenken, sich für die neue Saison ebenfalls ein Pedelec anzuschaffen. Sie stellen sich – völlig zurecht – die Frage: Sind E-Bikes wirklich so gefährlich?

Wie gefährlich sind E-Bikes und Pedelecs?

Steigende Unfallzahlen unter Pedelec-Fahrern sind in erster Linie auf die höheren Verkaufszahlen von E-Bikes im Allgemeinen zurückzuführen.

Das Unfallrisiko bei E-Bikes und Pedelecs ist nicht per se höher

Mit Statistiken ist das immer so eine Sache. Nehmen wir beispielsweise eine Meldung der WAZ vom 24. April 2019. In der Überschrift heißt es: „Zahl der E-Bike-Unfälle ist in NRW drastisch gestiegen“. Eingeleitet wird der Artikel mit: „Dass Pedelec-Fahrer stark gefährdet sind, hatte Innenminister Reul schon im Februar gesagt. Jetzt untermauert eine neue Statistik diese Warnung.“ Klingt auf den ersten Blick erschreckend.

Im Text selbst erfährt der Leser dann aber Folgendes: „2012 gab es insgesamt 308 Verkehrsunfälle mit Pedelec-Beteiligung in NRW, 2018 waren es 2155, also sieben Mal mehr. […] Der Anstieg hat natürlich in großem Maße etwas damit zu tun, dass die Verkaufszahlen dieser E-Räder in die Höhe gehen. Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) steigen die Verkaufszahlen jährlich um mehr als zehn Prozent.“

Nur wer den kompletten Text liest, erfährt also, dass es überhaupt nicht darum geht, dass E-Bikes oder Pedelecs in irgendeiner Form gefährlicher als normale Fahrräder sind. Tatsächlich gab es 2012 schlichtweg deshalb weniger Unfälle mit elektrischen Fahrrädern, weil kaum jemand mit einem – damals noch sehr teuren – Pedelec unterwegs war.

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach davor gewarnt, die Unfallzahlen von E-Bikes in den Medien fehlzuinterpretieren. Zu oft werde anhand ungestützter Thesen behauptet, dass Pedelecs ein höheres Unfallrisiko als normale Fahrräder hätten. Das sei schlichtweg falsch. Untermauert wird die Aussage des ZIV durch eine Studie aus dem Jahr 2014. Die Technische Universität Chemnitz hatte gemeinsam mit der Unfallforschung der Versicherer (UDV) die Mobilität, die Geschwindigkeit und die Verkehrssicherheit von Elektroradfahrern im Vergleich zu Fahrradfahrern untersucht – mit einem eindeutigen Ergebnis:

„Der Vergleich von Fahrrädern und Elektrofahrrädern zeigte, dass Elektrofahrräder per se keinem erhöhten oder anders gelagertem Sicherheitsrisiko als Fahrräder unterliegen.“

Allerdings muss bei den Unfallzahlen berücksichtigt werden, dass E-Bikes in der Regel häufiger und für größere Distanzen genutzt werden. Durch die höhere Kilometerleistung steigt das Unfallrisiko proportional. Zudem sind Pedelecs insbesondere bei älteren Menschen beliebt, bei denen nicht nur das Sturzrisiko höher ist, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, sich bei einem Unfall schwerer zu verletzen.

E-Bike, Pedelec

Insbesondere ältere Menschen haben ein höheres Risiko für Unfälle oder schwere Verletzungen – egal, ob auf einem normalen oder elektrisch angetriebenen Fahrrad.

So sind Sie sicher mit dem E-Bike oder Pedelecs unterwegs

Pedelecs eröffnen Pendlern die Möglichkeit, das Auto einfach stehen zu lassen und dennoch nicht verschwitzt am Arbeitsplatz anzukommen. Zudem bieten die elektrisch angetriebenen Fahrräder weniger sportlichen und älteren Menschen die Chance, schnell und einfach in die Welt des Radfahrens einzusteigen – und sich langfristig fit zu halten.

Wir haben für Sie die wichtigsten Tipps zum Umstieg aufs E-Bike zusammengestellt:

  • wenn Sie schon viele Jahre nicht mehr mit dem Fahrrad unterwegs waren, empfiehlt sich unabhängig vom Alter ein Fahrsicherheitstraining. Entsprechende Angebote gibt es inzwischen viele – und das sogar kostenlos.
  • lassen Sie sich beim Kauf Ihres E-Bikes in einem Fachgeschäft beraten. Dort helfen Ihnen Experten, das Modell zu finden, das zu Ihren Bedürfnissen passt und ergonomisch auf Ihre Körpergröße abgestimmt ist.
  • machen Sie sich mit Ihrem Pedelec vertraut, bevor Sie auf dichtbefahrenen Straßen oder anspruchsvollen Offroad-Strecken radeln.
  • wie bei einem Auto, ist auch bei einem E-Bike eine regelmäßige Wartung unerlässlich. Kontrolliert werden sollten unter anderem Bremsen, Reifendruck, Schaltung und Licht. Entsprechende Unterstützung erhalten Sie bei Ihrem Händler.

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