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2019 Mercedes-Benz V-Klasse Fahrbericht Test Review

Sie ist nicht erst seit gestern der Gegenspieler zum Volkswagen Bulli – die Rede ist von der Mercedes-Benz V-Klasse. Platz in Hülle und Fülle, eine autoritäre Optik, das Image, das nur ein Stern verbreiten kann und dazu die typische Praktikabilität eines Vans. Nun bekommt die Mercedes-Benz V-Klasse ein Facelift, das sich auf den Bildern stark versteckt. Und noch etwas bekommt sie: einen neuen, starken Dieselmotor. Der Mercedes-Benz V 300 d stellt sich dem Drive Check.

Mercedes-Benz V-Klasse Design Check

Man glaubt immer, dass es im Bereich der großen Vans keine Alternative zum Bulli, also zum aktuellen Volkswagen T6 gibt. Wenn ein Fahrzeug hier nahekommt, dann die Mercedes-Benz V-Klasse. Natürlich gibt es Kontrahenten von Opel, Renault, Hyundai etc. Doch wirklich auf Augenhöhe mit dem Premium-Wolfsburger ist nur der Stuttgarter.

Mit dem Facelift, das sich beim gefahrenen Modell gut versteckt, wirkt der Stuttgarter noch eine Spur nobler und feiner als zuvor. Die Scheinwerfer etwas spitzer, der untere Lufteinlass größer, aber insgesamt ein typischer Mercedes-Benz. Das erkennt selbst ein Kleinkind am schier riesigen Kühlergrill mit Doppelspange und Stern.

Interessanter als die optischen Änderungen, wie etwa minimal geänderte Rückleuchten, sind die Größen der V-Klasse – deren drei an der Zahl. Erhältlich ist der Stuttgarter als kompakte Version mit knapp 4,90 m Außenlänge und einem Radstand von 3,20 m, als lange Version mit gleichem Radstand aber insgesamt 5,14 m Länge und als extralange Version. Hier sprechen wir von 3,43 m Radstand und gewaltigen 5,37 m Gesamtlänge.

Nicht nur hierbei erwartet den Interessenten die Qual der Wahl, sondern auch bei der Ausstattungslinie. Neben der Basis „V-Klasse“, sind noch die Umfänge „RISE“, „Edition“, „Avantgarde“, „Avantgarde Edition“, „Exclusive“ und „Exclusive Edition“ erhältlich. Jede für sich unterscheidet sich optisch ein wenig: RISE und V-Klasse sprechen eher den Nutzwert an, Avantgarde und höher gehen in die elegante Richtung.

Mercedes-Benz V-Klasse Exterieur Fotos:

Mercedes-Benz V-Klasse Innenraum Check

Die Möglichkeiten an optischen Varianten sind bereits vielzählig. Die Innenraum-Konstellationen übertreffen dies aber noch bei Weitem. Entsprechend können die Varianten hier nur angerissen werden, schließlich braucht jeder etwas anderes, misst Ausstattungen einen anderen Nutzen und Wert bei.

Modern und aufgeräumt, aber nicht State of the Art!

Modern und aufgeräumt, aber nicht State of the Art!

Standardmäßig fährt die Mercedes-Benz V-Klasse mit einer Dreiersitzbank vorn und vier Einzelsitzen hinten vor. Das ist bereits recht praktisch und dank eines Schienensystems höchst variabel. Wer sich seine Mercedes-Benz V-Klasse wie die First Class in einem A380 einrichten möchte, kann auch das: elektrisch einstellbare Einzelsitze in Reihe zwei, die eine Liegeposition ermöglich und beheizt sowie mit einer Massagefunktion erhältlich sind, sprechen die Sprache des Luxus. Dass diese Ausstattung eher selten im privaten Gebrauch vorzufinden sein wird, versteht sich fast von selbst.

Äußerst praktikabel ist bereits die 4-Sitz-Standard-Variante. Hier sitzt man sich im Fond gegenüber und hat (optional) eine mittige Multifunktionsbox mit Cupholdern und Tischen. Darüber werden sich nicht nur Kinder freuen. Apropos: Auf allen Sitzen im Fond sind Isofix-Halterungen installiert. Alles im grünen Bereich also. Wer es besonders praktisch haben möchte, muss die Schiebetür auf der linken Fahrzeugseite hinzubestellen.

Vorn spürt man von einem Van recht wenig. Die Sitzposition ist – natürlich – recht hoch und die Haltung auf dem komfortablen Gestühl aufrecht. Betrachtet man das Cockpit, erkennt man klar die Mercedes-Linie. Instrumente der C-Klasse, Schalter, Hebel und Luftausströmer, die aus anderen Modellen bekannt sind sowie der gewohnte Infotainment-Aufbau mit der bekannten Bedienlogik. Nur das neue MBUX sowie digitale Instrumente bietet der Stuttgarter noch nicht.

Mercedes-Benz V-Klasse Innenraum Fotos:

Mercedes-Benz V-Klasse Motoren Check

Kommen wir zum neuen Herzstück des Mercedes-Benz V-Klasse – dem V 300 d Dieselmotor. Mit seinen 176 kW/239 PS und der Modellbezeichnung verspricht er förmlich ein bäriger Sechszylinder-Diesel zu sein. Aber Fehlanzeige: Unter der kurzen Haube werkelt ein 2.0 Liter Vierzylinder-Selbstzünder vernehmlich vor sich hin. Das ist natürlich förderlich für niedrige Verbräuche von rund sechs Litern auf 100 km, wenn man sich auf die Werksangabe verlässt. Unter realen Bedingungen sollte man – wie immer – mit 1,5 bis 2 Litern mehr rechnen.

Der Motor vom V300d lässt keine Wünsche offen!

Der Motor vom V300d lässt keine Wünsche offen!

Wirklich imposant lesen sich die Fahrleistungen. Ohne Allradantrieb rennt die Mercedes-Benz V-Klasse mit dem 300 d Antrieb 220 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der 4Matic genannte 4×4-Betrieb schluckt sechs km/h – „heilg´s Blechle!“. Auf 100 geht es zwischen 7,8 und 8,6 Sekunden – je nach Fahrzeuglänge, Allrad und Ausstattung. Das sind Werte – und ich hasse es, wenn ich diesen Vergleich ziehe – die in den 80er Jahren Sportwagen gut zu Gesicht standen. Im Gegensatz zu diesen entspricht der V 300 d natürlich der Euro 6d-TEMP Abgasnorm.

Schnell-Laster!

Schnell-Laster!

Mercedes-Benz V-Klasse Preis Check

Wer eine Mercedes-Benz V-Klasse mit dem 300 d Selbstzünder sein Eigen nennen möchte, muss mindestens 45.810 Euro für die kompakte Bauform überweisen. Für die Langversion mit selbem Radstand werden knapp 800 Euro mehr fällig – eine durchaus sinnvolle Investition. Für den langen Radstand werden mit dem 300 d 47.340 Euro berechnet. Hierbei ist natürlich immer die Basisvariante gemeint, also die Einstiegsversion. Dafür bekommt man eine recht karge Mercedes-Benz V-Klasse mit der 9G-Tronic-Automatik, 16-Zoll-Stahlmetallfelgen, Uni-Lack, einer Dreier-Sitzbank in der ersten und vier Einzelsitzen in der zweiten Reihe, Stoffpolstern, immerhin einem Multifunktionslenkrad sowie der halbautomatischen Klimaanlage „Tempomatic“. Alles, was wirklich Spaß macht, geht hingegen extra. Nicht weiter verwunderlich, es prangt schließlich ein Stern vorn am Kühlergrill.

Mercedes-Benz V-Klasse Fahrbericht

Mercedes-Benz V-Klasse Fahrbericht

Mercedes-Benz V-Klasse Zielgruppencheck und Fazit

Eigentlich gibt es niemanden, für den sich eine Mercedes-Benz V-Klasse verbietet. Sei es der Kleinunternehmer, der oft Sperriges transportieren muss, das aktive Paar mit einer Vorliebe für ausladende Flohmarkt-Funde oder die Familie mit vier Kindern – der Stuttgarter macht alles mit. Loben möchte ich die geringe Geräuschentwicklung im Innenraum und das Fahrverhalten. Selbst kurvige Landstraßen meistert die V-Klasse problemlos. Das Aggregat ist stets leistungsbereit und es lässt sich, mit sanftem Gasfuß, auch sparsam betreiben. Mit einem Kofferraumvolumen von 610 bis 1.410 Litern in der Basis (!), sollte man zudem nur äußerst selten an die Grenzen der Mercedes-Benz V-Klasse stoßen. Bei leergeräumtem Laderaum entsteht letztlich ein Tanzsaal, der in Litern kaum wiederzugeben ist. Und mit dem neuen 300 d macht der V-Klasse auch bei den Fahrleistungen niemand mehr etwas vor. Selbst der erfolgreiche Mitstreiter, der Volkswagen T6 nicht.

Groß, aber nicht zu groß! Die V-Klasse passt in zwei Meter hohe Garagen!

Groß, aber nicht zu groß! Die V-Klasse passt in zwei Meter hohe Garagen!

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