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Kastration – keine Lösung für alle Probleme

Wenn der Alpha-Rüde andere Rüden verprügelt, vorbeilaufende Hündinnen anbaggert und ständig markiert, wird der Spaziergang zur Qual. Herrchen und Frauchen reagieren dann irgendwann genervt auf das Verhalten ihres potenten Vierbeiners. Eine Kastration kann dabei helfen, dessen hormonellen Höhenflug in den Griff zu bekommen. Doch der Eingriff will gut überlegt sein. Denn einmal per OP kastriert, ist die Entscheidung nicht mehr umkehrbar.

Kastration: Eingriff mit lebenslangen Folgen für den vierbeinigen Patienten

Bei einer Kastration wird die körpereigene Produktion der Sexualhormone (männl. Testosteron, weibl. Östrogen) künstlich heruntergefahren. Bei Rüden durchtrennt der Tierarzt dafür während einer Operation den Samenstrang und entfernt die Hoden – diese werden auch als „Keimdrüsen“ bezeichnet – aus dem Hodensack. Der Hodensack wird danach wieder vernäht. Nun können die Keimdrüsen keine Sexualhormone mehr produzieren und der Testosteronspiegel im Blut sinkt dauerhaft.

⇒ Eine Kastration sollte erst nach Abschluss der Pubertät erfolgen, da die Sexualhormone eine entscheidende Rolle für das Körperwachstum spielen.

Der Eingriff wird unter Vollnarkose vorgenommen. Etwa zwei Stunden lang befindet sich der vierbeinige Patient in einem tiefschlafähnlichen Zustand. Wenn er daraus erwacht, ist er noch für mehrere Stunden benommen. Zudem bereitet ihm die Operationsnaht einige Tage Schmerzen. Bis die Naht verheilt ist, muss der Vierbeiner daher im Ruhe-Modus verharren und darf nur zu kurzen Spaziergängen die Operationsnarbe belasten.

⇒ Im Gegensatz zur Kastration durchtrennt der Tierarzt bei der Sterilisation (Vasektomie) nur die Samenstränge. Der Eingriff beeinflusst jedoch nicht den Sexualtrieb. Er verhindert lediglich, dass sich der Hund fortpflanzen kann.

Nicht immer sind die Sexualhormone schuld an einem aggressivem Verhalten gegenüber anderer Hunde.

Mögliche Folgen einer Kastration

Das Lahmlegen des Sexualtriebes ändert bei Weitem nicht alle unliebsame Verhaltensweisen. Es beeinflusst lediglich das Verhalten, das Sexualhormone auslösen. Insbesondere das aggressive Verteidigen des eigenen Reviers oder ein ausgeprägtes Jagdverhalten kann eine Kastration nicht beheben. Ängste können durch eine Kastration sogar verstärkt werden. Bei solchen Problemen hilft in erster Linie ein intensives Training unter der Anleitung eines erfahrenen Hundetrainers.

Einige Studien belegen zudem, dass eine Kastration eine ganze Reihe Nebenwirkungen haben kann. Dazu zählen:

  • erhöhtes Risiko an speziellen Krebsarten wie Lymphdrüsenkrebs, Knochenkrebs oder Prostatatumoren zu erkranken
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Neigung zur Fettleibigkeit
  • abnehmende Aktivität
  • Veränderungen des Fells

Leidet der Hund unter seiner Libido – jault aufgrund von Liebeskummer die Nächte durch, frisst nicht, büchst aus oder steht ständig unter anders gearteten sexuellen Stress – kann die Kastration sowohl für die Besitzer als auch für den Hund selbst eine Erlösung sein. Zudem verhindert die Entnahme der Keimdrüsen die Entstehung von Hodentumoren. Dennoch sollten Sie zum Wohle Ihres Hundes diese Entscheidung sorgfältig abwägen und unbedingt den Rat Ihres Tierarztes dazu einholen. Dieser wird Ihnen vielleicht eine sanftere Methode der Hormonumstellung ans Herz legen: den Hormonchip.

In vielen Fällen kann ein gezieltes Training eine Verhaltensveränderung bewirken.

 

Chemische Kastration: Hormonchip als Testlauf

Um herauszufinden, ob eine Kastration für Ihren Rüden in Betracht kommt, können Sie ihm als Test einen ca 2×12 Millimeter großen Hormonchip implantieren lassen. Der Chip wird in den Nacken des Hundes direkt unter die Haut gepflanzt und gibt über mehrere Monate hinweg stetig geringe Dosen des Wirkstoffs „Deslorelin“ ab. Der Wirkstoff sorgt nach einer mehrwöchigen Anlaufphase dafür, dass der Testosteronspiegel im Blut abnimmt. Die Wirkung hält zwischen sechs und zwölf Monate an.

⇒ Kastrierte und gechippte Rüden verströmen einen anderen Körpergeruch als zeugungsfähige. Das wirkt sich auch auf den Kontakt mit Artgenossen aus. Häufig verunsichert eine Kastration den Rüden selbst und auch andere Hunde können ihn aufgrund des veränderten Körpergeruchs nicht mehr „einordnen“.

Das narkoselose Setzen eines Hormonchips ist im Vergleich zu operativen Kastration sehr viel sanfter. Der Tierarzt muss den Chip nicht einmal nach Ablauf der Testphase entfernen. Dieser löst sich vollständig im Körper des Hundes auf und der Hormonhaushalt normalisiert sich wieder. Über die chemische Kastration können Sie feststellen, ob die erhoffte Verhaltensveränderung bei Ihrem Rüden eintritt – oder ob Sie die Ursachen für dessen rüpelhaftes Benehmen vielleicht doch ganz woanders suchen müssen.

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Bildquelle: Pixabay

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