Smartphone während der Fahrt

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Das Smartphone im Straßenverkehr: die unterschätzte Unfallgefahr

Während noch vor zwölf Jahren das Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt als gefährlich angesehen wurde, ergeben sich im Smartphone-Zeitalter völlig neue Risiken. Das Smartphone ist inzwischen für viele Menschen zum persönlichen Assistenten geworden: E-Mails lesen, WhatsApp-Nachrichten schreiben, Status-Updates bei Facebook posten, Termine planen, ja sogar das intelligente Eigenheim von unterwegs aus steuern – alles ist möglich. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Smartphone-Nutzung schon heute bei mehr als vier Stunden pro Tag. Und diese „Always on“-Mentalität behalten viele natürlich auch im Auto bei.

Dabei unterschätzen viele, wie gefährlich es tatsächlich ist, während der Fahrt aufs Smartphone zu schauen. Experten setzen das Risiko des Lesens oder Tippens einer Nachricht im Straßenverkehr mit einer Alkoholfahrt mit 0,8 bis 1,0 Promille gleich. Dazu muss man wissen, dass ein Autofahrer bei 50 km/h rund 42 Meter im „Blindflug“ zurücklegt, wenn er nur drei Sekunden aufs Display schaut. Auf der Autobahn bei 130 km/h sind es sogar 108 Meter.

Im Klartext heißt das: Wer sich auf der Autobahn von einer WhatApp-Nachricht vereinnahmen lässt und vielleicht sogar noch eine Antwort tippt, legt auch mal einen Kilometer zurück, ohne sich auf das Verkehrsgeschehen zu konzentrieren. Eine Langzeitstudie aus den USA kommt zu dem Ergebnis, dass das Unfallrisiko dreimal so hoch ist, wenn während des Fahrens Kurznachrichten geschrieben, telefoniert oder der Facebook-Status aktualisiert wird.

Smartphone-Nutzung während der Fahrt: Hohe Bußgelder und Fahrverbote

Da es im Regelfall nicht ausreicht, an die Vernunft der Autofahrer zu appellieren, gilt seit 2017 in Deutschland ein Handyverbot am Steuer. Untersagt ist nicht nur das Telefonieren mit Handy am Ohr (also ohne Freisprecheinrichtung), sondern auch die Nutzung sämtlicher Funktionen eines Smartphones. Selbst der Blick aufs Display ist tabu, wenn das Gerät in der Hand gehalten wird.

Anders sieht die Sache aus, wenn Smartphones in den dafür vorgesehenen Halterungen montiert sind. Dann darf der Fahrer kurz einen Blick auf das Display werfen, allerdings nur, wenn „die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnisse es erlauben“.

Smartphone während der Fahrt

In die Hand nehmen und benutzen darf man das Smartphone nur, wenn das Fahrzeug steht und der Motor vollständig ausgeschaltet ist. Ansonsten drohen Bußgelder und Fahrverbote:

beim Führen eines Fahrzeugs 100 € 1 Punkt
mit Gefährdung 150 € 2 Punkte 1 Monat Fahrverbot
mit Sachbeschädigung 200 € 2 Punkte 1 Monat Fahrverbot
beim Radfahren 55 €

Dabei kommen Autofahrer hierzulande noch recht glimpflich davon, wie die Bußgeld-Übersicht des ADAC für die anderen Länder Europas zeigt:

Smartphone am Steuer im Ausland

Nicht nur Smartphones sind während der Fahrt tabu

In den meisten Artikeln zum Thema ist zwar vorrangig vom Handy respektive Smartphone die Rede, allerdings umfasst das Gesetz so gut wie alle elektronischen Geräte, die für Ablenkung sorgen. Darunter fallen unter anderem E-Book-Reader, MP3-Player, Notebooks, Navigationsgeräte, Videobrillen und sogar smarte Armbanduhren. Was viele ebenfalls nicht wissen: Das Verbot gilt auch für Fahrradfahrer.

Die oben genannten Bußgelder und drohenden Fahrverbote sind derweil nicht die einzigen Konsequenzen, mit denen man rechnen muss. Wer einen Unfall verursacht, weil er durch den Blick aufs Smartphone abgelenkt war, muss damit rechnen, dass die Kaskoversicherung die Leistung ganz oder teilweise kürzt. Entscheidend ist dabei, dass ein „grob fahrlässiges“ Handeln vorliegt. Es gibt allerdings Versicherungen, bei denen auf den „Einwand der groben Fahrlässigkeit“ verzichtet wird.

Mehr Sicherheit durch Apple CarPlay und Android Auto

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet somit während der Autofahrt komplett auf die Interaktion mit dem Smartphone. Wer hingegen auch unterwegs unbedingt auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte sich zumindest für ein Auto mit Apple CarPlay oder Android Auto entscheiden.

Diese Systeme verbinden das Smartphone direkt mit dem Infotainment des Fahrzeugs. Per Sprachassistent (Siri bei iOS, Google Assistant bei Android) kann man dann mit dem Smartphone interagieren. Auf diese Weise lassen sich Erinnerungen erstellen, Nachrichten diktieren, oder Wegbeschreibungen abrufen – und das alles per Sprachsteuerung, ohne dass man den Blick von der Fahrbahn nehmen muss. Eingehende Nachrichten werden dem Fahrer vorgelesen.

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