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Die Top Vans im Gebrauchtwagen-Check!

„Eine tolle Kiste“ – so warb Renault einst für den R4. Er war so etwas wie der Begründer der Kastenwagen, die wir heute neudeutsch „Vans“ nennen. Und davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge auf dem Markt. Sie sind der beste Freund der Familie, praktisch, optisch mittlerweile gar nicht mehr so dröge und machen alles mit. Ob sie auch aus zweiter Hand zum besten Freund werden, schauen wir uns im Gebrauchtwagen-Check einmal genauer an.

Gehört der Citroen Berlingo zu den Top Vans?

1996 ging es los mit dem Citroen Berlingo. Der französische Van kommt dem Vorbild – dem Renault R4 – einer tollen Kiste sehr nah. Hohes Dach, kompakte Abmessungen, einfache Technik – die besten Zutaten für einen erfolgreichen Van. Und so hält sich der Citroen Berlingo bis heute am Markt und macht aktuell in der dritten Generation unsere Straßen unsicher.

Unsicher ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, denn an Sicherheit mangelt es dem Franzosen nicht. Immerhin vier von fünf Sternen konnte sicher der Citroen Berlingo der zweiten Generation im Euro NCAP Crashtest angeln – ein passabler Wert. Und genau diese Generation wollen wir uns einmal genauer ansehen.

Familienfreund: Der Citroen Berlingo - zu Recht in unserer Top Vans Liste?

Citroen Berlingo im Drive Check

Den überaus geräumigen Fond entert man über eine oder zwei Schiebetüren, was besonders in engen Parklücken praktisch ist. Die Kinder auf den (optionalen) hinteren Einzelsitzen angurten oder den bis zu 3.000 Liter großen Kofferraum beladen: Dank des hohen Dachs ein Kinderspiel. Wirklich klasse ist das Moduldach, das die Ausstattungslinie „Multispace“ mitbrachte. Fenster im Dach ermöglichen den Kleinen auf der Rückbank einen schönen Ausblick, während zahlreiche Fächer allerlei Krimskrams beherbergen. Das Cockpit gestaltet sich schlicht und einfach, lässt sich aber gut bedienen – und zur Not leicht abwischen.

So praktisch der Franzose sein mag, so ärgerlich können die Probleme mit ihm sein. So kann der 1.6 HDI Motor mit 81 kW/112 PS zum echten Problemkind werden. Grund: Die Turbolader macht vorzeitig schlapp. Auch thermische Probleme und undichte Injektoren machen dem Citroen Berlingo zu schaffen. Die Benziner mühen sich hingegen ab, sodass die Kopfdichtungen verrauschen. Damit noch nicht genug, zählen auch die Fahrwerke nicht zu den stabilsten. Ausgeleierte Buchsen, gebrochene Federn, ausgeschlagene Spurstangen – typische Schwachstellen. Auch von Elektronik-Zipperlein ist der Berlingo nicht frei. Bestes Beispiel ist eine durchgehend arbeitende Hupe.

Schuld daran ist Citroen aber nicht allein. Natürlich könnten manche Bauteile langlebiger ausgelegt sein. Aber da der Berlingo oftmals als Familien-Nutztier herhalten muss und das Geld hier selten locker sitzt, sind Wartungen und saubere Scheckhefte meist Mangelware. Bei entsprechender Pflege würde die Mängelliste vielleicht kürzer ausfallen.

Wo steht der Volkswagen Caddy bei den Top Vans?

Von ähnlichem Schlage, wie der Citroen Berlingo, ist der Volkswagen Caddy. Ein Kastenwegen, der in unserem täglichen Straßenbild nicht weiter auffällt – ein Langweiler, irgendwie. Aber will man nicht genau das, wenn man nach einem Alltaghelden sucht? Einen, der nicht negativ auffällt, sondern alles mitmacht? Wenn man ehrlich ist, beantwortet man diese Frage mit ja. Und wenn der anschließende Blick in die Gebrauchtwagenbörse wandert, zeugen die hochgezogenen Augenbrauen vom großen Angebot an Caddys. Sei es als runter-gerockte Post-Kutsche oder als mit Blumen-Stickern verzierter 68er-Kübel, um Bodo den Dackel zum Agility-Parcous zu chauffieren.

Der VW Caddy muss in die Top Vans Liste!

Volkswagen Caddy im Drive Check

So groß das Angebot an Modellen, so vielfältig ist auch das Angebot an Motorisierungen. Bei der Post wurde oftmals der 2.0 SDI – also ein Saugdiesel – genutzt. Leblose 70 PS laden zu gemütlicher Fahrweise ein. Diese Wanderdüne ist zudem eine echte Dreckschleuder, gilt aber als äußerst robust und widerstandsfähig. Innenstädte mit Umweltplakette sind mit diesem Aggregat also Tabu. Ansonsten sei zu scheckheftgepflegten 1.6 und 2.0 Dieseln geraten. Die Benziner fristen auf dem Gebrauchtwagenmarkt eh ein Schattendasein. Das Motorenkapitel deckt sich größtenteils mit dem Volkswagen Touran, der direkt folgt.

Und wie sieht es mit den problematischen Stellen des Volkswagen Caddy aus? Man sollte tunlichst darauf achten, dass der Zahnriemen gewechselt wurde. Reißt dieser, ist der günstige Einstiegspreis vollkommen egal, da ein kapitaler Motorschaden zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen kann. Wie immer sollte man einen Blick auf die Kupplung, Bremsen und Fahrwerksteile werfen. Wie so oft: Der Volkswagen Caddy gilt als Nutztier und erfährt oftmals wenig Liebe in Form von Wartungen, Service etc. Seine bis zu 2.850 Liter Kofferraumvolumen laden schließlich dazu ein, seinen Kram einfach hinein zu werfen und loszufahren.

Darf bei den Top Vans nicht fehlen: Volkswagen Touran

Wenn es etwas gemütlicher und komfortabler zugehen soll, könnte der Volkswagen Touran die erste Wahl sein – wenn auch eine teure. Im Gegensatz zum Caddy, den man bereits für rund 4.000 Euro bekommen kann, kosten gute Touran etwa das Dreifache. Dafür bietet der Wolfsburger fünf Sterne beim Euro NCAP Crashtest und bis zu sieben Sitzplätze – also ein echter Familienfreund. Hinzu gesellt sich ein reichhaltiges Angebot an Ausstattungen und Motoren. Anfänglich kam der Volkswagen Touran mit 102, 115 oder 150 PS bei den Benzinern.

Dazu gesellte sich im Laufe der Produktionszeit eine Erdgasvariante mit 109 PS. Die Sauger-Benziner wurden schließlich gegen 1.4 TSI Benziner mit 140 und 170 PS sowie durch einen 1.2 TSI mit 105 ersetzt. Die Diesel starteten mit 1.9 und 2.0 Litern Hubraum, mit 100 und 136 PS. Sogar eine 90 PS-Variante gab es vom 1.9 TDI. Später folgten der 2.0 TDI mit 140 PS sowie 170 PS sowie der 1.6 TDI mit 90 und 105 PS. Die beste Wahl: Der 1.4 TSI oder der 2.0 TDI mit jeweils 140 PS, die beide kraftvoll und gut sind. Bei den Turbo-Benzinern muss allerdings darauf geachtet werden, dass sie sauber gewartet wurden, da sie ein Steuerkettenproblem hatten. Reißt die Kette, oder springt durch eine Längung über, folgen kapitale Motorschäden.

Volkswagen Touran im Drive Check

Die Innenraumqualität ist hingegen gut und langlebig, die Materialien sind dabei aber größtenteils nicht von allererster Güte – viel Hartplastik findet sich selbst im Sichtbereich. Klappergeräusche sind hingegen Fehlanzeige. Platzmangel sowieso: Das Raumangebot ist wirklich überzeugend. In Sitzreihe zwei finden sich drei klapp- und herausnehmbare Einzelsitze, optional gab es zwei weitere im Kofferraum. Dieser bietet übrigens zwischen knapp 700 bis nahezu 2.000 Liter Volumen – das reicht für den Familienurlaub.

Was gibt es außer den TSI-Motor-Problemen noch zu berichten? Klar, wie immer, sollte man auf Scheckheft-gepflegte Exemplare achten. Der Markt ist groß und sollte ein entsprechend gutes Exemplar bieten. Neben den genannten Problemen bereiten die Querlenker-Lager, rissige Staubmanschetten und bei den Dieseln eine störrische Motorelektronik bezüglich der Abgasreinigung Ärger.

Insgesamt zeigt der Volkswagen Touran ein stabiles Preisniveau trotz der vielen Modelle auf dem Markt. Tipp: Vom Händler kaufen und eine Garantie raushandeln. Weiterer Vorteil des Touran: Die niedrigen Versicherungseinstufungen.

Denken wir an Top Vans, dann denken wir an den VW Bus

Darf es gleich zwei Nummern größer sein? Dann kommt nur der Volkswagen T5 in Frage – oder einfach Bulli, wie ihn viele nennen. Schnell seine sieben Sachen hinten reinwerfen und ab auf die Bahn. Dabei ist es egal, ob die sieben Sachen aus Surfbrettern, Mountainbikes oder Kind und Kegel bestehen: Es ist für alle und alles Platz.

Die Highlights des 2003 eingeführten Volkswagen T5 sind sicherlich der zum Vorgänger deutlich verbesserte Fahrkomfort sowie seine gesteigerte Fahrdynamik. So bietet der „Bulli“ ein PKW-ähnliches Fahrgefühl und einen enorm variablen Innenraum mit den Vario-Schienen, die es ermöglichen, die Sitze nahezu nach jedem Wunsch zu montieren. Die Dreier-Rückbank ist aber sehr schwer – hier braucht man zwei Personen zum Ein-/Ausbau. Hinzu kommt ein einfach zu bedienendes Cockpit, das in seiner Materialgüte allerdings etwas einfach ausfällt.

VW Bus im Drive Check

Leider ist der Volkswagen T5 nicht frei von neuralgischen Stellen – ganz im Gegenteil. Federbrüche, defekte Stoßdämpfer, Koppelstangen etc. – all das steht auf der Liste. Die Fahrwerke werden beansprucht und fallen mit Mängeln auf. Gleiches gilt für die Antriebswellen, die Automatikgetriebe, undichte Schiebefenster, verschlissene Heckklappen-Dämpfer und beschlagene Scheinwerfer. Auch vom Rost wird der Volkswagen T5 nicht verschont: Kantenrost rund um die Griffe sowie an der Kennzeichenmulde sind keine Seltenheit.

Leider gelten auch die 2.5 Liter Diesel nicht als Dauerläufer. Sie sind zwar raue, dafür aber kräftige Gesellen und häufig mit 180 km/h auf der linken Spur anzutreffen. Dennoch machen die Beschichtung in den Zylindern öfter Schlapp, sodass Lagerschäden die Folge sein können. Genauso stehen Turboschäden, die ebenfalls durch die bröselnde Beschichtung hervorgerufen werden, auf der Tagesordnung. Nicht für die Ewigkeit wurden drüber hinaus die Wasserpumpen konzipiert.

Insgesamt zeigt der Volkswagen T5, trotz seiner hohen Mängelquote, ein sehr hohes Preisniveau. Selbst mit hohen fünfstelligen Laufleistungen liegen die Preise bei über 20.000 Euro. Gepflegte Modelle ab 2010 starten bei rund 5.000 mehr. Zudem ist die Versicherung sehr teuer, da der T5 bei Dieben sehr beliebt ist. Man muss sich einen „Bulli“ also leisten wollen.

Top Vans Trio: Mercedes-Benz V-Klasse/Vito/Viano

Eigentlich sollte der Mercedes-Benz Vito bzw. die V-Klasse eher R-Klasse heißen: R für Rost. Schaut man sich Fahrzeuge der ersten Generation an, findet man mehr braune Pest, als Karosserie. Die zweite Generation ist ein wenig besser, zeigt aber ebenfalls häufig Gammel. Insgesamt ist der Mercedes-Benz Viano aber günstiger als der Volkswagen Bulli.

Die erste Generation lassen wir in unserer Gebrauchtwegen-Betrachtung gleich außen vor – sie ist vor Rost förmlich zerfressen und keine Empfehlung. Ab 2003 startete die zweite Generation und erhielt 2010 ein umfassendes Facelift. Gerade die Modellpflege ist besonders empfehlenswert, da hier Kinderkrankheiten, wie eben das leidige Rost-Thema, endlich ausgemerzt wurden. Erhältlich ist der Schwabe in drei Karosserievarianten, also als kurzer, mittlerer und langer Radstand.

Mercedes Benz V-Klasse im Drive Check

Die PKW-Variante, also der Mercedes-Benz Viano, bietet, im Vergleich zum Vorgänger, längs eingebaute Motoren für eine bessere Fahrdynamik. Zudem sind elektronische Sicherheitssysteme, wie ABS, ASR und ESP serienmäßig an Bord. Hinzu kommt die sehr gute Raumausnutzung, wie beim Volkswagen Bulli. Fünf bis sieben Sitze, oder nur die erste Reihe – je nach Fahrzeug-Wahl ist alles möglich. Hinzu kommt der riesige Laderaum. Allerdings ist der Stuttgarter recht laut – das sollte man wissen.

Was den Mercedes-Benz Viano auszeichnet, ist seine schier riesige Anzahl an Antrieben – besonders, was die Diesel anbelangt. Das Leistungsspektrum reicht von 82 bis 224 PS. Hinzu kommen V6-Benziner mit bis zu 258 PS. Viele Varianten wurden mit der zwar müden, aber sehr robusten Fünfgang-Automatik gewählt. Davor muss man also nicht zurückschrecken.

14.000 bis 15.000 Euro muss man für einen 2.2 Diesel mit 110 kW/150 PS und 150.000 km kalkulieren. Neuere Varianten mit dem V6 Top-Benziner kommen auf etwa das Doppelte. Generell ist auch der Mercedes-Benz Viano, wie der Volkswagen T5, nicht ganz günstig im Unterhalt. Probleme sind dafür selten und beschränken sich vor allem auf eines, den Rost.

A unknown Top Van? Ford Transit!

Kommen wir von zwei teuren zu einem günstigen Vertreter der Gattung „große Vans“, dem Ford Transit. Wir schauen uns die sechste Generation an, die aktuell sehr erschwinglich ist. Gemeinhin gilt der Ford Transit als das Baustellenauto schlechthin und ist häufig als Pritsche oder als Planenwagen zu finden. Oftmals ist er bei Baumärkten auf dem Parkplatz zu finden und wird von Kunden als Transporter für ihre Großeinkäufe hart rangenommen.
Diesen Baustellen-Charme zeigt der Kölner auch im Innenraum. Das Cockpit gibt sich schlicht und bietet vor allem eines: Hartplastik, wohin das Auge reicht. Immerhin lässt sich der Kunststoff gut abwischen und ist robust. Neben der genannten Pritsche, gibt es den Ford Transit natürlich auch als Kastenwagen mit viele Innenraumversionen und unterschiedlichen Sitzkonstellationen. Bis zu neun Sitzplätze sind möglich. Je nach Sitzkonstellation und Radstand stehen bis zu 15 m³ Laderaum bereit – das sollte selbst gehobenen Ansprüchen genügen.

Natürlich hat auch der Ford Transit seine Probleme. Vor allem verkokte Injektoren sorgen für Motorschäden. Hier sollte man dringend das Spritzbild der Injektoren prüfen lassen. Und auf Biodiesel sollte man ebenfalls verzichten, wenn man dieses Problem umgehen möchte. Häufig sind ebenfalls defekte Turbos zu vermelden. Mit etwas Glück ist aber nur der Stellmotor für die Schaufelräder defekt und kann separat getauscht werden. Ein echter Klassiker ist hingegen Ölverlust. Ventildeckel, Ölwanne, Zylinderkopf – überall schwitzt und tropft der Transit. Also Finger weg von Fahrzeugen mit frischer Motorwäsche und immer zu Exemplaren mit sauberem Scheckheft greifen. Denn sonst kann das Schnäppchen für rund 8.000 Euro schnell zum Euro-Grab werden.