Autofahrer und Radfahrer

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Autofahrer und Radfahrer im Straßenverkehr: Die wichtigsten Regeln

Betrachtet man die Unfallstatistiken der vergangenen 20 Jahre, zeichnet sich insgesamt ein positiver Trend ab. Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland hat stetig abgenommen – von 8549 im Jahr 1997 auf 3180 im Jahr 2017. Doch dann kam das Jahr 2018, in dem wieder knapp 100 Menschen mehr im Straßenverkehr starben als im Vorjahr. Der Grund dafür war ein Anstieg der Radunfälle. Zwar wurden weniger Autofahrer und Fußgänger getötet, dafür aber 50 mehr Fahrradfahrer (insgesamt 432).

Die Gründe dafür sind vielfältig. Laut Umweltbundesamt hat seit 1991 das Verkehrsaufkommen insgesamt um rund 37 Prozent zugenommen. Beim Radverkehr wurde zwischen 2007 und 2016 gar eine Zunahme um sechs Milliarden Personenkilometer verzeichnet. Im gleichen Zeitraum wurde die Infrastruktur – insbesondere für Radfahrer – jedoch nur in wenigen Städten weiterentwickelt und ausgebaut. Aus diesem Grund treffen Autofahrer und Fahrradfahrer im Straßenverkehr immer häufiger aufeinander, wodurch das Unfallrisiko steigt.

Wir erklären Ihnen, was Autofahrer über das Miteinander mit Radfahrern wissen sollten – und umgekehrt.

Das müssen Autofahrer im Umgang mit Radfahrern beachten

  • Radfahrer haben keine Knautschzone: Vor allen anderen Dingen sollte sich jeder Autofahrer klar darüber werden, dass Radfahrer die schwächeren Verkehrsteilnehmer sind. Was bei einem Auto maximal zu einem kleineren Blechschaden führt, kann für Fahrradfahrer bereits tödlich enden. Deshalb: Pochen Sie nicht auf Ihr Recht, auch wenn das Fehlverhalten ganz klar auf Seiten des Radfahrers liegt.
  • Sicherheitsabstand: Wenn Sie einen Radfahrer überholen wollen, müssen mindestens 1,5 Meter Abstand eingehalten werden. Bei Geschwindigkeiten über 90 km/h erhöht sich diese Grenze auf 2,0 Meter. Ist das nicht möglich, müssen Sie warten. Wer einen Radfahrer mit zu geringem Sicherheitsabstand überholt, riskiert Bußgelder von bis zu 100 Euro und einen Punkt in Flensburg. Kommt es zu einem Unfall, drohen weitere rechtliche Konsequenzen.
  • Radwege: Grundsätzlich dürfen Radfahrer selbst entscheiden, ob sie den Radweg oder die Straße nutzen. Lediglich wenn Schilder einen benutzungspflichtigen Radweg ausweisen, besteht keine Wahlfreiheit.
  • Rechts überholen: An einer roten Ampel dürfen Radfahrer gemäß §5 der Straßenverkehrsordnung wartende Autos rechts überholen – mit der Maßgabe, dies „mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht“ zu tun.
  • Schutzstreifen: Der Schutzstreifen, der durch eine unterbrochene weiße Linie markiert ist, unterscheidet sich vom Radweg insofern, als dass er von Autofahrern überfahren werden darf. Allerdings nur in besonderen Situationen und wenn kein Radfahrer gefährdet wird. Sogar das Halten ist für drei Minuten gestattet.
  • Radfahrweg: Die durchgezogene weiße Linie grenzt den Radfahrweg von der Straße ab. Er darf weder zum Ausweichen, noch zum Anhalten oder gar Parken genutzt werden. Ein Verstoß wird derzeit mit einem Bußgeld von 15 Euro geahndet. Das Verkehrsministerium plant allerdings eine Anhebung der Strafen auf 100 Euro und einen Punkt in Flensburg.
  • Nebeneinander fahren: Grundsätzlich müssen Radfahrer hintereinander fahren, außer der Verkehr wird dadurch nicht behindert (§ 2 Abs. 4 StVO). Ausnahme: Wenn 16 oder mehr Radfahrer auf Tour sind, dann bilden sie einen Verband im Sinne der Straßenverkehrsordnung und dürfen nebeneinander fahren.
  • Dutch Reach: Hinter diesem Begriff verbirgt sich der aus der Fahrschule bekannte „Öffnen Sie die Fahrertür von innen mit der rechten Hand“-Grundsatz. Dadurch werden Sie „gezwungen“, sich in Richtung des nachfolgenden Verkehrs zu drehen und diesen wahrzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit einen vorbeifahrenden Radfahrer zu übersehen, sinkt drastisch.

Für Autofahrer ist es wichtig, diese Regeln zu kennen – und zu verstehen, dass Radfahrer – auch von Rechts wegen – gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind.

Das müssen Radfahrer im Umgang mit Autofahrern beachten

  • Autofahrer haben eine Knautschzone: Radfahrer sollten sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie sich schon bei einem leichten Unfall mit einem Auto schwere Verletzungen zuziehen können. Es mag dem ein oder anderen sicherlich schwer fallen, aber gerade im Stadtverkehr sollten Radfahrer immer versuchen, etwaiges Fehlverhalten von Autofahrern vorherzusehen – und im Zweifel nicht auf ihr Recht zu pochen. Vor allem bei Bussen und Lkw sollte zudem der tote Winkel bedacht werden. Anders ausgedrückt: Defensives Fahren ist für Radfahrer oberstes Gebot.
  • Sichtbarkeit: Viele Unfälle passieren, weil Fahrradfahrer von Pkw- und Lkw-Fahrern schlichtweg übersehen werden. Helle, vielleicht sogar reflektierende Kleidung, sowie eingeschaltetes Licht sorgen hier für die notwendige Sichtbarkeit.
  • Verkehrsregeln: Es gibt rücksichtslose Autofahrer, die auf Radwegen parken oder Radfahrer beim Überholen absichtlich schneiden. Andererseits gibt es auch Radfahrer, die über rote Ampeln brettern, ohne nach hinten zu schauen vom Bürgersteig auf die Straße fahren, oder bei Nacht schwarz gekleidet ohne Licht unterwegs sind. Genau dieses Verhalten führt regelmäßig zu Konflikten. Halten Sie sich als Radfahrer deshalb immer an die Straßenverkehrsordnung, auch wenn es verlockend sein mag, statt an der roten Ampel neben den Autos zu warten, die grüne Fußgängerampel zu nutzen. Fahren Sie stets rechts und nicht entgegen der Fahrtrichtung. Und vor allem: Zeigen Sie Ihre Absichten (Abbiegen, etc.) immer deutlich an!
  • Pedelecs: Fahrräder mit elektrischer Unterstützung sind zwar nicht per se gefährlicher als normale Fahrräder, verhalten sich im Straßenverkehr aber dennoch anders. Das liegt einerseits am höheren Gewicht, andererseits an der schnelleren Beschleunigung. Aus diesem Grund sollten insbesondere ungeübte Fahrradfahrer vorab an einem Sicherheitstraining teilnehmen.

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