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Kein Führerschein ohne Probezeit: Alle Regeln und Sanktionen im Überblick

Statistisch gesehen geraten Fahranfänger deutlich häufiger in Unfälle als erfahrene Verkehrsteilnehmer. Deshalb schreibt das deutsche Gesetz seit 1986 eine Probezeit für den Auto-Führerschein vor. Nachdem Sie die Prüfungen zur Fahrerlaubnis erfolgreich absolviert haben, befinden Sie sich dementsprechend noch zwei weitere Jahre auf dem „Prüfstand“. Während dieser Zeit gelten besonders strenge Auflagen. Welche Regeln Sie dabei unbedingt einhalten sollten und welche Strafen drohen, wenn es zu Verstößen kommt, erklärt unser Ratgeber.

 

Probezeit für Fahranfänger aller Art?

Die gesetzlich festgesetzte Bewährungsphase für den Straßenverkehr schließt fast alle Führerscheinklassen mit ein. Davon ausgenommen sind lediglich die Sonderklassen T und L für Zugmaschinen. Eine Probezeit tritt also in folgenden Fällen in Kraft:

Führerscheinklasse Fahrzeugtypen
A Krafträder

(Roller, Moped, Motorräder)

B Pkws
C Lkw
D Busse

 

Das Alter der Fahranfänger spielt generell keine Rolle. Auch Jugendliche, die bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres nur in Begleitung fahren, müssen für den Führerschein mit 17 die reguläre Probezeit absolvieren. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei Verkehrsverstößen auch die jeweilige Begleitperson haftet.

Dauer der Führerschein-Probezeit 

Sobald Sie die theoretische und praktische Prüfung abgeschlossen haben, beginnt offiziell Ihre Bewährungsphase. Diese endet in der Regel nach 24 Monaten, sodass Sie automatisch eine vollwertige Fahrerlaubnis erhalten. Grundsätzlich müssen Sie eine solche Probezeit nur einmal im Leben durchlaufen. Wenn Sie beispielsweise als Pkw-Fahrer eine zusätzliche Ausbildung für die Klasse A, D oder C erwerben, wird der zweite Führerschein ab dem ersten Tag vollständig anerkannt. Eine Möglichkeit, die vorgeschriebene Mindestfrist von zwei Jahren zu verkürzen, gibt es nicht. Trotzdem sind Sie in gewisser Weise selbst dafür verantwortlich, wie lange die Probezeit für den Führerschein letztendlich dauert. Unter Umständen kann es nämlich zu einer Verlängerung um zwei Jahre kommen, sofern Sie sich im Verkehr nicht ordnungsgemäß verhalten.

Probezeit mit Erfolg bestehen

Um die Probezeit für den Führerschein innerhalb von zwei Jahren hinter sich zu bringen, sollten Sie rechtswidrige Handlungen hinter dem Steuer weitestgehend vermeiden. Laut der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) lassen sich solche Ordnungswidrigkeiten je nach Schweregrad in zwei Kategorien einteilen:

  • B-Delikte = weniger schwerwiegend
  • A-Delikte = schwerwiegend

Ein B-Delikt liegt beispielsweise vor, wenn Sie:

  • Fahrradfahrer oder Passanten beim Abbiegen behindern
  • in unerlaubten Bereichen Parken
  • ein Stoppschild missachten
  • die gesetzliche Mindestgrenze von 1,6mm für die Reifenprofiltiefe nicht einhalten
  • ohne Freisprechanlage telefonieren
  • Haupt- und Abgasuntersuchungen mehr als 8 Monate zu spät durchführen lassen
  • Polizei-, Feuerwehr- oder Notarztwagen behindern
  • Ihr Fahrzeug ungesichert beladen
  • ein Kennzeichen an einem nicht zugelassenen Auto anbringen
  • Kinder, die jünger als 12 Jahre bzw. kleiner als 150cm sind, ohne Kindersitz befördern
  • bei Nebel, Schnee und Regen ohne Licht fahren.

Zu den schwerwiegenden A-Delikten gehören sämtliche Handlungen, durch die Sie andere Verkehrsteilnehmer stark gefährden, darunter:

  • die Rechts-vor-Links-Regel nicht beachten
  • stehende oder liegengebliebene Fahrzeuge (zum Beispiel bei einer Panne auf der Autobahn) mangelhaft kennzeichnen
  • andere Fahrzeuge mit zu hoher Geschwindigkeit überholen
  • über Fußgängerüberwege fahren, ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren
  • an riskanten Stellen wie Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen zu schnell fahren
  • an eng befahrenen Stellen von der rechten Fahrbahnhälfte abweichen dadurch den Gegenverkehr behindern
  • auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen entgegen der Fahrtrichtung wenden bzw. rückwärtsfahren
  • die maximal erlaubte Geschwindigkeit um mehr als 20km/h überschreiten
  • eine rote Ampel überfahren
  • bei mehr als 80 km/h den Mindestabstand (jeweils die Hälfte des Tachowertes) nicht einhalten.

Darüber hinaus stuft das StVG einige Straftaten als besonders schwerwiegende A-Delikte ein:

  • Unterlassene Hilfeleistung bei einem Unfall
  • Fahrlässige Körperverletzung oder Tötung
  • Nötigung (beispielsweise durch zu nahes Auffahren)
  • Fahrerflucht
  • Für Fahrer unter 18 Jahren: Fahren ohne Begleitperson
  • Fahren unter Alkohol-, oder Drogeneinfluss:

Seit 2009 gilt in Deutschland die 0-Promille-Regel!

 

Feuerwehr und Polizeiauto

 

Ordnungswidrigkeiten und Konsequenzen während der Probezeit

Sollten Sie als Fahranfänger einen A-Delikt oder zwei B-Delikte begehen, treten im ersten Schritt folgende Sanktionen ein:

  • Verlängerung der gesetzlichen Frist von zwei auf vier Jahre
  • Verpflichtende Teilnahme an einem Aufbauseminar. Dabei handelt es sich um einen Kurs von insgesamt neun Stunden, den Sie an einer Fahrschule absolvieren. Dafür müssen Sie zwischen 250 und 500€ zahlen.

Wenn Sie danach wiederholt durch einen A- oder zwei B-Verstoße auffällig werden, erfolgt:

  • Eine behördliche Verwarnung
  • Eine Empfehlung zur verkehrspsychologischen Beratung. Diese dauert circa drei Stunden und kostet um die 300€.

Greifen auch diese Maßnahmen nicht, verlieren Sie nach einem erneuten Delikt dauerhaft die Fahrerlaubnis. Die gleiche Konsequenz gilt, wenn Sie es versäumen, nach der ersten Auffälligkeit das angeordnete Seminar zu absolvieren. Ob und wann Sie daraufhin wieder Auto fahren dürfen, erfahren Sie, nachdem Sie sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (kurz ) unterzogen haben.

Anbei finden Sie mögliche Vergehen und ihre Folgen im Überblick:

 

1 A-Delikt oder 2 B-Delikte als Fahranfänger

Verlängerung der Probezeit für den Führerschein von 2 auf 4 Jahre

Verpflichtende Teilnahme an einem Aufbauseminar

 

Versäumnis oder Verweigerung des Seminars

 

erneut 1 A-Delikt oder 2 B-Delikte

Verwarnung

Empfehlung zur verkehrspsychologischen Beratung

erneut 1 A-Delikt oder 2 B-Delikte

Fahrverbot (max. 6 Monate)

Medizinisch-psychologische Untersuchung

 

Zusätzlich zu all diesen Maßnahmen müssen Fahranfänger außerdem für jeden Verstoß die gleichen Konsequenzen tragen, mit denen auch alle anderen Autofahrer sanktioniert werden.

 

Stopschild an Kreuzung

 

Regelung nach Ende der Führerschein-Probezeit

Prinzipiell sind natürlich alle Verkehrsteilnehmer verpflichtet, bestehende Vorschriften einzuhalten – egal, ob sie seit zehn Tagen oder seit zehn Jahren am Steuer sitzen. Wenn Sie die zweijährige Probezeit bestanden haben und einen vollwertigen Führerschein besitzen, haben Regelverstöße keine Interventionen wie Seminare oder Beratungsgespräche zur Folge. Allerdings gelten weiterhin die regulären Strafen, die Sie von Anfang an im Straßenverkehr erwarten, nämlich: 

Wie hoch die Bußgelder jeweils ausfallen, können Sie dem offiziellen Bußgeldkatalog entnehmen. Strafpunkte vergibt das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg nach folgendem System:

 

Art des Verstoßes Anzahl der Punkte Verjährt nach
1 B-Delikt 1 2,5 Jahren
1 A-Delikt 2 Mind. 5 Jahren
1 besonders schwerwiegender A-Delikt 3 10 Jahren

 

Je nachdem, wie viele Punkte Sie im Laufe der Zeit ansammeln, kommen weitere Maßregelungen auf Sie zu:

  • Ab 4 Punkten müssen Sie eine zusätzliche Geldstraße zahlen, können aber an einem freiwilligen Seminar teilnehmen, um Ihre Punkte zu reduzieren.
  • Ab 6 Punkten erhalten Sie eine erneute Geldstraße. Außerdem gibt es die Möglichkeit zu einem Fahreignungsseminar, was jedoch Ihr Punktekonto nicht verändert.
  • Ab 8 Punkten müssen Sie Ihren Führerschein für maximal sechs Monate abgeben. Fällt die darauffolgende medizinisch-psychologische Untersuchung positiv aus, wird Ihre Fahrerlaubnis wieder gültig.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr machen sich teuer bezahlt, sowohl während als auch nach der Probezeit für den Führerschein. Bereits kleine Flüchtigkeitsfehler können ein erhebliches Maß an finanziellem und zeitlichem Aufwand mit sich bringen. Sie sollten sich also frühzeitig mit der Straßenverkehrsordnung (StVO) vertraut machen, um folgenschwere Unaufmerksamkeiten zu vermeiden.