Vater schnallt sein Baby an

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Kindersitzpflicht in Deutschland: Was Eltern beachten müssen

Für Kinder ist das größte Problem auf Autofahrten meist die Langeweile. Eltern sorgen sich dagegen vor allem um die Sicherheit ihrer Sprösslinge. Tatsächlich sind Mitfahrer im jüngeren Alter aufgrund verschiedener Faktoren einem höheren Risiko ausgesetzt. Zum einen können Verletzungen bei Unfällen schwerwiegende Auswirkungen auf den Entwicklungsprozess nach sich ziehen. Zum anderen bietet der reguläre Sicherungsgurt erst ab einer bestimmten Körpergröße genügend Halt. Deshalb müssen Erziehungsberechtigte die sogenannte Kindersitzpflicht einhalten, wenn sie mit Familie im Auto unterwegs sind. Um welche Vorschriften es sich dabei konkret handelt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Familie in Auto

Gesetzliche Regelungen für den Kindersitz

Die Kindersitzpflicht besteht in Deutschland seit 1993. So heißt es in § 21 der StVO (Straßenverkehrsordnung) zur Personenbeförderung:

„Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhalteeinrichtungen für Kinder benutzt werden, die den […] genannten Anforderungen genügen und für das Kind geeignet sind.“

Die „genannten Anforderungen“ beruhen auf den UN/ECE-Regelungen, wobei die Abkürzung UN/ECE für „United Nations Economic Commission for Europe“ steht. Diese Wirtschaftskommission legt fest, welche Vorrichtungen für Kraftfahrzeuge im europäischen Raum genehmigt sind. Ob ein Kindersitz alle gesetzlichen Kriterien erfüllt, können Sie dem jeweiligen Prüfzeichen entnehmen. Aktuell gibt es drei zulässige Normen:

  • UN ECE Reg. 44/04
  • UN ECE Reg. 44/03
  • UN ECE Reg. 129 (i-Size)

Kindersitze aus den Kategorien “Reg. 44/03“ bzw. „Reg. 44/04“ unterteilen sich in fest definierte Gewichtsklassen. Insgesamt haben Sie die Wahl zwischen 5 möglichen Stufen:

 

Gewicht Klasse Kindersitzart Geschätztes Alter
max. 10kg 0 Babyschale

(quer- oder rückwärts)

Bis ca. 1 Jahr
max. 13kg 0+ Babyschale

(rückwärts)

Bis ca. 1,5 Jahre
9–18kg I Kindersitz (vorwärts)

Reboarder (rückwärts)

ca. 1,5 – 4 Jahre
15 – 25kg II Sitzerhöhung mit/ohne Rückstütze

Reboarder (rückwärts)

bis ca. 7 Jahre
22–23kg III Sitzerhöhung mit/ohne Rückstütze (vorwärts) ca. 7 – 12 Jahre

 

Die dritte Norm mit dem Zeichen „Reg. 129“, auch i-Size genannt, richtet sich nach der Größe des Kindes. Dabei können Hersteller die jeweiligen Größenbereiche selbst festlegen. Das i-Size-Prinzip wurde erstmals 2013 eingeführt und zielt darauf ab, die Kindersitzpflicht noch besser auf den individuellen Körperbau eines jeden Kindes abzustimmen. Anbei finden Sie die wichtigsten Unterschiede der drei zulässigen Prüfzeichen noch einmal im Überblick:

 

Prüfzeichen UN ECE Reg. 44/03 UN ECE Reg. 44/04 UN ECE Reg. 129 (i-Size)
Gültig seit 1995 2005 2013/ 2017/ 2019
Maßstab Feste Gewichtsklassen Größeneinteilung (abhängig vom Hersteller)
Seiten-aufpralltest bestanden n.a. ja

 

Vater schnall sein Baby an

 

Kindersitz im Auto vorschriftgemäß anbringen 

Je nachdem, wie und wo Sie ein bestimmtes Modell in Ihrem Fahrzeug montieren, lassen sich die UN/ECE-Regelungen zur Kindersitzpflicht in weitere Unterkategorien einteilen:

  1. „Universal“: Diese Bezeichnung bedeutet, dass Sie den Kindersitz in gängigen Fahrzeugtypen ohne besondere Vorrichtungen einbauen können.
  1. „Semi-Universal“: In diesem Fall liegt ein Isofix-Befestigungssystem vor, das eine direkte Verbindung zwischen Kinder- und Autositz herstellt. Dafür brauchen Sie ein Auto mit passenden Isofix-Kontaktstellen.
  1. „Fahrzeugtypisch“: Hierzu gehören Kindersitze, die exakt auf die Besonderheiten von bestimmten Automodellen zugeschnitten sind.

Darüber hinaus spielt für die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr auch die Positionierung des Sitzes eine entscheidende Rolle. Prinzipiell gilt: Bis zum Alter von zwei Jahren sollten Sie Kinder rückwärtsgerichtet befördern. Das liegt daran, dass in den ersten Lebensjahren der Kopf noch einen Großteil des Körpergewichtes ausmacht. Sollte es zu einem Frontalaufprall kommen, erleiden Säuglinge und Kleinkinder in vorwärts gerichteten Sitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit schwere Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule. Außerdem empfiehlt es sich, den Kindersitz immer auf der Rückbank (am besten auf dem mittleren Rücksitz) zu montieren. So halten Sie die Aufprallgefahr möglichst gering. Falls Sie es nicht vermeiden können, Ihren Nachwuchs auf dem Beifahrersitz zu transportieren, müssen Sie laut Kindersitzpflicht unbedingt den entsprechenden Airbag ausschalten. Ansonsten riskieren Sie tödliche Verletzungen, wenn der Airbag aufgeht.

 

angeschnalltes Kind

 

Kinder ohne richtigen Kindersitz im Auto?

Eltern, die sich nicht an die Vorschriften der Kindersitzpflicht halten, riskieren nicht nur eine höhere Verletzungsgefahr, sondern auch finanzielle Sanktionen. Sollte die Polizei bei einer Verkehrskontrolle feststellen, dass Sie junge Mitfahrer nicht ordnungsgemäß abgesichert haben, drohen folgende Konsequenzen:

 

Verstoß Strafe
Babyschale auf dem Beifahrersitz mit eingeschaltetem Airbag 25€ Verwarngeld
Ein nicht ausreichend gesichertes Kind 30€ Verwarngeld
Mehrere nicht ausreichend ungesicherte Kinder 35€ Verwarngeld
Ein völlig ungesichertes Kind 60€ Bußgeld

1 Punkt in Flensburg

Mehrere völlig ungesicherte Kinder 70€ Bußgeld

1 Punkt in Flensburg

 

Kindersitzpflicht im Ausland

Bevor Sie zum nächsten Familienurlaub mit dem Wohnmobil oder Pkw aufbrechen, sollten Sie sich über die jeweilige Verkehrsordnung an Ihrem Aufenthaltsort informieren. Innerhalb Europas legen einzelne Länder individuell fest, ab welcher Größe oder ab welchem Alter ein Transport ohne Kindersitz erlaubt ist. Die Schweiz orientiert sich ebenso wie Deutschland an den Richtlinien der Kategorie „Reg. 44“. Dagegen brauchen Sie in Österreich eine Rückhalteeinrichtung für Kinder bis zu 14 Jahren, solange sie kleiner als 150cm sind. In Belgien und Spanien liegt die Höchstgrenze für die Körpergröße wiederum nur bei 135cm. Ähnliche Regeln gibt Frankreich vor: Dort verfällt die Kindersitzpflicht ab einem Alter von 10 Jahren.