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Elektroautos gebraucht kaufen? Eine kleine Kaufberatung!

Irgendwie ist es jedem klar, worauf man beim Kauf eines Gebrauchten achten sollte. Zumindest, wenn es sich um einen Verbrenner handelt. Ist der Motor ölfeucht, macht er seltsame Geräusche, wie sieht es um die Abgase bestellt und so weiter. Und beim Stromer? Wie sieht es mit Elektroautos aus zweiter Hand aus? Worauf sollte man achten, wenn man ein rein elektrisches Fahrzeug kauft, um nicht einen gewischt zu bekommen?

Elektroautos gebraucht kaufen? Eine kleine Kaufberatung!

Ich darf gestehen, auch ich habe Reichweiten-Angst. Von meinem eigenen Akku-Rasenmäher kenne ich es leider auch, dass die Reichweite in den Jahren nachgelassen hat. Das gleiche gilt für das Smartphone. Was dem Rasenmäher und dem Smartphone aber fehlt: Ein intelligentes System was die Ladezyklen überwacht! Wir haben uns mal den Gebrauchtmarkt für Elektrofahrzeuge angesehen. Was gibt es? Worauf muss man achten?

Gebrauchte Elektroautos? Überschaubares Angebot!

Aktuell haben Elektroautos noch eine Nischen-Existenz, was vor allem auf folgende Punkte zurückzuführen ist, die sich in den Köpfen der Massen festgesetzte haben: Geringe Reichweite, lange Ladezeiten, schlechter Ausbau des Ladenetzes sowie teure Einstiegspreise.

Die Lösung könnte der Gebrauchtwagenkauf sein. Allerdings ist das Angebot noch recht klein. Vergleicht man einmal die gängigen Gebrauchtwagenbörsen, finden sich weniger als 10.000 Stromer im Angebot. Verbrenner? Rund 150 Mal so viele. Dieses Verhältnis wird sich in Zukunft aber ändern, das dürfte klar sein.

Grund dafür sind nicht nur das Bonusprogramm der Bundesregierung sowie der Fahrplan der Hersteller in Richtung Elektro, sondern auch das immer stärker werdende Bewusstsein der Käufer für umweltfreundliches Fahren. Auch, wenn die Gesamtbetrachtung hier noch nicht ganz optimal ist.

Bei der Preisbetrachtung könnte so mancher Stromer als echtes Schnäppchen durchgehen. Schauen wir uns beispielsweise einen Volkswagen Golf an – das Massenprodukt schlechthin. Als e-Golf kostet der Wolfburger als Vierjähriger rund 19.000 Euro und damit etwa die Hälfte des Neupreises. Schaut man einmal auf den Verschleiß und die Reparaturkosten, gelten Elektro-Autos als günstiger. Sogar 35 Prozent niedriger sollen Reparaturen bei einem Stromer gegenüber einem Verbrenner sein.

R+V24: VW e-Golf

Gebrauchtes Elektroauto: e-Golf

Was gibt der Markt her? Welche Elektroautos kann man gebraucht kaufen?

Schauen wir doch einmal, was sich in den Internetbörsen so tummelt. Ganz unten im Regal wartet der Renault Twizy. Mit etwa 20.000 km auf der Uhr kommt der kleine – und klein ist hier fast schon untertrieben – auf rund 4.000 Euro. Allerdings ist der Franzose aufgrund seiner Größe, der fehlenden Seitenschieben und Heizung und der Leistung von gerade einmal 11 PS nicht sehr praktisch. 80 km/h Höchstgeschwindigkeit limitieren den Twizy obendrein in seinem Einsatzgebiet.

Gebrauchtes Elektroauto: Renault Twizy

Etwas größer und mittlerweile in verschiedenen Generationen erhältlich ist der Smart EQ. Mit unter 50.000 km und mit 56 PS ausgestattet (teilweise mit 75 oder aktuell sogar mehr) kommt der Schwabe auf rund 8.000 Euro.

Gebrauchtes Elektroauto: Smart EQ

Zwei, die aus gleicher Schmiede stammen, sind der Mitsubishi iMiEV sowie der Citroen C-Zero. Mit 50.000 km auf der Uhr werden etwa 7.000 Euro fällig. Sie eigenen sich allerdings – ebenso wie der Smart – eher für Kurzstrecken-Pendler. Gerade einmal 160 km Reichweite sollen sie bieten, aus denen in der Realität sogar weniger werden – vor allem bei Kälte. Für 1.000 Euro mehr könnte man einen Nissan Leaf der ersten Generation bekommen. Oder den Renault Zoe. Beide dürfen als Vollwertauto gesehen werden.

Gebrauchtes Elektroauto: Citroen C-Zero

Für rund 20.000 Euro ist man vollends in der Liga der vollwertigen Autos angelangt. Für diesen Preis stehen der solide Volkswagen e-Golf oder sogar der BMW i3 der ersten Generation beim Gebrauchtwagenhändler.

Gebrauchtes Elektroauto: BMW i3

Richtig nobel – zumindest was das Exterieur angeht – wird es mit dem Tesla Model S. Mit 50.000 Euro muss man hier allerdings rechnen, die Fahrleistungen liegen dann aber auf dem Niveau eines Sportwagens. Demnächst wird der Gebrauchtwagenmarkt der Elektroautos noch spannender, denn dann folgen auch Mercedes-Benz EQC und weitere Derivate.

Gebrauchte Elektroautos! Schöne, neue Welt?

Natürlich verhält es sich mit Stromern, wie mit Verbraucher-Elektrogeräten, wie mit Smartphones oder Computern: Je neuer, desto besser. Und je neuer, desto aktueller ist der Stand der Technik, der Batterien, der Rekuperation usw. Entsprechend besser sind die Fahrdaten moderner Elektroautos, was die Reichweite, die Power oder die Akkus im Allgemeinen anbelangt.

Elektroauto gebraucht kaufen? Darauf müssen Sie achten:

Was man nicht vergessen darf, sind typische Verschleißteile, die auch bei einem herkömmlichen Fahrzeug auftreten. Da wären etwa die Stoßdämpfer oder Fahrwerkstechnik im Allgemeinen. Diese Teile fallen beim Stromer ebenfalls an. Und da E-Autos in der Regel schwerer als Verbrenner sind, kommt eine höhere Belastung auf die Fahrwerkskomponenten zu. Die Bremsen hingegen könnten sogar länger halten, als beim Verbrenner, da die E-Maschine durch Rekuperation selbst bremst und man die Scheiben und Klötze seltener nutzt. Die Laufleistung spielt bei Elektroautos also eine geringere Rolle. Nur bei den Reifen sollte man hinschauen: Durch das hohe Anfahrdrehmoment können sie schneller verschleißen. Obacht zudem bei Besuchen des nächtlichen Nagers: Marderbisse sind eines der Dinge, das fatale Folgen haben kann – nicht nur für das Tier.

Akku leer?

Viele begründen die Scheu vor einem Elektroauto mit der Sorge über die Batterie. Unumgänglich ist, dass Batterien mit zunehmendem Alter nachlassen. Der Grad hängt von der Art der Ladung ab: Wie oft wurde der Akku vollkommen leergefahren, wie oft mit Starkstrom geladen, usw. Eine Probefahrt gibt hier Aufschluss. Wie regiert das Fahrzeug auf meinen gewöhnlichen Fahrstil und wie schnell entlädt sich dabei die Batterie? Einfach mal genauer hinsehen. Wer sich hier unsicher ist, sollte zum Test in der Fachwerkstatt vorbeischauen.

Achten sollte man darüber hinaus auf die Garantieregelungen der Hersteller. Im Schnitt gelten diese für fünf bis acht Jahre bzw. für 100.000 bis 150.000 km.

Manche Modelle, wie die oben genannten Kompaktklasse-Kandidaten i3, e-Golf und Leaf lassen den Wechsel einzelner Batteriezellen zu, sodass die Kosten bei einer nachlassenden Batterie überschaubar sind. Erfahrungsgemäß halten Batterien aber länger, als angegeben. So wurden nach etwa 200.000 km viele Akkus noch mit 80-90 % Ladekapazität gemessen.

Um großen Spontankosten aus dem Weg zu gehen, gibt es verschiedene Mietkonzepte. Hier wird die Batterie einfach gemietet. Die monatlichen Preise richten sich nach der Laufleistung oder der Laufzeit und liegen bei 50 bis 150 Euro. Dieser Kostenaufwand ist vielleicht nicht gering, aber man hat das Batterierisiko ausgelagert, denn wenn die Batterie dem Hersteller gehört, dann ist er auch für diese verantwortlich. Die Batterie ist bei einem Elektroauto die Kostenfalle beim Gebrauchtwagen.

Fast wie beim Smartphone!

Was macht man normalerweise mit seinem Smartphone, wenn man schläft? Genau, man lädt. In Zukunft werden wir genau das auch mit unserem Auto tun. In Zukunft werden Fahrzeug mit so kluger Software ausgerüstet sein, dass sie Strom zurück ins Netz einspeisen, wenn er gerade nicht gebraucht wird. Und das ist gar nicht mehr so lange hin.

Im Hier und Jetzt fassen wir zum Thema Elektroautos aus zweiter Hand zusammen, dass man seine Scheu vor dem Thema ruhig ablegen kann. Das Ladenetz wächst stetig, das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt wird immer größer und die Kosten sind recht überschaubar. Voraussetzung: Eine Lademöglichkeit in der Nähe der Wohnung.

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