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Elektroauto im Winter: Tipps für mehr Reichweite an kalten Tagen

In den vergangenen Wochen wurden von der Bundesregierung zahlreiche Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität beschlossen. Gleichzeitig erweitern die Autohersteller ihr Sortiment nun immer zügiger um vollelektrische Modelle. Die Verkehrswende ist in vollem Gange – und immer mehr Autofahrer denken über die Anschaffung eines Elektroautos nach.

Wie immer, wenn neue Technologien eingeführt werden, kursieren aber auch viele Gerüchte und Halbwahrheiten in den Medien, die die Verbraucher verunsichern. So liest man beispielsweise des Öfteren, dass Elektroautos nicht für den Winter geeignet seien und man mit massiven Reichweitenverlusten rechnen muss. Wir werfen mit Ihnen einen Blick auf die Fakten und geben Ihnen wertvolle Tipps für mehr Reichweite an kalten Tagen.

Elektroautos im Winter: Wie kommt es zu den Reichweitenverlusten?

Ein Verbrennungsmotor produziert Abwärme, die genutzt werden kann, um beispielsweise den Innenraum oder die Scheiben zu heizen. Bei einem Elektroauto hingegen wird die Energie vollständig dem Antriebsstrang zugeführt. Das hat zur Folge, dass die gesamte Energie fürs Heizen (Innenraum, Scheiben, Sitze, Lenkrad, etc.) aus der Batterie kommen muss und die Reichweite an kalten Tagen sinkt.

In diesem Zusammenhang wird gerne ein älterer ADAC-Test angeführt, der zu folgendem Ergebnis kommt:

Im Stadtverkehr (30 bis 50 km/h) muss man bei einer Außentemperatur von 0 Grad im Vergleich zu milden 20 Grad mit Reichweitenverlusten von bis zu 50 Prozent rechnen. Bei höheren Geschwindigkeiten (100 km/h), z. B. auf Autobahnen und Landstraßen, reduziert sich die Einbuße auf rund 10 Prozent.

Diese Werte sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn der Test wurde mit einem Mitsubishi i-MIEV durchgeführt. Dieses Elektroauto wird schon seit zehn Jahren produziert und lässt sich dementsprechend nur bedingt mit einem aktuellen Modell vergleichen. Der Test des US-Automobilclubs AAA ist da schon deutlich repräsentativer: Getestet wurden die Reichweiten von fünf Elektroautos bei 23,9 Grad und -6 Grad. Im Schnitt büßten die Fahrzeuge bei der niedrigen Temperatur 41 Prozent ihrer Reichweite ein.

Mit einem BMW i3 würde man dann noch 156 statt 260 Kilometer weit kommen. Beim Mercedes-Benz EQC käme man auf 240 statt 400 Kilometer. Allerdings sind das alles nur theoretische Werte. In der Praxis fallen die Reichweitenverluste im Winter jedoch deutlich geringer aus – wenn man ein paar einfache Regeln berücksichtigt.

Elektromobilität: Ohne Reichweitenangst durch den Winter

  1. Heizen Sie Ihr Elektroauto vor, während es noch am Strom hängt: Dies ist die wichtigste Regel, die Besitzer von Elektroautos im Winter beachten sollten. Wenn man morgens mit einer kalten Batterie losfährt, muss diese erst auf Betriebstemperatur kommen. In diesem Zeitraum fällt die Energierückgewinnung beim Bremsen (Rekuperation) deutlich geringer aus. Gleichzeitig muss das Fahrzeug viel Energie aufwenden, um den Innenraum zu heizen. Beides wirkt sich negativ auf die Reichweite aus. Dieses Problem lässt sich allerdings beinahe komplett umgehen, wenn man das Elektroauto eine halbe Stunde vor Abfahrt vorheizt und es so auf Idealtemperatur bringt. Am besten während es noch am Strom hängt, da das Vorheizen dann nicht zu Lasten der Batterie geht. Beim BMW i3 sinkt der elektrische Verbrauch dadurch beispielsweise von 19,2 kWh pro 100 Kilometer („Kaltstart“ bei 0 Grad) auf 16 kWh pro 100 Kilometer (mit Vorheizen).
  2. Ein warmer Stellplatz für kalte Tage: Wer die Möglichkeit hat, sollte sein Elektroauto im Winter unbedingt in einer Garage abstellen. Denn auf diese Weise kühlen Fahrzeug und Batterie über Nacht erst gar nicht so stark ab und kommen morgens schneller auf Idealtemperatur.
  3. Eco-Modus nutzen: Nahezu jedes moderne Elektroauto verfügt über unterschiedliche Fahr-Modi. Bei Minustemperaturen macht es Sinn, den Eco-Modus zu nutzen. Ist dieser aktiviert, läuft die Heizung zwar noch. Die Leistung ist allerdings reduziert, um den besten Kompromiss aus Energieverbrauch und Komforterhalt zu erzielen. Weiterhin wird im Eco-Modus weniger Kraft auf die Räder gegeben. Das spart nicht nur Energie, sondern erhöht auf glatten Straßen zudem die Fahrsicherheit.
  4. Wärmepumpe ist Pflicht: Eigentlich sollte eine Wärmepumpe zur Standardausstattung eines jeden Elektroautos gehören, doch leider bieten die meisten Hersteller sie nur als aufpreispflichtiges Extra an. Ein Extra, auf das man nie verzichten sollte. Bei einem BMW i3 beispielsweise erhöht eine Wärmepumpe die elektrische Reichweite im Winter um bis zu 30 Prozent. Der Grund: Eine Wärmepumpe kann aus einem Kilowatt elektrischem Strom rund drei Kilowatt Wärmeleistung erzeugen.
  5. Akku nach der Fahrt laden: Wer die Batterie seines Elektroautos möglichst schonend laden möchte, sollte dies im Winter direkt nach der Fahrt tun, solange dieser noch warm ist. Das wirkt sich zwar nicht unmittelbar auf die Reichweite aus, erhöht aber die Lebensdauer des Akkus und beschleunigt den Ladevorgang. Dazu muss man wissen, dass sich im Winter die elektrochemischen Prozesse innerhalb der Batteriezellen verlangsamen. Lädt man einen kalten Akku, dauert der Ladevorgang insgesamt etwas länger, als bei sommerlichen Temperaturen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Reichweite von Elektroautos bei Minusgraden zwar abnimmt, man diesem Effekt aber mit einfachen Mitteln entgegenwirken kann.

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