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Angst vorm Autofahren überwinden, ohne die Kontrolle zu verlieren: So kommen Sie sicher ans Ziel

Nicht immer reicht ein bestandener Führerschein aus, um sorglos am Steuer sitzen zu können. Neben erlernbaren Fahrkenntnissen und Fähigkeiten hat auch unsere Gefühlswelt einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir uns im Straßenverkehr verhalten. Menschen, die unter Fahrangst leiden, finden sich schnell in einem Teufelskreis wieder: Katastrophengedanken führen zu Panikattacken, die wiederum zu noch stärkeren Hemmungen führen. Aber wie können Betroffene die Angst vorm Autofahren in bestimmten Situationen überwinden oder sogar vollständig verlieren? Dieser Ratgeber liefert eine Übersicht zu den Ursachen, Erscheinungsformen und Behandlungsmöglichkeiten der sogenannten „Amaxophobie“.

 

verzweifelter Mann

 

Wie Angststörungen und Autofahren zusammenhängen

Dass der öffentliche Verkehr Gefahren für alle Teilnehmer mit sich bringt, steht außer Frage. Zwar ist die allgemeine Verkehrssicherheit im Laufe der letzten Jahre deutlich gestiegen, aber auch 2018 verzeichnete das Statistische Bundesamt insgesamt 3.275 tödliche Unfälle. Diese Bilanz sollte natürlich alle Autofahrer daran erinnern, so vorsichtig wie möglich zu bleiben. Nicht selten kommt es allerdings vor, dass Vorsicht in schiere Panik umschlägt. Objektiv gesehen kann dies Gründe haben wie beispielsweise:

  • Mangelnde Fahrpraxis bei Fahranfängern oder Wiedereinsteigern
  • Traumatische Erlebnisse aus einem früheren Autounfall.

Neben äußeren Umständen spielen auch die persönlichen Voraussetzungen eine entscheidende Rolle. Konkret bedeutet das: Menschen, die ohnehin mit Angststörungen zu kämpfen haben, können auch die Angst vorm Autofahren trotz Führerschein schwerer überwinden bzw. verlieren. In diesem Zusammenhang stellen vor allem zwei Krankheitsbilder ein erhöhtes Risiko dar:

  • Agoraphobie

= Angst vor weiten Plätzen oder Menschengedränge

  • Soziale Phobie:

= Angst vor menschlichen Interaktionen.

Solche Probleme können sich unter Umständen verstärken, wenn betroffene Personen in einem Fahrzeug sitzen. In dieser Situation sind wir nämlich einer Vielzahl von Stressfaktoren ausgesetzt, darunter:

  • Das Auto ist ein geschlossener und beengter Raum, in dem wir über eine stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit verfügen.
  • Schlechte Witterung (Neben, Regen, Schnee und Glätte) erfordert eine hohe Konzentration
  • Unbekannte Strecken verstärken die eigene Unsicherheit
  • Staus und stockender Verkehr erzeugen Ärger und Frustration.

All diese Faktoren können dazu beitragen, dass sich ein mulmiges Gefühl im Auto zu einer chronischen Fahrangst (in Fachkreisen Amaxophobie genannt) entwickelt.

 

Panikattacken beim Autofahren

Im schlimmsten Fall führt Amaxophobie zu schweren Panikattacken. Dabei handelt es sich per Definition um kurze, intensive Episoden, in denen eine Person mehrere Minuten lang Todesangst verspürt. Typischerweise äußert sich dieser Zustand in körperlichen Symptomen wie:

  • Atemnot und Hyperventilation
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Zittern und Schwindelgefühle
  • Übelkeit und Erbrechen

Wer solche Beschwerden hinter dem Lenkrad erlebt, kann sich kaum auf den Verkehr konzentrieren. Eine Panikattacke beim Autofahren ist also nicht nur höchst unangenehm, sondern auch extrem gefährlich. Dementsprechend flüchten sich Angstpatienten oftmals in ein Meidungsverhalten. Das kann so weit gehen, dass sie nicht einmal mehr als Beifahrer in ein Fahrzeug steigen können. Folglich wird die Furcht immer übermächtiger, während die Lebensqualität im Alltag immer weiter sinkt. Glücklicherweise gibt es heutzutage eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Angst vorm Autofahren Stück für Stück zu überwinden und schließlich ganz zu verlieren. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über bewährte Strategien.

 

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Psychotherapie und Fahrschule gegen Fahrangst

Wenn Sie unter Panikattacken im Straßenverkehr leiden, sollten Sie sich in jedem Fall professionelle Hilfe holen. Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Anlaufstellen:

  • Im Rahmen einer Verhaltenstherapie arbeiten Patienten in ambulanten Einzelgesprächen mit einem Psychologen daran, Phobien oder posttraumatische Belastungsstörungen zu bewältigen.
  • Durch ein spezielles Fahrtraining können Sie gezielt Konfrontationsübungen durchführen und so Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurückgewinnen.
  • Örtliche Selbsthilfegruppen für Menschen mit Angst- und Panikstörungen bieten einen idealen Ort, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln.

Idealerweise sollten Sie sowohl praktische Fahrstunden als auch psychologische Therapiegespräche in Anspruch nehmen. So können sich der zuständige Fahrlehrer bzw. Therapeut im Laufe der Behandlung regelmäßig über bisherige Erfolge und weitere Maßnahmen abstimmen. Informationen zu Ansprechpartnern, die sich auf Fahrangst spezialisiert haben, finden Sie beispielsweise über die Website der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V.

Egal, für welche Therapieform Sie sich letztendlich entscheiden, um Angst vorm Fahren zu überwinden und zu verlieren – die Zauberformel lautet stets „üben, üben, üben“. Je öfter Sie sich bewusst gefürchteten Situationen aussetzen und diese erfolgreich meistern, desto leichter werden Ihnen ähnliche Herausforderungen mit der Zeit fallen.

 

Fahrangst überwinden: Praktische Tipps für den Alltag

Wie eine Konfrontationsübung beim Fahrtraining konkret aussieht, kommt ganz darauf an, wie sich eine individuelle Angststörung äußert. Anbei haben wir für Sie eine Liste mit den wichtigsten Faustregeln für verschiedene Szenarien zusammengestellt.

 

Angst vorm Autofahren auf der Autobahn

  • Beginnen Sie mit Übungsfahrten auf weniger befahrenen Strecken.
  • Fahren Sie hin und her, halten Sie an Raststätten und üben Sie immer wieder, auf den kurzen Beschleunigungsstreifen aufzufahren.
  • Wenn Sie Spuren wechseln, denken Sie daran: Auf deutschen Autobahnen herrscht Rechtsfahrgebot! Unangenehme Drängler können Sie also fernhalten, indem Sie konsequent auf der rechten Spur bleiben.

 

verregnete Autobahn

 

Angst vor dem Einparken

  • Trainieren Sie zunächst auf gesonderten Verkehrsübungsplätzen. Sobald Sie sicherer werden, können Sie sich an ruhige Seitenstraßen heranwagen. Dabei gehen Sie folgendermaßen vor:
  1. Halten Sie parallel zur Parklücke an und überprüfen Sie, ob der Platz mindestens 1,5mal so lang wie Ihr Auto ist.
  2. Fahren Sie vor, bis sich Ihr Beifahrerfenster gegenüber dem hinteren Fenster am geparkten Auto befindet.
  3. Drehen Sie das Lenkrad um etwa 360°, bis Ihre Reifen in einem Winkel von 45° zur Lücke stehen.
  4. Setzen Sie langsam zurück, während Sie über Ihre rechte Schulter nach hinten in die Ecke des Hecks neben der Parklücke blicken.
  5. Fahren Sie so weit zurück, bis der Scheinwerfer des Autos hinter der Parklücke in Ihr Blickfeld rückt.
  6. Schlagen Sie in die entgegengesetzte Richtung ein und fahren Sie das Auto in die Parklücke.

 

Angst vor Stadtfahrten

Vor allem in viel befahrenen Verkehrsgebieten kommt es in erster Linie darauf an, Ruhe zu bewahren. Hierfür empfehlen sich unterschiedliche Methoden, darunter:

  • Kontrollierte Atemübungen
  • Progressive Muskelentspannung über die Hände
  • Eingeübte Satzformeln als positive Verstärkung.

Generell gilt hier die Devise: Probieren geht über Studieren. Was manchen Patienten hilft, die Angst beim Autofahren zu überwinden und zu verlieren, kann bei anderen gar keinen oder sogar einen kontraproduktiven Effekt haben. Scheuen Sie sich also nicht, in Absprache mit Ihrem Therapeuten verschiedene Handlungsstrategien zu testen, bis Sie die richtige gefunden haben.

 

Angst beim Autofahren nach einem Unfall

Wenn Personen an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, weil sie selbst einen schweren Unfall erlebt haben, können sie auch erst einmal in der virtuellen Realität üben. Hierfür gibt es beispielsweise am Dresdner Institut für Arbeit und Gesundheit oder an der Hochschulambulanz der Universität Würzburg einen speziellen Simulator. Dieser spielt eine bestimmte angstauslösende Situation vor, beispielsweise das Fahren über Brücken oder durch Tunnel. So können Patienten lernen, die Angst vorm Autofahren Schritt für Schritt zu überwinden und zu verlieren, ohne dabei einer realen Gefahr ausgesetzt zu sein. Trainings mit solchen Simulatoren finden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung statt. Dementsprechend übernimmt der zuständige Träger auch die Kosten für Arbeitnehmer, die nach einem Unfall während der Arbeitszeit Hilfe für die Wiedereingliederung benötigen.