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Mercedes-Benz V300d Marco Polo Fahrbericht Test Review

Eine Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo mit knapp 240 Diesel-PS, Aufstelldach, massig Platz und viel Komfort – das klingt nach eierlegender Wollmilchsau. Ist die V-Klasse auch, schließlich hat der Schwabe mächtig Dampf und bietet nahezu PKW-ähnliche Fahreigenschaften mit dem Raumangebot eines Sprinters. Wer unter der kurzen Motorhaube aber einen V6-Diesel erwartet, der sollte die nachfolgenden Zeilen lesen. Alle anderen, die sich für einen rundum gelungenen Camper-Van von Mercedes interessieren, natürlich auch. Auf geht´s zum Drive Check!

Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo Fahrbericht

Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo Fahrbericht

Der Mercedes-Benz V300d Marco Polo Design Check

Diamantgrill mit integriertem, dreiarmigem Stern. Voll-LED-Scheinwerfer. Große Lufteinlässe. Was zunächst nach einem Coupé aus Stuttgart klingt, ist tatsächlich ein Van. Ein ausgewachsenes Exemplar sogar, das in seiner Größe kaum zu übertreffen ist. Die Rede ist von der Mercedes-Benz V-Klasse. Doch wir nehmen den Maxi-Van nicht als „normale“ Version unter die Lupe, sondern schauen uns den „Marco Polo“ an. Dahinter verbirgt sich der Camper-Van unter den V-Klassen – ganz ähnlich, wie beim Volkswagen T6 „California“. Damit hätten wir auch gleich den schärfsten Widersacher des Schwaben genannt, der nicht nur seinen Kultfaktor, sondern auch die Verkaufszahlen auf seiner Seite hat.

Doch weiter mit dem Design. Von Camping- oder Nutzfahrzeug-Charme ist der Mercedes-Benz V-Klasse nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Der Schwabe wirkt cool, lässig und hip. Lifestylig sagte man mal. Hinter diesen Attributen verbirgt sich einfach ein gut gemachter Vollformat-Van mit allem, was gut fürs Aussehen ist. Seien es Chromleisten hier, 19-Zoll-Leichtmetallfelgen dort oder abgedunkelte Scheiben hier. Ärmlich sieht der Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo nicht aus und das macht ein Stück weit auch seinen Charme aus. Das Aufstelldach, das ein Doppelbett beherbergt, erkennt man im zusammengeklappten Zustand kaum. Einzig die Außensteckdose verrät die V-Klasse ein wenig. Bevor wir uns aber mit Äußerlichkeiten aufhalten, wollen wir lieber mit den wichtigen Dingen befassen.

Innenraum Check

Wichtig ist bei einem Camping-Van natürlich der Innenraum. Was bringt die Mercedes-Benz V-Klasse als Marco Polo mit? Da wäre zum einen die Küchenzeile mit 40 Liter großem Kühlschrank, Gasherd und Spüle – also allem, das man für den Zwischenstopp an der Küstenstraße der Cote d´Azur benötigt, um sich eine Dose Raviolo zu öffnen. Passend zur feinen französischen Gegend gibt sich das hochwertige Ambiente des Mercedes-Benz V300d Marco Polo. Sowohl die Einbauten, wie auch der Holzboden sind extrem gut ausgeführt und würden auch manchem Boot gutstehen.

Der Kühlschrank ist in der Lage „Frozen Ice“ herzustellen, also auf kältester Einstellung ist die Kühlleistung in der Tat beeindruckend. Vor allem bei Außentemperaturen von 32°C.  Die Standheizung sorgt bei kälteren Temperaturen für angenehme Temperaturen, allerdings nur unten. Eine Standklimatisierung gibt es natürlich nicht, so muss bei Hitze schon für Durchzug sorgen, sonst findet man erst spät in den Schlaf.

Zu einem veritablen Camper machen den Maxivan aber erst die beiden Doppelbetten. Ein Bequemes findet sich im „Obergeschoss“, nämlich im Ausstelldach. Ein weiteres Bett findet sich im Fahrgastraum, wenn man die Sitze umklappt. Das ist dann zwar nicht ganz so bequem, wie jenes im Ausstelldach, aber dafür ist es vor Wind und Wetter geschützt. Bei kräftigem Sturm, so muss ich es gestehen, haben wir das Hochdach eingefahren und haben es uns auf den unteren Plätzen bequem gemacht. Der nächtliche Umzug klappte zwar, ist allerdings in der Tat aufwendig, vor allem wenn man auf Grund von Starkregen das Fahrzeug nicht verlassen möchte.

Ein Bad findet sich indes nicht im Mercedes-Benz V300d Marco Polo. Zwar gibt es einen Spiegel und eine Möglichkeit für einen Dusch-Anschluss in der Heckklappe, doch sprechen wir bei diesem Fahrzeug von einem Camping-Van und nicht von einem Wohnmobil. Die Örtlichkeiten für seine menschlichen Bedürfnisse muss man also weiterhin im Rasthof oder auf dem Camping-Platz aufsuchen. Ein Stellplatz zu finden ist einfach, einen Camping-Platz zu finden zur Hochsaison schon eher schwierig und wer dann nicht kommt zur rechten Zeit, der muss sehen wo er stehen bleibt.

Wer sich mit der schwäbischen Traditionsmarke auskennt, wird das altbekannte Cockpit im Stil der Mercedes-Benz C- und A-Klasse mit einem Augenzwinkern wahrnehmen. Die Luftausströmer kennt man aus der A-Klasse, das Infotainment wiederum aus dem Mittelklasse-Modell – es ist nicht auf dem neuesten Stand und kommt ohne Apple CarPlay und Android Auto aus. Der erfahrene Camper spart sich also die entscheidenden Euros, lässt das teure Command-Navi weg und vertraut lieber auf sein Mobiltelefon oder ein Nachrüstnavi.

Der Mercedes-Benz  V300d Motoren Check

300d, das klingt nach V6. Stimmt, klingt so. Ist aber falsch, schließlich sind die Zeiten, in denen die Typbezeichnung für den Hubraum steht, vorbei. Wer aus 300d also 3.0 Liter Hubraum schließt, muss sich eines Besseren belehren lassen. Unter der Haube werkelt ein 2.0 Liter Vierzylinder. Der bietet allerdings 176 kW/239 PS und 500 Nm, die ab 1.600 U/min bereitstehen. Im Overboost sogar 530 Nm – nicht schlecht und auf V6-Diesel-Niveau. Die Neungang-Automatik hat dabei stets die Ruhe weg und den passenden Gang parat.

Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo Test

Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo Test

Wer gerne zügig an seiner Urlaubsdestination ankommen möchte, sollte mit 10 Litern im Durchschnitt rechnen, während man den Normverbrauch von 6,1 Litern eher in Ländern wie Dänemark, wo der Verkehr herrlich entspannt abläuft, erreicht. Und das ist wiederum nicht schlecht für ein Gefährt von knapp 2,5 Tonnen und einer Leistung von nahezu 240 PS. Dieses Reisemobil fährt sich ausgezeichnet gut, da gibt es nichts zu meckern.

Man muss dem Schwaben außerdem zugutehalten, dass Tempi jenseits der 200 km/h möglich sind – wenn auch nicht komfortabel. So stehen 215 km/h auf der Habenseite, die allerdings Windgeräusche verursachen, die der entspannten Urlaubsfahrt nicht zuträglich sind. Optional ist der Allradantrieb 4Matic erhältlich. Diese Variante ist sogar recht empfehlenswert, wenn es mal in den Winterurlaub gehen soll.

Preis Check

Machen wir es kurz und schmerzlos: Bei einem Testwagenpreis von rund 85.000 Euro bleiben die Augen des durchschnittlichen Campers nicht trocken. Dafür kann man sehr viel Urlaub im Hotel machen. Natürlich ist man mit der Wahl eines Hotels nicht so unabhängig, wie mit dem Mercedes-Benz V300d Marco Polo. Und ein Volkswagen T6 California mit entsprechender Ausstattung ist kaum günstiger – das Gegenteil ist oftmals der Fall. Und wer sagt denn, dass man mit dem Schwaben zwangsläufig in den Urlaub fahren muss? Schließlich bietet der Marco Polo echte Transporter-Qualitäten und damit Platz für Kind und Kegel. So kauft man unter dem Strich also ein multifunktionales Fahrzeug und keinen reinen Campervan.

Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo Review

Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo Review

Zielgruppencheck und Fazit

Ja gut, den Preis haben wir im Preiskapitel vielleicht schön-geredet. Immerhin gibt es auch Camping-Vans auf Basis eines Ford Transit oder Opel Movaro – und diese sind wesentlich günstiger. Sie sind aber auch wesentlich ungeschliffener: Während der Mercedes-Benz 300d Marco Polo ein echter Alleskönner ist, der schnell auf der Autobahn unterwegs ist, beim Umzug des besten Kumpels willkommen und beim Transport der Kids zur Schule ein echtes Highlight ist, sind die günstigen Alternativen vor allem Nutzfahrzeuge. Und so ist der Schwabe die vielleicht treffendste Definition einer eierlegenden Wollmilchsau. Und die muss man nun mal bezahlen. Frei nach dem alten Mercedes-Benz-Claim: „Das Beste oder nichts“.

Sonnenuntergänge gehören zu den schönsten Vanlife Momenten!

Sonnenuntergänge gehören zu den schönsten Vanlife Momenten!

Vanlife? Hier vermutlich eher in der Luxus-Version! Wenn der Weg das Ziel ist und man sich gerne mal vom „richtigen Weg“ abbringen lassen mag um so die Welt zu erkunden, dann empfehle ich auf jeden Fall mal eine Reise in einem Reisemobil. Auf Grund der Bauhöhe passt dieses Fahrzeug auch noch in das urbane Umfeld und sogar in viele Tiefgaragen. Ein weiterer Plus-Punkt. Der nächste Sommer kommt bestimmt, wie wäre es mit einem Camping-Trip? So ein Sonnenuntergang sieht sogar von einem Parkplatz wunderschön aus.

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