2020 Nissan Juke R+V24 Drive Check

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2020 Nissan Juke Fahrbericht Test Review

Ganz neu, aber irgendwie doch der alte: Der Nissan Juke der zweiten Generation wurde jüngst auf dem deutschen Markt vorgestellt. Mit mehr Platz, gesteigertem Komfort und einem erwachseneren Auftritt will der japanische Crossover erneut Kunden für sich gewinnen. Ob und wie ihm das gelingt, klärt der Drive Check. Das ist der neue Nissan Juke:

2020 Nissan Juke Fahrbericht

2020 Nissan Juke Fahrbericht

2020 Juke Design Check

Zehn Jahre Bauzeit und dennoch wollte man sich nicht so recht an den ersten Nissan Juke gewöhnen. Wie ein kleines Raumschiff wirkte der japanische Crossover. Trotz oder gerade deshalb fand das Modell Zuspruch in unseren Gefilden. Sogar eine sportliche Nismo-Variante gab es. Grund genug für Nissan, eine zweite Generation aufzulegen. Diese ist 4,21 m kurz, ohne Außenspiegel 1,80 m breit und 1,56 m hoch, was den Einstieg natürlich bequem ausfallen lässt. Die Maße entsprechen in etwa jenen, die heutzutage kleine SUV bieten. Entsprechend steigt der Nissan Juke mit dem Jeep Renegade, dem Volkswagen T-Cross oder dem Hyundai Kona in den Ring.

Was kann der Japaner diesen starken Widersachern entgegenbringen? Klar, ein prägnantes Design. Und das lehnt sich an den Vorgänger an. Entsprechend sind die Scheinwerfer – in der Regel das prägendste Design-Element an der Front – wieder zweigeteilt. Die Hauptaufgabe, das Ausleuchten des bevorstehenden Weges, übernehmen die runden Elemente, während die obersten Leuchten das Tagfahrlicht illuminieren. Jene wirken ein stückweit wie grimmig zusammengekniffene Augenbrauen einer Manga-Figur. Schön: Der Nissan Juke fährt serienmäßig mit LED-Scheinwerfern vor. Man kann es nicht oft genug sagen: Mehr Licht = mehr Sicht = mehr Sicherheit.

Was natürlich nicht fehlen darf, ist der Kühlergrill mit typischer V-Spange in Chrom – DAS Nissan-Designmerkmal schlechthin. Seitlich fällt das „frei schwebende“ Dach auf, womit Hersteller gerne das Färben der Dachsäulen in Schwarz benennen. Dennoch: Gerade mit der Karosserie in einer knalligen Farbe entsteht ein hübscher Kontrast. Und wer glaubt, dass der Nissan Juke nun vollends zum Coupé geworden sei, sollte sich die breite C-Säule einmal genauer ansehen. Hier verbergen sich die hinteren Türgriffe – nicht intuitiv, immer wieder nett anzusehen. Dieses Element nutzt Nissan bereits beim Micra.

Hinten fällt die kleine Heckscheibe auf, die auf stark ausgearbeitete Rückleuchten trifft. Man muss kein Hellseher sein, um darauf zu kommen, dass der Nissan Juke unübersichtlich ist. Erschwerend kommt die weit hochgezogene untere Fensterlinie hinzu. Die Rückfahrkamera wird also zur Pflicht, soll das lackierte Blech nicht leiden. Besser noch man greift gleich zum Surround-View, einer 360-Grad-Kamera.

2020 Juke Innenraum Check

So aufgefrischt und modernisiert der Nissan Juke äußerlich wirkt, so barock kommt einem das Interieur vor. Dabei ist es nicht der Qualitätseindruck, der verwundert – ganz im Gegenteil. Es ist schlicht und ergreifend die Optik des Armaturenbretts, die nach Anfang der 2000er aussieht. Die Verwendeten Materialien sind gut, das Armaturenbrett ist an der Oberseite mit Soft-Touch überzogen. Und auch sonst gibt es keine Materialien, bei denen man die Nase rümpfen müsste.

2020 Nissan Juke Review

2020 Nissan Juke Review

Von ihrer angenehmen Seite zeigen sich darüber hinaus die Platzverhältnisse vorne. Man spürt förmlich, wie das Raumangebot zugelegt hat. Kein Wunder, wuchs die Karosserie um sieben Zentimeter. Zudem streckten die Japaner den Radstand um zehn Zentimeter, sodass der Beinraum im Fond recht passabel ausfällt. Trotzdem muss man in der zweiten Sitzreihe die Köpfe einziehen, da die abfallende Dachlinie hier limitierend ins Spiel kommt. Die hohe Gürtellinie schränkt das Raumgefühl obendrein ein. Erfreulich: Der Kofferraum legte zu – deutlich! Wir sprechen von einem Plus von knapp 70 auf insgesamt 422 Litern.

Nichts auszusetzen gibt es an der Bedienung. Es gibt klassische Drehregler für die Klimaanlage und für das Infotainment sowie ein logisches Layout. Der 8-Zoll-Touchscreen des Infotainments ist angenehm weit oben angebracht und die Instrumente lassen sich sauber ablesen – alles im grünen Bereich. Es wird sogar noch grüner, wenn man sich die Funktionen des Infotainments ansieht: Apple CarPlay, Android Auto ein WLAN Hotspot – alles da. Hinzu kommt die Vernetzung via App, sodass man den Ölstand oder Reifendruck bequem vom heimischen Sofa abfragen kann. Man kann sogar über den Google Assistent Ziele über das Smartphone einsprechen und ans Auto schicken – Hightech!

Die Assistenzsysteme, wie der Totwinkelwarner, der Querverkehrswarner oder der Notbremsassistent wirken dagegen fast schon gewöhnlich. Alles andere als das, ist das Bose Soundsystem: Es ist mit acht Lautsprechern ausgestattet, zwei davon in den vorderen Kopfstützen, und bietet einen wirklich sauberen Klang. Für diese Fahrzeugklasse sehr überraschend.

Nissan Juke Motoren Check

Eine Überraschung gibt es auch bei der Wahl des Aggregats – es gibt nur eins! Angetrieben wird der Nissan Juke von einem 1.0 Liter Dreizylinder Benziner. Jener generiert 86 kW/117 PS und 180 Nm bei späten 4.000 Umdrehungen. Das ist wirklich ungewöhnlich, da Turbo-Motoren ihr maximales Drehmoment für gewöhnlich recht früh abgeben.

Wie man es aus der Motorleistung schon herleiten kann, fallen die Fahrleistungen nicht gerade überbordend aus. 10,4 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h sind noch recht flott, die 180 km/h Höchstgeschwindigkeit akzeptabel. Schließlich ist der Nissan Juke kein Rennwagen. Und angesichts seines Formats geht auch der angegebene Verbrauch von 5,9-6,2 Litern in Ordnung. Dennoch: Der Dreizylinder wirkt schwach auf der Brust und bereitet wenig Freude. Dafür gibt sich der Dreizylinder recht laufruhig und wurde angenehm gedämmt. Seine Geräuschentwicklung fällt nie negativ auf.

Keine Alternativen unter der Haube!

Keine Alternativen unter der Haube!

Da man beim Antrieb aktuell keine Wahl hat, lässt Nissan immerhin beim Getriebe eine Entscheidungsmöglichkeit: Serienmäßig ist der Nissan Juke an ein manuelles Sechsgang-Getriebe gekoppelt. Der sechste Gang ist allerdings sehr lang ausgelegt und nur für eine ebene Autobahn gedacht. Als Alternative steht ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit Schaltwippen parat, mit dem man zusätzlich die Wahl zwischen den drei Fahrmodi Eco, Standard und Sport als Preset bekommt. Wem das nicht passt, der kann in einem individuellen Modus seine eigene Abstimmung anlegen.

Juke Preis Check

Mit dem Facelift ist der Nissan Juke nicht nur erwachsener geworden, sondern auch teurer. Los geht es nun bei 18.990 Euro und damit etwa 2.500 Euro über dem Vorgänger. Dafür bietet der Nissan Juke nun serienmäßig LED-Licht. Wer das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe haben möchte, muss mit mindestens 22.590 Euro rechnen. In der empfehlenswerten Acenta-Ausstattung kommt der Nissan Juke auf knapp 21.000 Euro. Hier fehlt eigentlich nichts Essentielles.

2020 Juke Test

2020 Juke Test

Nissan Juke Zielgruppencheck und Fazit

Ist der Nissan Juke erwachsen geworden? Nein, das kann man so nicht sagen. Erwachsener ist er geworden. Seine inneren Werte sind optisch etwas barock, lassen sich aber gut bedienen und sind technisch up to date. Die Optik ist vielleicht immer noch nicht jedermanns Sache, doch sie ist im Vergleich zur ersten Generation deutlich gefälliger. Und sonst? Da hat der Juke rundum eine positive Entwicklung hingelegt. Wer keine Rennmaschine erwartet, der kann mit dem Nissan Juke einen entspannten Alltagspartner erwarten, mit dem man die Enkel von der Schule abholen oder ein paar Wasserkästen vom Getränkemarkt holen kann, ohne dafür in einem biederen VW Golf Sportsvan zu sitzen.

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