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2020 Toyota Mirai Fahrbericht Test Review

Alle Welt spricht von Elektroautos! Und Toyota? Der Vorreiter, der mit dem Prius seit über 20 Jahren die grüne Welle reitet und sogar Hollywood-Stars überzeugt? Toyota bleibt bei Hybriden, hat keinen reinen Stromer im Programm. Dafür spielen die Japaner eine ganz andere Karte: Den Toyota Mirai! Jener ist kein Stromer, sondern ein Wasserstoff-Fahrzeug! Tickende Zeitbombe, Allheilmittel oder etwas für Early Adopter? Der Drive Check klärt diese Frage.

Toyota Mirai Fahrbericht

Toyota Mirai Fahrbericht

Toyota Mirai Design Check

Uff! Was für ein Schiff! Mit 4,89 m ist der Toyota Mirai ein echtes Flaggschiff und rangiert auf dem Niveau eines Opel Insignia oder Skoda Superb. Und auch die 2,78 m Radstand passen in diese Liga. Allerdings will der Toyota Mirai gar nicht in dieses Schema passen. Mit seiner Höhe von 1,53 m und einer Karosserieform, die an den Toyota Prius PHEV erinnert, wirkt der Mirai eher wie ein Ufo, denn wie eine typische Limousine. Müssen Autos, die eine alternative Antriebsart haben, immer nach Raumschiff aussehen? Klar, Mirai heißt übersetzt Zukunft. Aber, um die vorangegangene Frage zu beantworten: Nein, alternativ angetriebene Autos können auch ganz „normal“ aussehen. Beste Beispiele sind hier der Toyota Mirai der zweiten Generation, der bald vorgestellt wird, oder der Audi e-tron.

Schauen wir uns den Toyota Mirai aber einmal genauer an und starten an der Front. Begrüßt wird man von zwei riesigen Lufteinlässen in Dreiecksform, die den Mirai wie einen Walhai wirken lassen. Dazwischen befindet sich ein weiterer Lufteinlass, der die Kennzeichenaufnahme weit nach oben wandern lässt. Die Scheinwerfer, sonst eines der typischsten Erkennungsmerkale eines Fahrzeugs, verkommen zur Nebensache. Sie sind nur noch kleine Spalte, die in der Flucht zwischen Motorhaube und Kotflügel verschwinden. Ja, da ist anders. Gewollt anders!

Seitenlinie und Heck legen dieses Attribut nicht ab. Die Dachlinie fällt sanft nach hinten ab, sodass der Mirai mehr Fließheck denn Limousine ist. Auffällig ist dabei die stets in Hochglanz-Schwarz lackierte D-Säule, die reichlich breit ist und die Sicht nach schräg hinten stark einschränkt. Und das trotz des zusätzlichen Fensters in der D-Säule. Am Heck nahmen die Designer das Dreiecks-Design der Front wieder auf. Unterhalb des Leuchtenbandes warten dreieckige Rückleuchten auf den Betrachter. Ein Auspuffrohr sucht man ebenfalls vergebens. Wozu auch?!

Design-Check!

Design-Check!

Innenraum Check

Wenn man das Cockpit des Toyota Mirai betrachtet, wird man stark an den Toyota Prius erinnert. Alles ist sehr offen und frei gestaltet. Ganz oben erwarten die Passagiere digitale Instrumente, die mittig angebracht sind. An ihre Position gewöhnt man sich schnell. Dass sie zudem angenehm weit oben angeordnet sind, ist ebenfalls lobend hervorzuheben. Gleiches gilt für den 7-Zoll-Touchscreen des Infotainments. Der Bildschirm könnte jedoch größer sein. Und das Konzept, auf echte Knöpfchen und Tasten zu verzichten, geht ebenfalls nicht auf. Die Wahl fiel auf berührungssensitive Touch-Flächen, die ein zielgenaues Drücken erfordern, für das man den Blick von der Straße abwenden muss – nicht optimal. Das gilt auch für den Lautstärkeregler. Zum Glück gibt es ein Multifunktionslenkrad.

Der Innenraum ist modern gestaltet!

Der Innenraum ist modern gestaltet!

Das Infotainment gefällt hingegen mit einem umfangreiches Multi-Mediaangebot. Vorhanden sind, neben dem normalen Radio, DAB, ein Navigationssystem, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und WLAN. Und das JBL Soundsystem macht reichlich Druck – das passt. Angenehm auch das Online-Angebot, das beispielsweise Echtzeitverkehrsmeldungen ermöglicht. Witzig ist übrigens, dass im Mirai unter „Kraftstoff“ die Preise für Super, Diesel und Benzin angezeigt werden können. Wasserstoff-Tankstellen kennt das System hingegen nicht. Schade ist auch, dass das Klimabedienteil weit unten angebracht ist und ebenfalls über Touchflächen bedient werden muss.

Nicht in allen Details komplett ausgereift!

Nicht in allen Details komplett ausgereift!

Wenig reisetauglich zeigt sich der Kofferraum: 361 Liter Volumen entsprechen mittlerem Kompaktklasse-Niveau. Erweitern kann man Volumen nicht. Hinzu kommt, dass das Ladeabteil zerklüftet ist. Einziger praktischer Gedanke, sind Taschenhaken – das war´s. Dabei bietet der Toyota Mirai ein angenehmes Raumangebot vorn.

Auf Grund von der Bauform nicht geeignet für Hunde-Besitzer: Der Kofferraum!

Auf Grund von der Bauform nicht geeignet für Hunde-Besitzer: Der Kofferraum!

Auch für größere Passagiere steht hier genügend Bewegungsfreiheit bereit, die einzig durch den recht breiten Mitteltunnel eingeschränkt wird. Das Raumgefühl leidet indes unter der hohen Seitenlinie. Besonders im Fond fühlt man sich etwas eingemauert, was auch mit der stark abfallenden Dachlinie zu tun hat. Ab einer Körpergröße von etwa 1,80 m wird es hier eng. Die Beinfreiheit fällt hingegen großzügig aus. Für genügend Platz zu den Seiten sorgt der Fakt, dass der Toyota Mirai ein reiner Viersitzer ist und hinten zwei Einzelsitze bietet.

Das Angebot an Ablagen darf mit hinreichend beschrieben werden. Vorn gibt es Staufächer und Becherhalter sowie kleine Türfächer. Das Handschuhfach fällt arg klein aus. Türablagen hinten fehlen darüber hinaus gänzlich. Das Angebot an Assistenten ist, auf der anderen Seite großzügig und serienmäßig an Bord. Was fehlt, sind ein Stauassistent, ein Abstandswarner sowie eine City-Notbremsfunktion. Schön hingegen, dass es drei Isofix-Halterungen gibt, man also auch auf dem Beifahrersitze Kinder unterbringen kann.

Ausreichend Platz für vier Personen!

Ausreichend Platz für vier Personen!

Toyota Mirai Motoren Check

Kommen wir zum Herzstück des Toyota Mirai, dem Brennstoffzellen-Antrieb. Jener hört auf den Namen „Toyota FC Stack“, wobei das „FC“ nicht für Fußballclub, sondern für Fuel Cell, also Brennstoffzelle, steht. Für eine Polymer-Elektrolyt-Brennstoffzelle, um genau zu sein. Als Leistungsoutput geben die Japaner 113 kW/154 PS und 335 Nm an. Das soll reichen, um das nahezu fünf Meter lange Flaggschiff in 9,6 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 175 km/h erreicht. Getankt wird Wasserstoff, der in zwei Tanks untergebracht wird. Das Tankvolumen beträgt insgesamt fünf Kilogramm und soll in drei bis fünf Minuten zur Gänze gefüllt sein.

Toyota Mirai Motor-Check

Toyota Mirai Motor-Check

Wie der Wasserstoffantrieb funktioniert, klären wir in einem gesonderten Beitrag. Fakt ist, dass Wasserstoff-Fahrzeug sozusagen Hybride sind, schließlich wird umgewandelter Wasserstoff über einen AC-Synchronmotor an die Räder übertragen. Hier spricht man also von einer Mischung aus Wasserstoff als Treibstoff und einem Elektromotor mit kleiner Batterie als tatsächlichem Antrieb.

Toyota Mirai Review

Toyota Mirai Review

Blicken wir auf den Verbrauch. Die Werte – soviel sei vorab gesagt – stehen natürlich in keinem greifbaren Verhältnis. Zu wenig Alternativen gibt es aktuell, zu wenig Gespür hat man dafür, ob die kommenden Zahlen nun viel oder wenig sind. Aber zu den Fakten: Innerorts verbraucht der Toyota Mirai 0,69 kg Wasserstoff, außerorts 0,8 kg, kombiniert kommt man entsprechend auf 0,76 kg. Spannend, da innerorts weniger Kraftstoff benötigt wird.

Wasserstoff-Fahrzeuge - die Zukunft?

Wasserstoff-Fahrzeuge – die Zukunft?

Die CO2-Emissionen können, was den Antrieb anbelangt, außen vorgelassen werden, da keine anfallen. Einziges Endprodukt: kleine Mengen verdampftes Wasser. Dass der CO2-Ausstoß nur lokal bei Null liegt, bei der Wasserstoff-Produktion aber sehr wohl CO2 anfällt, muss dennoch betrachtet werden.

Toyota Mirai Fahreindruck Check

Und wie fährt sich nun ein Wasserstoff-Auto? Eigentlich wie ein ganz normales Auto auch! Die Lenkung ist leichtgängig, das Fahrwerk komfortabel und der Innenraum sehr leise. Der tatsächliche Durchschnittsverbrauch bei 60 km/h liegt bei rund 1,3 kg auf 100 km, bei 80 km/h bei etwa 1,1 kg und bei 125 km/h liegt man bei 2,4 kg. Wer also meint, er müsse den Mirai mit Vollstrom über die Autobahn jagen, der wird sich schnell die nächste Wasserstofftankstelle suchen müssen – sofern vorhanden. Dort kommt dann die Ernüchterung, denn der Preis pro Kilogramm ist derzeitig noch auf 9,50 Euro festgelegt! Sprich: man muss hier schon ein sehr überzeugter Early Adopter sein.

Preis Check

Als Early Adopter ist man gemeinhin auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Und diese Bereitschaft sollte man auch beim Toyota Mirai haben. 78.600 Euro fallen für das Wasserstoff-Fahrzeug an. Schnapper, oder?

Ok, ganz Ironie-frei betrachtet, muss man festhalten, dass es sich beim Mirai um ein Fahrzeug handelt, dass eine neue, teure Technik mitbringt. Und: Der Japaner bringt eine vollständige Ausstattung mit. Dazu gehören Bi-LED-Scheinwerfer, induktives Laden fürs Smartphone, ein Multifunktionslenkrad, ein Spurhalteassistent, einen adaptiven Tempomat, eine Einparkhilfe sowie das Infotainmentsystem mit Rückfahrkamera. Zudem gibt es das JBL Soundsystem mit elf Lautsprechern sowie elektrische Sitze mit Kunstlederbezug und einen Smart Key frei Haus.

Zielgruppencheck und Fazit

Ja, ganz eindeutig: Der Toyota Mirai ist ein Exot. Sowohl optisch, wie auch von seinem Antriebskonzept her. Und das ist in der aktuellen Form nicht sinnig: Der Mirai bietet Platzverhältnisse für vier, aber den Kofferraum eines Kompakten. Klar, die Reichweite von realen 340 km lässt sich problemlos in fünf Minuten wieder auftanken. Naja, so problemlos ist das Ganze dann doch wieder nicht, schließlich muss man erstmal eine Wassersoff-Tankstelle finden. Und somit ist der Toyota Mirai eigentlich ein gutes Stadtfahrzeug – wenn man nur das Konzept betrachtet. Nimmt man die Abmessungen mit ins Kalkül, fällt der Japaner mit knapp 4,90 m für diesen Zweck aus.

Toyota Mirai Test

Toyota Mirai Test

Für ein optimales Fahren mit Wasserstoff bedarf es verschiedener externer Faktoren. Dazu zählen etwa die Tank-Infrastruktur und vor allem die nachhaltige Produktion von Wasserstoff. Nicht zu vergessen müsste die Speicherung des Wasserstoffs massiv verbessert werden, schließlich diffundiert der leicht entzündliche Kraftstoff schnell und leicht. Technik, die also noch in den Kinderschuhen steckt. Abwarten und Tee trinken, also. Und Diesel fahren. Oder Benziner. Oder vielleicht sogar rein elektrisch.