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2020 Lexus ES 300h Fahrbericht | Probefahrt | Test

Wir nehmen heute ein nicht alltägliches Fahrzeug unter die Lupe: Den Lexus ES 300h! Limousinen sind in unseren Gefilden einfach kaum präsent und eigentlich nur in der Oberklasse vertreten. Trotzdem wollen wir dem Lexus ES 300h, einem Vertreter der oberen Mittelklasse, etwas auf den Zahn fühlen. Wie macht sich der japanische Riese im Drive Check?

Lexus ES 300h Fahrbericht

Lexus ES 300h Fahrbericht

Lexus ES 300h Design Check

Der Lexus ES 300h ist definitiv eines: Eine gestandene Limousine! Mit 4,97 m passt der Japaner fast schon in die Oberklasse. Seine Breite von 2,12 m ist wiederum erträglich und etwa auf Skoda Superb-Niveau. Und mit 1,45 m ist die Limousine dazu recht flach. Der Radstand von 2,87 m verrät hingegen: Innen geht es geräumig zu. Damit beschäftigen wir uns aber im Innenraum Check.

Im Design Check fällt sofort auf: Mit seinem großen Kühlergrill wirkt der Lexus ES 300h fast schon martialisch. Überhol-Prestige ist gefragt, schließlich tritt die Limousine gegen Audi A6, BMW 5er-Reihe und Mercedes-Benz E-Klasse an. Die deutschen Kontrahenten sind allesamt viel erfolgreicher, der Lexus hingegen viel günstiger. Und das, obwohl Lexus die Nobelmarke von Toyota ist. Nicht von ungefähr kommt also die Präsenz des Luxusliners. Unterstrichen von Bi-LED-Scheinwerfer in der Serie, in der gefahrenen Luxury-Edition sogar mit Matrix-LED-Scheinwerfern, wird das Gesicht des Lexus zum Räumer der linken Spur der Autobahn. Ob das wirklich klappt, klären das Motorenkapitel und der Fahreindruck.

Klären wir an dieser Stelle lieber, warum man den Lexus ES 300h in unseren Breitengraden kaum antrifft: Die orangen Reflektoren in den Frontscheinwerfern sind bereits der erste Hinweis darauf! Der Lexus ES 300h ist vorwiegend für den amerikanischen Markt konzipiert – hier sind Limousinen mit besonderer Stattlichkeit gefragt. Dabei ist die Breite sogar recht bescheiden, da die Japaner auf Rückfahrkameras anstelle der Außenspiegel vertrauen. Und man darf festhalten: Das System funktioniert besser, als etwa im Audi e-tron, da die Kameras höher auflösen und ein schärferes Bild abgeben.

Seitlich gefällt der Lexus ES 300h besonders mit seiner Coupé-haften Dachlinie. Hinzu kommen dicke Chrom-Garnierungen und ansehnliche Leichtmetallräder in Turbinen-Optik. Beim Testwagen messen sie 18 Zoll, während 17-Zoll-Felgen serienmäßig sind. Optional gibt es noch 19-Zoll-Felgen.

Wer genau hinsieht, wird einen kleinen Schriftzug an den hinteren Türen erkennen: „Hybrid“. Die große Limousine vertraut auf die Kraft der zwei Herzen, kann aber nicht extern geladen werden und bietet eine elektrische Reichweite, von gerade einmal zwei Kilometern. Ein E-Kennzeichen gibt es also nicht.

Dafür gibt es aber ein zerklüftetes Heck mit vielen horizontalen Linien. Der Heckdeckel ist der Punkt, der für das Auge etwas irritierend wirkt, da es scheint, als ob ein Spoiler in ihn integriert wurde. Vor meinem inneren Auge fahren sofort die Mercedes-Benz 190 und Audi 80 der frühen 1990er Jahre die Straße entlang. In ihnen ein älterer Herr auf einem Holzperlen-Sitzbezug und auf dem Heckdeckel der Limousine mit der Basismotorisierung – genau – ein kleiner Spoiler. Nun, ganz so gemein wollen wir hier nicht sein, ähnelt der aufgesetzte Heckdeckel eher an die BMW 7er Baureihe vom Typ E65 – ein Auto das polarisierte, sich aber sehr gut verkaufte.

Lexus ES 300h Innenraum Check

Und innen? Holzperlen-Sitze? Weit gefehlt. Das Interieur des Lexus ES 300h empfängt seine Passagiere mit einer prächtigen Vollleder-Ausstattung. Dank Gurthöhenverstellung, weiträumig verstellbarer E-Sitze mit Memory für Fahrer und Beifahrer und einem Lenkrad, das beim Betätigen der Zündung entgegenkommt, fühlt man sich direkt zuhause.

Ungewöhnlicher Innenraum!

Ungewöhnlicher Innenraum!

Das Volant selbst ist mit Tasten versehen, wirkt aber nicht überfrachtet. Links bedient man das Infotainment und die Sprachbedienung, rechts den adaptiven Tempomaten. Für anfängliche Verwunderung – optisch sogar länger anhaltend – sorgten die beiden Knubbel, die aus der Instrumentenhutze herausragen. Handhaben wird man sie selten, schließlich schaltet man auf der linken Seite das ESP ein bzw. aus, während man rechts die Fahrmodi Eco, Normal und Sport durchschaltet.

Hat man sich in den allermeisten Fahrzeugen daran gewöhnt, dass man das großes Infotainment-Display per Touch bedient, wird man sich im Lexus ES 300h wundern. Zum einen ist der Bildschirm weit weg und zum anderen reagiert er gar nicht auf Touchgesten. Nein, die Bedienung erfolgt ausschließlich über ein Touchpad in der Mittelkonsole, das zusätzlich Direktwahltasten bietet und es damit ermöglicht, den Bildschirm etwas weiter weg zu positionieren. Bedient wird wie mit dem Touchpad am heimischen Notebook – ganz einfach eigentlich. Ungewohnt, aber früher oder später machbar. Besonders gut erfolgt das Zusammenspiel mit Apple Carplay.

Wundern muss man sich allerdings aufgrund der kleinen Monitore links und rechts. Nein, hier wurden keine günstigen Aftermarket-Navis verbaut – das sind die Displays, die das Bild der seitlichen Außenspiegel-Kameras abbilden. Natürlich ist das Bild verstellbar, außerdem ist ein Zoomen möglich. Dennoch sind sie nicht frei von Kritik. Bei Dunkelheit erkennt man beispielsweise ein Bildrauschen auf den Bildschirmen, von der Gewöhnungsbedürftigkeit ganz zu schweigen. Außerdem verlangen sie Vertrauen – hält die Technik? Darüber hinaus kann man bei einem klassischen Außenspiegel durch eine schnelle Kopfbewegung einfach den Blickwinkel ändern. Das geht bei den Kameras nicht, die mit 2.000 Euro Aufpreis zudem empfindlich teuer sind.

Wirklich überzeugt hat indes das Mark Levinson Soundsystem mit 17 Lautsprechern. Der Klang ist wirklich fantastisch! Mau darf man jedoch die Auswahl an Ablagen nennen: In die kleinen Türtaschen passen gerade einmal 0,5 Liter-Flaschen. Das Ablagefach im vorderen Bereich der Mittelkonsole bietet zwar USB und AUX-In, ist jedoch ebenfalls klein. Hinzu gesellt sich ein Cupholder hinter dem Gangwahl-Hebel, der in zwei Höhen verstellbar ist, sowie die nicht verstellbare Mittelarmlehne mit induktivem Laden und weiterem Stromanschluss. Das Handschuhfach ist ebenfalls nicht der Rede wert.

Der Platz im Fond ist jedoch sehr üppig! Für zwei Passagiere geht es hier überaus großzügig zu. Darüber hinaus bieten die Fensterheber einen Einklemmschutz, die Scheiben können komplett abgesenkt werden und bei Bedarf mit Sonnenrollos Privatsphäre schaffen. Und wer in der Luxury-Edition die breite Mittelarmlehne herunterklappt, wird mit der Steuerung für die Sitzeinstellung, die Temperatur, das Heckscheiben-Rollo, die Sitzheizung und das Radio überrascht. Zudem gibt es hinten zwei Luftausströmer, die aus der Verlängerung der vorderen Mittelarmlehne entspringen. Darunter warten ein 12V-Anschluss sowie zwei USB-Ports auf hungrige Smartphones.

Der Kofferraum muss sich eigentlich nicht verstecken!

Der Kofferraum muss sich eigentlich nicht verstecken, aber es gibt größere!

Der Kofferraum des Lexus ES 300h hat wiederum weniger Hunger. Zwar öffnet er elektrisch, bietet aber nur 454 Liter Ladevolumen – das können die deutschen Kontrahenten besser. Auch die Zuladung von 470 kg könnte größer ausfallen.

Lexus ES 300h Motoren Check

Groß fällt dafür der Motor aus – zumindest verhältnismäßig. Vierzylinder mit 2.5 Litern Hubraum sind heute nicht mehr sehr häufig anzutreffen. Vor allem, wenn sie so sparsam sind, wie jener im Lexus ES 300h! Das im Atkinson-Zyklus laufende Aggregat soll sich lauf NEFZ mit gerade einmal 4,4 Litern auf 100 km begnügen. Verantwortlich dafür ist ein kleiner E-Motor, der jedoch nur im Schubbetrieb und durch Rekuperation lädt. Ein externes Laden seiner Batterie ist nicht möglich, sodass die elektrische Reichweite maximal zwei Kilometer beträgt.

Das Motoren-Konzept vom Lexus ES 300h überzeugt!

Das Motoren-Konzept vom Lexus ES 300h überzeugt!

Immerhin generiert der E-Motor 202 Nm. Der Benziner liefert zusätzliche 221 Nm. Als Systemleistung werden 160 kW/218 PS angegeben. Und damit sollen 4,4 Liter erreichbar sein? Im Labor schon. Auf der Straße verspicht der WLTP Wert 5,6 Liter auf 100 km. Die haben wir auf unseren Testfahrten jedoch um 0,6 Liter unterboten! Nicht schlecht für eine knapp fünf Meter lange Limousine mit 1.680 kg Leergewicht! Da fallen die etwas müden Fahrleistungen von 8,9 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und die 180 km/h Höchstgeschwindigkeit weniger ins Gewicht. Das CVT-Getriebe, das natürlich stufenlos arbeitet und seine Kraft an die Vorderräder schickt, macht seine Aufgabe obendrein gut. Man muss sich nur an die Arbeitsweise gewöhnen.

Lexus ES 300h Fahreindruck Check

Gewöhnung erforderter Lexus ES 300h hingegen kaum. Einsteigen, wohlfühlen! Überzeugen kann der Luxus-Japaner mit seinem ausgewogenen Fahrgefühl und der guten Symbiose aus beiden Motoren. Das CVT-Getriebe agiert unauffällig, entlockt dem Vierzylinder bei höheren Drehzahlen aber ein paar Töne. Insgesamt ist der Lexus jedoch sehr leise. Nicht zuletzt deshalb traut man ihm mehr als 180 km/h Topspeed zu.

Lexus + Hybrid = Luxus!

Lexus + Hybrid = Luxus!

Auch die ordentlich zupackenden Bremsen und das satt-komfortable Fahrwerk unterstützen diesen Eindruck. Dabei fällt die präzise Lenkung positiv auf, die jederzeit ein gutes Gefühl beim Fahren gibt. Mit den routiniert arbeitenden Assistenzsystemen kommt so ein höchst-komfortables Fahren zustande, das vom tollen Qualitätseindruck weiter unterstützt wird.

Lexus ES 300h Preis Check

Fangen wir mit dem Positiven an. Der Lexus ES 300h startet bei 48.800 Euro und ist damit ein Schnäppchen in dieser Klasse. Seine – vorwiegend deutschen – Kontrahenten können da kaum mithalten.

Und nun zum schmerzenden Teil: Der Testwagen steht mit knapp 70.000 Euro auf der Preisliste. Hier ist allerdings alles – wirklich alles! – mit dabei: Von den gemütlichen Ledersesseln, über die Rückfahrkamera-Außenspiegel, das Mark Levinson Soundsystem und das Head-Up Display. Stattet man die Mitstreiter so aus, wird man sich nach den knapp 70.000 Euro sehnen.

Lexus ES 300h Zielgruppencheck und Fazit

In diesem Kapitel fangen wir mit den Negativpunkten an. Natürlich muss man, als deutsches Medium, die Höchstgeschwindigkeit von gerade einmal 180 km/h kritisieren. Im Autoquartett landet man damit keinen Stich – im Mitbewerberumfeld ebenfalls nicht. Volvo geht ebenfalls in diese Richtung. Man kann sich darüber hinaus fragen, wie oft man wirklich schneller als 180 km/h fährt… Was noch negativ auffällt? Es könnte mehr Ablagen und einen größeren Kofferraum geben. Das war es aber auch schon mit Kritik.

Er ist nicht der schnellste, aber schnell genug ist er!

Er ist nicht der schnellste, aber schnell genug ist er!

Der Lexus ES 300h hat nämlich viele positive Seiten. Da wäre etwa das tolle Raumangebot, der hohe Komfort oder – last, but definitely not least – der sehr genügsame Verbrauch. Hier bietet die deutsche Konkurrenz durch die Bank mehr und das zeigt einmal mehr, dass Toyota – als Mutterkonzern – viel vom Spritsparen versteht. Von bequemen Limousinen ebenfalls. Wer also viel auf der Autobahn unterwegs ist und einen sparsamen Luxus-Benziner im Blick hat, kann mit dem Lexus ES 300h glücklich werden. Wenn das Design denn schmeckt.

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